Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Bindung macht’s: Neue Forschungsrichtung untersucht chemische Bindungsform von Elementen

29.09.2005


DFG-Graduiertenkolleg "Elementspeziation" stellt Ergebnisse vor - Nachweis von hochgiftigem Methylquecksilber in Seafood gelungen


Nach einer ersten, dreijährigen Förderperiode hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die Fortsetzung des Graduiertenkollegs "Spurenanalytik von Elementspezies: Methodenentwicklungen und Anwendungen" an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz bewilligt. Zum Abschluss der ersten und dem Start der zweiten Phase werden aktuelle Entwicklungen auf dem Forschungsgebiet sowie bisherige Ergebnisse des Graduiertenkollegs bei einem Workshop am 29. und 30. September vorgestellt. Dazu werden rund 80 Teilnehmer in Mainz erwartet. Bei der Elementspeziation handelt es sich um ein relativ junges Forschungsgebiet, das für die Bereiche Umwelt und Gesundheit sowie die Geowissenschaft und die Materialwissenschaft von großer Bedeutung ist. Dabei werden die einzelnen Elemente mit ihren verschiedenen Bindungsformen untersucht.

Quecksilber beispielsweise ist, je nachdem, in welcher Form es vorliegt, mehr oder weniger giftig: In Form organischer Verbindungen wie Monomethylquecksilber und Dimethylquecksilber ist das Metall mindestens 100 Mal toxischer als eine gleich große Menge Quecksilber in anorganischer Bindungsform. Der Grund ist, dass Methylquecksilber im Gegensatz zu den anderen Spezies die Blut-Hirn-Schranke überwinden und damit das zentrale Nervensystem schädigen kann. Die Verbindung ist außerdem plazentagängig. Im Hinblick auf eine Gefährdung des Menschen ist somit relevant, das Vorkommen von organisch gebundenem Quecksilber in Nahrungsmitteln zu entdecken. Im Rahmen des Graduiertenkollegs konnte eine neue Analysemethode entwickelt werden, um die Konzentration von Methylquecksilber in Fischen und Meeresfrüchten zu bestimmen. Die Analysen von Seafood ergaben, dass ein hoher Prozentsatz des Gesamtquecksilbers in Fischen und anderen Meerestieren aus dem extrem giftigen Methylquecksilber besteht. Die Wissenschaftler raten daher insbesondere dazu, den Verzehr von äußerst belastetem Haifleisch weitgehend zu vermeiden und fordern die Gesetzgebung auf, Grenzwerte für Lebensmittel nicht länger auf das Gesamtquecksilber, sondern auf Methylquecksilber zu beziehen.


Ein weiterer Schwerpunkt, der auf dem Workshop in Mainz vorgestellt wird, ist die Entwicklung von Speziationsmethoden zur Untersuchung von Aerosolpartikeln in der Atmosphäre. Zum einen beeinflussen Aerosolpartikel wesentlich das Klima, da sie an der Entstehung von Wolken beteiligt sind. Andererseits können atmosphärische Partikel in Abhängigkeit von ihrer Konzentration und Beschaffenheit negative gesundheitliche Auswirkungen auf den Menschen haben. Insbesondere um die Frage zu klären, welcher Anteil des atmosphärischen Aerosols biogenen Ursprungs ist und welcher auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen ist, gilt es, die beteiligten Elementspezies zu identifizieren und zu messen. Mit Hilfe der in den vergangenen drei Jahren von Doktoranden des Graduiertenkollegs entwickelten hochempfindlichen Speziationsmethoden wurden bereits wertvolle Hinweise über die Bildungsmechanismen maritimer Aerosolpartikel in Zusammenhang mit der Iodfreisetzung durch Algen erhalten.

Graduiertenkollegs wurden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft an Hochschulen eingerichtet, um besonders qualifizierte Nachwuchswissenschaftler zu fördern und sie bei ihrer Promotion zu unterstützen. Doktorandinnen und Doktoranden können ihre Arbeiten im Rahmen eines koordinierten, von mehreren Hochschullehrern getragenen Forschungsprogramms durchführen. Das Graduiertenkolleg "Spurenanalytik von Elementspezies: Methodenentwicklungen und Anwendungen" ist - wie von der DFG gewünscht - interdisziplinär angelegt und wird in der neuen Förderperiode drei Schwerpunkte verfolgen: Elementspezies in biologischen und Umweltproben, Speziation von Radionukliden in der Umwelt und die Speziation von Spurenelementen in der Atmosphäre. Die erste Phase haben 16 Doktorandinnen und Doktoranden erfolgreich abgeschlossen. Für den neuen Abschnitt hat die DFG die Vergabe von 15 Doktorandenstipendien und einer Postdoc-Stelle bewilligt.

Kontakt und Information:
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Institut für Anorganische Chemie und Analytische Chemie
Prof. Dr. Klaus Heumann
Tel. 06131 39-25882
Fax 06131 39-24053
E-Mail: heumann@mail.uni-mainz.de
Prof. Dr. Thorsten Hoffmann
Tel. 06131 39-25716
Fax 06131 39-25336
E-Mail: t.hoffmann@uni-mainz.de

Petra Giegerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.gk-spurenanalytik.uni-mainz.de

Weitere Berichte zu: Bindungsform DFG Elementspezies Methylquecksilber

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sollbruchstellen im Rückgrat - Bioabbaubare Polymere durch chemische Gasphasenabscheidung
02.12.2016 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht "Fingerabdruck" diffuser Protonen entschlüsselt
02.12.2016 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie