Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wissenschaftler wollen Grenze zwischen Theorie und Praxis in der Systembiologie überwinden

01.11.2005


Europäische Union fördert Exzellenznetzwerk ENFIN über fünf Jahre mit insgesamt 9 Millionen Euro



Noch immer trennt eine scharfe Linie die im Labor tätigen "nassen" Biologen von den theoretisch arbeitenden Biologen und Bioinformatikern. Dies zu ändern ist Ziel des "Experimentellen Netzwerkes für Funktionelle Integration" (ENFIN). Das europäische Exzellenznetzwerk vereint eine Reihe der besten theoretischen und experimentell tätigen Wissenschaftler Europas. In nur fünf Jahren wollen sie ein virtuelles Institut errichten, das die Methoden der Computational Systems Biology (rechnergestützten Systembiologie) für Forscher und Experimentatoren aus Europa und der ganzen Welt zugänglich macht. Insgesamt 20 Arbeitsgruppen aus 17 Einrichtungen in 13 Ländern, darunter auch Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik in Berlin, bilden das ENFIN-Netzwerk. Die europäische Union unterstützt das Projekt fünf Jahre lang mit insgesamt neun Millionen Euro.



Sequenzierungstechniken und andere Hochdurchsatz-Methoden haben einen ungeheuren Aufschwung der Bioinformatik eingeleitet: Für fast jede Art biologischer Information existieren heute große, öffentlich zugängliche Datenbanken. Der Forscher im Labor nutzt jedoch oft nur einen Bruchteil der verfügbaren Informationen, die für seine spezifischen Fragestellungen von Bedeutung sind. Ewan Birney, Wissenschaftler am EMBL - Europäischen Bioinformatik-Institut und Koordinator des ENFIN-Netzwerkes, erklärt dies folgendermaßen: "Für experimentell tätige Wissenschaftler ist die Bioinformatik wie Autofahren in einer fremden Stadt. Vielleicht sehen die Forscher bereits das Hotel, zu dem sie möchten, das Gewirr der Einbahnstraßen macht es ihnen aber fast unmöglich, den Weg zum Parkhaus zu finden. ENFIN will daher die Straßenführung so überarbeiten, dass die Einbahnstraßen aufgelöst werden. Wissenschaftler sollen künftig direkt an die Informationen gelangen, die sie für ihre Forschung benötigen. So können sie bereits vorhandenes Wissen leichter mit ihren eigenen, noch unpublizierten Ergebnissen kombinieren und unter Berücksichtigung von Daten unterschiedlichster Experimente echte integrierte Analysen durchführen."

Mit dieser Idee haben sich Wissenschaftler mit sehr unterschiedlichen Kenntnissen und Interessensgebieten zusammengeschlossen. Das ENFIN-Netzwerk umfasst unter anderem Experten für die Architektur von Datenbanken (z.B. Henning Hermjakob, EMBL-EBI; Geoff Barton, Universität Dundee) und die Entwicklung von Werkzeugen zur Datenanalyse (z.B. Søren Brunak, Technische Universität Dänemark; Eran Segal, Weizmann Institut, Rehovot), Spezialisten im Bereich der experimentellen Molekularbiologie (z.B. Carl-Henrick Heldin, Ludwig Institut für Krebsforschung, Uppsala; Erich Nigg, Max-Planck-Institut für Biochemie, Martinsried) und Fachleute für die Modellierung zellulärer Prozesse (z.B. Edda Klipp, Max-Planck-Institut für molekulare Genetik, Berlin). Gemeinsam arbeiten sie daran, eine neue Generation von Informationsquellen für die Systembiologie zu entwickeln. Ihre Erkenntnisse sollen jedem Bereich der biologischen Forschung zugute kommen. Das Hauptinteresse des Netzwerkes gilt jedoch der Regulation der Zellteilung. Die diesem Prozeß zugrunde liegenden Mechnismen sind bei vielen Erkrankungen gestört, besonders deutlich ist dies bei Krebserkrankungen. Mit ihrer Arbeit wollen die ENFIN-Wissenschaftler einen direkten Beitrag zum Verständnis dieser Art von Krankheiten leisten. Durch die Bereitstellung einer geeigneten Infrastruktur sollen zusätzlich Wissenschaftler auf der ganzen Welt bei ihrer Forschung unterstützt werden.

"Durch die kombinierte Expertise von "nassen" und "trockenen" Biologen will ENFIN einen Wandel wissenschaftlicher Arbeitsmethoden katalysieren. Rechnergestützte Ansätze müssen in das Methodenspektrum der Molekularbiologen integriert werden, anstatt eine Domäne der Bioinformatiker zu bleiben. Nur wenn Datenbanken und Algorithmen genauso gebräuchlich werden wie Pipetten und Zellkulturen, können wir das gesamte Potential der modernen Molekularbiologie nutzen," fasst Birney die Vision der ENFIN-Wissenschaftler zusammen.

Kontakt MPI für molekulare Genetik:
Dr. Edda Klipp
Max-Planck-Institut für molekulare Genetik
Ihnestrasse 63-73
D-14195 Berlin

Tel.: 030- 8040 9316
Fax: 030- 8040 9322
Email: klipp@molgen.mpg.de

Dr. Patricia Beziat | idw
Weitere Informationen:
http://www.molgen.mpg.de

Weitere Berichte zu: Biologe ENFIN ENFIN-Netzwerk ENFIN-Wissenschaftler Systembiologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Nesseltiere steuern Bakterien fern
21.09.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Die Immunabwehr gegen Pilzinfektionen ausrichten
21.09.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften