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Neuer Sonderforschungsbereich zur Blutgefäßforschung

24.10.2005


Forscher aus Frankfurt, Heidelberg und Freiburg untersuchen die Entstehung häufiger Gefäßerkrankungen


Mehr als zwei Drittel aller Todesfälle in der Bundesrepublik lassen sich direkt oder indirekt auf Erkrankungen des Blutgefäßsystems zurückführen. Sie sind bei den häufigsten und bedrohlichsten Volkskrankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Bluthochdruck und Tumorerkrankungen, aber auch Diabetes, Augenerkrankungen und Hautkrankheiten von großer Bedeutung. Trotz der weiten Verbreitung dieser sozioökonomisch wichtigen Erkrankungen sind ihre Ursachen auf der Ebene der molekularen und zellulären Veränderungen in der Gefäßwand bisher wenig erforscht. Der Anfang Juli gegründete Sonderforschungsbereich (SFB) Transregio 23 "Vascular Differentiation and Remodeling" ist in Deutschland der erste, der seinen Schwerpunkt ausschließlich auf die Blutgefäßforschung legt. Sprecher ist der Frankfurter Neuropathologe Prof. Dr. Karl H. Plate. "Mit der Gründung des Sonderforschungsbereichs verfolgen wir die Absicht, zum grundsätzlichen Erkenntnisgewinn auf diesem rasch wachsenden Forschungsgebiet beizutragen", erklärt Plate."Damit schaffen wir die wissenschaftlichen Voraussetzungen für die rationale Entwicklung neuer diagnostischer und therapeutischer Verfahren".

Im Mittelpunkt der Forschung standen bislang vaskuläre Endothelzellen, mit denen die Gefäßwände ausgekleidet sind. Ein wesentliches Ziel bestand darin, Moleküle zu identifizieren, welche die Gefäßneubildung fördern oder hemmen, und ihre Funktionsweise zu verstehen. Das neue Forschungsvorhaben setzt ’eine Ebene’ höher an, indem es die Rolle der endothelialen Vorläuferzellen, der Kapilarwandzellen (Perizyten) und der glatten Muskelzellen bei diesen Prozessen untersucht. Obwohl eine Vielzahl von Befunden auf eine komplexe Interaktion dieser Zellen bei der Neubildung und dem Umbau von Gefäßen hinweist, sind diese Prozesse bisher noch wenig erforscht.


Das Arbeitsprogramm ist auf drei Projektbereiche aufgeteilt. Der erste befasst sich mit äußeren Einflüssen auf die Endothelzellen und andere Zellen der Gefäßwand. Im zweiten Bereich stehen die zellulären Antworten auf diese äußeren Reize im Mittelpunkt. Der dritte Bereich, den die Frankfurter Gruppe um Prof. Karl H. Plate federführend bearbeitet, widmet sich den Interaktionen zwischen der Zellen der Gefäßwand und komplexen Regulationsmechanismen mit einer Vielzahl anderer Zellen. Diese Untersuchungen geschehen am lebendigen Organismus. Gemeinsam gehen alle Projekte davon aus, dass die Gefäßwand ein kompliziert verflochtenes System verschiedenster Zellen darstellt, deren Funktion, Eigenschaften und Erscheinungsformen in hohem Maße variabel sind. Diese Systeme lassen sich nur durch eine übergreifende Analyse aller beteiligten Zelltypen verstehen. Die dabei angewandten Methoden nehmen ein breites Spektrum ein: Sie reichen von der Molekular- und Zellbiologie über die Physiologie der Blutgefäße bis hin zu transgenen Mausmodellen und bildgebenden Verfahren am lebenden Organismus.

Der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte SFB ist ein Zusammenschluss von 16 Arbeitsgruppen der Universitäten Frankfurt, Heidelberg und Freiburg unter Beteiligung des Deutschen Krebsforschungszentrums (Heidelberg) und der Klinik für Tumorbiologie (Freiburg) mit knapp 40 Wissenschaftlern. Die Laufzeit des SFB beträgt maximal 12 Jahre.

Kontakt:
Prof. Dr. Karl H. Plate,
Neurologisches Institut (Edinger Institut),
Universität Frankfurt;
Tel: 069 / 6301 6042;
E-Mail: Karl-Heinz.Plate@kgu.de

Anne Hardy | idw
Weitere Informationen:
http://www.transregio23.info

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