Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kampf gegen Grippe & Co. per Computer

22.09.2005


Internationaler Kongress zur Bioinformatik in der Virenforschung im Forschungszentrum caesar



Seit der ersten erfolgreichen Impfung durch den Arzt Edward Jenner im Jahr 1798 hat die Medizin eine Reihe vorher tödlicher Infektionen besiegt, darunter die Viruserkrankungen Pocken und Polio. Aktuelle Beispiele zeigen, dass mit diesen "Schlachten" keineswegs der Krieg gegen Viruserkrankungen gewonnen ist: HIV ist zu einem der größten globalen Killer gewachsen; die drohende weltweite Grippeepidemie lässt Erinnerungen an die verheerende "Spanische Grippe" von 1918 wach werden, die mehr Leben kostete als der Erste Weltkrieg; Hepatitis-Infektionen mit langsamerem, aber oft tödlichem Verlauf breiten sich immer weiter aus. Auf dem internationalen Workshop "Bioinformatics for Viral Infections", der vom 21. bis 23.9. im Forschungszentrum caesar in Bonn stattfindet, tauschen sich Mediziner, Virologen und Bioinformatiker aus aller Welt über neue Methoden zur Bekämpfung dieser Krankheiten aus.

... mehr zu:
»Bioinformatik »Grippe »Viral »Virus


Einer der wichtigsten Gründe für die fortdauernde Bedrohung durch Viren ist deren Wandelbarkeit, die häufig zu Resistenzen gegen Medikamente führt oder Impfungen unwirksam macht. Doch mit modernen biologischen Methoden bleibt die Medizin den Viren auf den Fersen. Unterstützt wird sie dabei von der noch jungen Disziplin Bioinformatik, die in den großen Mengen biologischer Daten medizinisch nutzbare Zusammenhänge aufdeckt, beispielsweise zwischen Virus-Varianten und Wirkstoff-Resistenzen. Diese Erkenntnisse werden gezielt für die Therapie und die Entwicklung neuer Medikamente eingesetzt.

Ein Beispiel: Bei vielen HIV-Patienten werden nach längerer Behandlung die Viren gegen den "Medikamentencocktail" resistent. In solchen Fällen helfen den Ärzten mit Computern abgeleitete statistische Modelle, die die Bedeutung von Mutationen im Virusgenom für die Medikamentenresistenz erfassen. Beim gleichzeitigen Auftreten mehrerer Mutationen gibt es dabei komplexe Wechselspiele, die sich nur mit Computerhilfe analysieren lassen. Diese Bioinformatikmethoden basieren auf einer Datenbank gemessener Resistenzwerte und werden in Kooperation zwischen der Universität Köln, dem Forschungszentrum caesar, der Fachhochschule Bingen und dem Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken entwickelt. Sie werden bereits in der Praxis angewendet.

Die Entwicklung neuer Therapien ist ein besonders wichtiges Einsatzgebiet der Bioinformatik. Ihre Anwendungen reichen von der Identifizierung molekularer Angriffspunkte für Wirkstoffe über die computergestützte Entwicklung neuer Medikamente bis hin zur patientenspezifischen Optimierung von Therapien gegen resistente Viren. Auch die Ausbreitung von Infektionen kann mit bioinformatischen Methoden simuliert werden.

Der Workshop "Bioinformatics for Viral Infections" wird gemeinsam ausgerichtet von zwei großen Forschungsnetzen der Europäischen Union, so genannten Networks of Excellence. Das Netz Biosapiens mit 25 Partnern in 14 Europäischen Ländern arbeitet daran, Beziehungen zwischen menschlichem Genom und Krankheiten aufzudecken. Dazu werden Bioinformatikmethoden verwandt. Das Netz Virgil (vigilance against viral resistance) mit über 50 Partnern aus 12 Ländern untersucht das Phänomen der Virusresistenzen mit experimentellen und computergestützten Methoden. Auf dem Workshop tauschen sich beide Netzwerke zum ersten Mal intensiv aus. Ziel des Workshops ist eine Bestandsaufnahme des weltweiten Kenntnisstandes und die Diskussion gemeinsamer Forschungsperspektiven.

Die Organisatoren der Veranstaltung sind Prof. Dr. Daniel Hoffmann, caesar und FH Bingen und Prof. Dr. Thomas Lengauer, Max-Planck-Institut für Informatik, Saarbrücken.

Forschungszentrum caesar, Frau Francis Hugenroth
Ludwig-Erhard-Allee 2, 53175 Bonn
Telefon: 0228 / 96 56-135, Fax: 0228 / 96 56-111
E-Mail: hugenroth@caesar.de

Francis Hugenroth | idw
Weitere Informationen:
http://www.caesar.de
http://workshop2005.bioinf.mpi-sb.mpg.de/

Weitere Berichte zu: Bioinformatik Grippe Viral Virus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise