Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Senckenberg- Forscher mit TERRAMARE-Technik erfolgreich bei Beprobung heißer unterseeischer Quellen

29.09.2005


Mit einem am Forschungszentrum TERRAMARE modifizierten Probennehmer gelang es dem Biologen Dr. Jens Stecher, biologische Proben nahe heißer unterseeischer Quellen im Atlantik aus fast 2000 m Wassertiefe reibungslos und sicher zu bergen. Möglich wurde dieser Erfolg durch eine enge Zusammenarbeit der TERRAMARE-Technik mit dem Wissenschaftler. Stecher arbeitete als Senckenberg-Mitarbeiter zwei Monate an Bord des Forschungsschiffs Meteor innerhalb des Schwerpunktprogrammes 1144 mit dem Titel "Vom Mantel zum Ozean" der Deutschen Forschungsgemeinschaft.



Auf den insgesamt zweimonatigen Reisen M 64/1 und M 64/2 des Forschungsschiffs "Meteor" hat sich der am Forschungszentrum TERRAMARE (FTM) gebaute Probennehmer vom Push-Corer-Typ als ein unter den speziellen Einsatzbedingungen ideal verwendbares Gerät bewährt. Möglich wurde dies, weil sich der Biologe Dr. Jens Stecher mit dem Team der FTM-Werkstatt hinsichtlich wissenschaftlicher Erfordernisse und technischer Möglichkeiten in der Bauphase des Gerätes ständig austauschte.



Im wesentlichen ist der verwendete Push Corer - "Stoß-Kernbohrer", wie sich der Name etwa übersetzten läßt -, eine Acrylglasröhre von ca. einem viertel Meter Länge mit einem Durchmesser von knapp 10 Zentimetern. An einer Öffnungsseite befinden sich ein Griff und ein sogenanntes Flatterventil. Die andere Öffnung wird in den zu beprobenden Meeresgrund gestoßen. Überschüssiges Wasser entweicht am Flatterventil und beim Aufnehmen des Probennahmezylinders entsteht in seinem Innern ein Unterdruck, der die erbohrte Probe in Position hält. Die Acrylglasröhre wird schließlich in einen Kunststoffköcher geschoben, an dessen Grund sich - zentriert durch eine Schraube - ein Stopfen befindet. Er verschließt das Probenrohr von unten und ermöglicht so eine sichere Bergung.

"Eine wesentliche Neuerung unseres Corers besteht darin", so TERRAMARE-Werkstattleiter Helmo Nicolai, "daß der Griff, mit dem der vom Schiff aus gesteuerte Tauchroboter den Probennehmer positioniert und letztendlich auch wieder aufholt, im unteren Teil aus einem kurzen Stück Stahlseil besteht. Das eigentliche Griffstück ist ein kleiner Kunststoffquader, der an den Breitseiten sandgestrahlt wurde, um die Griffigkeit zu erhöhen." Aufgrund der Maße und Beschaffenheit lasse er sich optimal greifen. Eventuelle ruckartige Bewegungen des Roboterarms federe die flexible Drahtseilkomponente ab, wodurch die Gefahr eines Verlusts der Probe minimiert werde. - Stecher, unter dessen Augen das ROV (remotely operated vehicle)-Team des Bremer Instituts ’Marum’ an Bord der "Meteor" mit ihrem ROV "Quest" die Proben aus etwa 2000 m Wassertiefe von einem atlantischen Hydrothermalfeld barg, war schlicht begeistert vom guten Funktionieren des Probennehmers. Dem Wissenschaftler war es mit Hilfe des ’Marum’-Technikerteams möglich, mit dem Plexiglaszylinder des 17 cm tief in die recht grobkörnigen Meeresablagerungen, bestehend aus Foraminiferenschill - Schalen von Einzellern -, einzudringen und ungestörte Proben zu gewinnen. "Viele Kollegen hätten nicht für möglich gehalten, daß das Prinzip bei einem derart grobkörnigen Sediment funktioniert", so der Wissenschaftler.

Stecher arbeitete im Schwerpunktprogramm 1144 der Deutschen Forschungsgemeinschaft "Vom Mantel zum Ozean: Energie-, Stoff- und Lebenszyklen an Spreizungsachsen". Untersucht werden hier unter anderem die geologischen und biologischen Vorgänge an mittelozeanischen Rücken, jenen Bereichen der Erdkruste, an denen die Kontinentalplatten auseinanderweichen. Beschlossen wurde das Vorhaben von der DFG 2003 mit einer Laufzeit von sechs Jahren. Unter anderem erhofft man sich Aufschluß darüber, wie sich das Leben, das möglicherweise vor Milliarden von Jahren nahe "Schwarzen Rauchern" - heißen mineralischen Quellen in der Tiefsee - entstanden sein könnte, entlang den sogenannten Spreizungachsen verbreitet. Erfahren möchte man ganz generell etwas über die Wechselwirkungen zwischen biologischen und hydrothermalen Vorgängen in der Tiefsee.

Ökofaunistiker Stecher, der sich bislang den größeren Organismen an und im Meeresboden widmete, will mit den Push-Corer-Proben in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Marine Biodiversitätsforschung (DZMB) in Wilhelmshaven vor allem die Verquickung der Makrofauna mit den Winzlingen unter den Lebewesen im Sediment, der sogenannten Meiofauna untersuchen. Deren Vertreter werden zwischen 0,2 und 2 Millimetern groß. "Die Schnittstelle zwischen nahe hydrothermalen Quellen lebender Makro- und Meiofauna wurde bislang völlig vernachlässigt. Hier betreten wir absolutes Neuland," so der Wissenschaftler.

Kontakt:
Dr. Jens Stecher
c/o Forschungsinstitut Senckenberg, DZMB
Am Südstrand 44
26382 Wilhelmshaven
E-Mail: jstecher@senckenberg.de

Helmo Nicolai
Forschungszentrum TERRAMARE, Werkstatt
Schleusenstr. 1
26382 Wilhelmshaven
E-Mail: helmo.nicolai@terramare.de

Dr. Sibet Riexinger | idw
Weitere Informationen:
http://www.fh-wilhelmshaven.de/terramare/terramar.htm

Weitere Berichte zu: Probe Probennehmer Sediment TERRAMARE TERRAMARE-Technik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscherteam der Universität Bremen untersucht Korallenbleiche
24.04.2017 | Universität Bremen

nachricht Feinste organische Partikel in der Atmosphäre sind häufiger glasartig als flüssige Öltröpfchen
21.04.2017 | Max-Planck-Institut für Chemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

1. Essener Gefahrguttage am 19.-20. September 2017 mit fachbegleitender Ausstellung

24.04.2017 | Seminare Workshops

Laserstrukturierung verbessert Haftung auf Metall und schont die Umwelt

24.04.2017 | Maschinenbau

Forscherteam der Universität Bremen untersucht Korallenbleiche

24.04.2017 | Biowissenschaften Chemie