Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Zellen für das Herz

29.09.2005


Hans Schöler, Direktor am Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster, koordiniert Verbundprojekt im BMBF-Förderprogramm für regenerative Medizin



Seit September fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Förderprogramms "Zellbasierte, regenerative Medizin" das Projekt "Reprogrammierung von somatischen Zellen für die Therapie von Herzerkrankungen" für zunächst drei Jahre. Das Projekt wird mit rund 1,4 Mio. Euro finanziert. Die Koordination des Forschungsvorhabens liegt in den Händen von Prof. Hans Schöler, Direktor am Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster, an welchem die grundlegenden zellbiologischen Arbeiten durchgeführt werden.



Ziel der Forschungsarbeiten ist es, Zellen einer erwachsenen Maus (so genannte somatische Zellen) mittels Fusion mit embryonalen Stammzellen der Maus so zu verjüngen, dass eine Zelllinie entsteht, aus der wiederum Zellen für die Behandlung von ischämischen Herzerkrankungen, also Mangelversorgungs-Erkrankungen wie dem Herzinfarkt, abgeleitet werden können. Diese neue Zelllinie soll "pluripotent" sein, sich also zu jedem Zelltyp des Organismus weiterentwickeln können. Dieser Prozess der "Reprogrammierung" führt zu Zellen mit dem doppelten Gehalt an Erbinformationen (Chromosomensätzen), die sich zum Teil wieder in Zellen mit einfachem Chromosomensatz aufteilen.

Im Verbund mit ausgewiesenen Stammzellexperten wird nun untersucht, inwieweit sich die aus den verjüngten Zellen abgeleiteten neuen Zellenlinien für eine Transplantation ins Herz eignen. Die Abteilung von Prof. Jürgen Hescheler (Direktor des Instituts für Neurophysiologie, Uni Köln) wird die Zellen mittels elektrophysiologischer und immunologischer Methoden detailliert charakterisieren. Prof. Bernd Fleischmann, Leiter des Instituts für Physiologie I der Universität Bonn, wird sich mit Fragen der funktionellen Integration (engraftment) sowie der Abstoßungs-Immunologie der transplantierten Zellen und mit Sicherheitsaspekten etwa einer möglichen Tumorentwicklung (Teratome) beschäftigen. Prof. Martin Zenke, Leiter des Instituts für biomedizinische Technologien am Uniklinikum Aachen, leitet eine mit allen Arbeitsgruppen vernetzte Plattform zur Genexpressionsanalyse der unterschiedlichen Zell-Typen. Um die gesamte Technologie-Pattform auch für präklinische Studien an Schweinen anwenden zu können, beschäftigt sich Prof. Heiner Niemann, Leiter des Forschungsbereichs Biotechnologie am Institut für Tierzucht (FAL) in Mariensee bei Hannover mit der Übertragung der Fusions-Technologie auf Schweinezellen und mit der Züchtung transgener Schweine, die geeignete Marker zur Verfolgung der transplantierten Zellen tragen.

Die Wahl von Herzerkrankungen als geeignetes Gebiet der zellbasierten regenerativen Medizin resultiert aus der Situation, dass bereits klinische Erfahrungen mit der Transplantation von Zellen aus dem Knochenmark bei ischämischen Herzerkrankungen, z.B. nach einem Herzinfarkt, bestehen. Der therapeutische Nutzen ist bislang allerdings umstritten, so dass die Evaluierung anderer Zellen als Therapeutikum vordringlich ist. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind bereits heute für die meisten Todesfälle verantwortlich, wobei sich diese Problematik durch den demographischen Wandel und die gesteigerte Lebenserwartung in den westlichen Ländern noch dramatisch verschärfen wird. Schätzungen für das US-amerikanische Gesundheitssystem gehen schon jetzt von jährlichen Kosten von rund 18 Milliarden US-Dollar allein für die Behandlung der "Über-65-jährigen" aus.

Der Forschungsverbund um Prof. Hans Schöler soll deshalb auf der Basis neuester Erkenntnisse eine zelltherapeutische Behandlungsstrategie entwickeln, die für Patienten mittelfristig eine verbesserte Therapie ermöglichen wird, und die in der Folge auch die sozioökonomischen Konsequenzen ischämischer Herzerkrankungen günstig beeinflussen soll.

Dr. Andreas Trepte | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Licht zur Herstellung energiereicher Chemikalien nutzen
21.05.2018 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

nachricht Junger Embryo verspeist gefährliche Zelle
18.05.2018 | Rudolf-Virchow-Zentrum für Experimentelle Biomedizin der Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

Tagung »Anlagenbau und -betrieb der Zukunft«

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Wie Immunzellen Bakterien mit Säure töten

18.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics