Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Düsseldorfer Neurobiologen erforschen "dufte Bienen"

20.09.2005


Düsseldorfer Wissenschaftler haben die Duftbiologie von Prachtbienenarten untersucht.


Die Männchen der Prachtbienen (Euglossini) sind, salopp gesagt, "dufte Kerle". Sie sammeln, wie man seit Untersuchungen in den sechziger Jahren weiß, Blütendüfte und konservieren die flüchtigen Essenzen in Taschen ihrer Hinterbeine, ein in ganz Mittel- und Südamerika verbreitetes Phänomen mit weitreichenden ökologischen und evolutionären Konsequenzen.

Mehr als 700 Orchideenarten - das sind ca. 10% der gesamten amerikanischen Orchideenflora - haben sich das Verhalten der Parfümsammler zu Nutze gemacht und werden ausschließlich und hochspezifisch von diesen bestäubt. Dazu produzieren die Orchideen artspezifische Düfte, die jeweils eine oder wenige der ca. 250 Prachtbienenarten anlocken. Beim Sammeln der Duftstoffe wird den Bienenmännchen dann durch ausgeklügelte Mechanismen der Pollen auf Kopf, Bein oder Rücken geklebt und kann beim nächsten Besuch einer Orchideenblüte zur Bestäubung abgegeben werden.


Trotz der weiten Verbreitung und Auffälligkeit des Phänomens ist noch immer unklar, was die Bienenmännchen mit den akkumulierten Düften anfangen. Es liegt nahe, zu vermuten, dass die Vorlieben der Bienenweibchen hier eine Rolle spielen, doch Belege gibt es dazu bisher nicht.

Wissenschaftler der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf um Dr. Thomas Eltz und Prof. Dr. Klaus Lunau (beide Institut für Neurobiologie, Arbeitsgruppe Sinnesökologie) haben nun die Duftbiologie von drei mittelamerikanischen Prachtbienenarten untersucht und Erstaunliches festgestellt. Chemische Analysen der Dufttaschen, die in jetzt in der Online-Ausgabe der Zeitschrift "Behavioral Ecology and Sociobiology" veröffentlicht wurden, zeigten, dass das Duftbouquet individueller Männchen aus bis zu 50 Komponenten
besteht und je nach Art unterschiedlich zusammengesetzt ist.

Zur Zusammenstellung dieses Duftgemisches müssen die Männchen viele Wochen an ganz unterschiedlichen Duftquellen sammeln. Verblüffend war vor allem, dass Artgenossen aus ganz verschiedenen Gegenden Panamas und Costa Ricas es trotz unterschiedlicher Duftquellen schafften, beim selben artspezifischen Parfüm anzukommen. Experimente mit Männchen in Flugkäfigen zeigten, dass diese Fähigkeit auf einer Vermeidung bereits gesammelter Bestandteile beruht, wodurch lokale Unterschiede im Angebot kompensiert werden.

"Artspezifität ist offensichtlich Programm", so der Wissenschaftliche Assistent Dr. Thomas Eltz, der seit seiner Diplomarbeit von den metallisch schillernden Bienen fasziniert ist. Mit Hochgeschwindigkeits-Kameras hat er nun das Balzverhalten der Männchen analysiert und nachgewiesen, dass die Düfte während des Schwebfluges am Balzplatz durch eine komplizierte Beinbewegung (Animation unter http://www.uni-duesseldorf.de/MathNat/Zoologie/eltz/) freigesetzt und im Luftzug des Flügelschlages verbreitet werden. "Der Aufwand, den die Männchen beim Duftsammeln betreiben, ist enorm, die morphologischen Anpassungen dafür sind extrem. All das deutet darauf hin, dass besonders ’dufte’ Männchen stark profitieren, z. B. durch die Anlockung paarungsbereiter Weibchen." Dass die männlichen Duftbouquets artspezifisch sind, macht eine Verwendung als Sexuallockstoff noch wahrscheinlicher. "Wenn der Sexuallockstoff so schwierig zu sammeln ist, sind die ’duften’ Männchen diejenigen, die diese Schwierigkeiten überwanden und stellen schon aus diesem Grund eine gute Wahl für die Weibchen dar", meint Prof. Klaus Lunau. Zukünftige Experimente sollen hierzu den Beleg erbringen.

Kontakt:
Dr. Thomas Eltz, Tel. 0211-81-13413
Prof. Dr. Klaus Lunau, Tel. 0211-81-13059

Rolf Willhardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-duesseldorf.de/MathNat/Zoologie/eltz/
http://www.uni-duesseldorf.de/

Weitere Berichte zu: Biene Männchen Neurobiologie Prachtbienenarten

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse
21.08.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Wie Pflanzen ihr Gedächtnis vererben
21.08.2017 | Gregor Mendel Institut für Molekulare Pflanzenbiologie (GMI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Neptun regnet es Diamanten: Forscherteam enthüllt Innenleben kosmischer Eisgiganten

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse

21.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Institut für Lufttransportsysteme der TUHH nimmt neuen Cockpitsimulator in Betrieb

21.08.2017 | Verkehr Logistik