Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Gelatine - nicht nur für Gummibärchen

15.09.2005


Bei der "Gelatin Conference 2005" an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg wurden neue Felder der Gelatine-Forschung erschlossen - BSE-Erreger in Gelatine nicht nachweisbar



Gelatine - ein vielseitig einsetzbares Produkt, das in Nahrungsmitteln, Filmen, Fotocolorpapier oder Medikamentenkapseln seine Verwendung findet. Kein Wunder, dass sich dieser Tage bei der "Gelatin Conference 2005" der International Advanced Gelatin Science Society (IAGS) nahezu 100 Wissenschaftler aus aller Welt in der Heidelberger Ruprecht-Karls-Universität Gedanken über diese Substanz machten. Auch wenn die Herstellungsprozedur von Gelatine seit weit mehr als einem Jahrhundert bekannt ist, so verbergen sich hinter diesem meistens aus Schweinehaut, Schweine- oder Rinderknochen gewonnenen Produkt doch noch viele ungeklärte Eigenschaften.

... mehr zu:
»BSE »Gelatin »IAGS


Besonders in den letzten zwei Jahrzehnten ist durch das Auftreten der bovinen spongiformen Encephalopathie (BSE) bei Rindern ein ganz neuer Aspekt in der Gelatine-Forschung hinzugekommen. "1986 wurde BSE erstmals entdeckt und bereits 1993 hatte diese Erkrankung ihren Höhepunkt erreicht", schilderte Professor Konrad Beyreuther vom Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg den Verlauf dieser Rinderkrankheit in Großbritannien. So wurden dort beispielsweise 1993 etwa tausend Fälle von an BSE erkrankten Rindern wöchentlich gemeldet. Im gesamten Jahr 2004 waren es allerdings nur noch 309 Rinder, bei denen diese das Gehirn zersetzende Erkrankung nachgewiesen wurde. 1995 wurde schließlich erkannt, dass BSE in Form einer neuen Variante der Creutzfeld-Jakob-Krankheit auch auf den Menschen übertragbar ist. Bis heute erkrankten daran 174 Menschen, davon allein in Großbritannien 155.

Der BSE-Erreger, ein abnormales Protein, ist extrem resistent gegenüber Hitze, Sterilisation oder Sonnenlicht. Der Frage, ob durch den Gelatine-Herstellungsprozess der Erreger zerstört werden kann, ging Dr. Adrianus Grobben von der Universität Rotterdam in seinem Vortrag nach. Erste Tests mit künstlich infiziertem Material zeigten, dass nach dessen Behandlung mit Salzsäure und Calciumhydroxid, zwei Substanzen, die auch bei der Gelatine-Herstellung angewendet werden, kein Erreger mehr nachweisbar war. "An dem hierbei angewandten Test entzündete sich aber bald Kritik, da diese Versuche nur einen Teil der Gelatine-Herstellung repräsentieren", erklärte Grobben. So wurden diese Versuche unter exakter Berücksichtigung des Gelatine-Herstellungsverfahrens wiederholt. Erneut zeigte sich, dass kein Erreger mehr auffindbar war. Besonders infektiöses Material, wie beispielsweise die Wirbelsäule, gelangt ohnehin seit einigen Jahren nicht mehr in den Gelatine-Herstellungsprozess, da es im Schlachthof bereits abgetrennt wird.

Ein Umstand, der nicht nur für die Nahrungsmittelindustrie von größter Wichtigkeit ist, denn auch in der Pharmaindustrie wird Gelatine, beispielsweise in Medikamentenkapseln, eingesetzt. Doch die Verwendung von aus Schweinehaut oder Rinderknochen hergestellter Gelatine bringt gerade für die Pharmaindustrie noch eine andere Problematik mit sich. So können viele Menschen aus religiösen Gründen derartige Gelatine nicht verzehren und auch Vegetarier möchten keine aus Tieren hergestellte Produkte zu sich nehmen. Hier konnte Dr. Anthony Dyas, von der Universität Liverpool, mit aus Fisch-Knorpel produzierter Gelatine eine gute Alternative aufzeigen.

"Mit einigen Vorträgen wurden ganz neue Felder der Gelatine-Forschung erschlossen und dies wird die internationale Gelatineforschung deutlich beleben", hob denn auch Dr. Peter Koepff, der Vorsitzende der IAGS, zum Abschluss der Konferenz hervor. Und noch ein anderer Aspekt hatte sich in der Diskussion der Teilnehmer ergeben. Denn die in den Versuchen verwendete Gelatine ist nicht immer exakt definiert und die Laborergebnisse entsprechend nicht nachprüfbar. Deshalb forderte Peter Koepff die Kongressteilnehmer aus der Industrie auf, gut definierte Proben der von ihnen hergestellten Gelatine als Reservierungen für die IAGS und für die Forschung auf Abruf bereitzustellen, wie es zwei große Gelatineerzeuger bereits vorbildlicherweise getan hatten. Diese Proben könnten dann allen Forschern als Referenzmaterial zur Verfügung gestellt werden.
Stefan Zeeh

Rückfragen bitte an:
Dr. Peter Koepff
International Advanced Gelatin Science Society
Ziegelhäuser Landstr. 1, 69120 Heidelberg
Tel. 06221 915980, Fax 9159825
peter.koepff@gelinova.com

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-heidelberg.de/presse

Weitere Berichte zu: BSE Gelatin IAGS

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen
20.09.2017 | Veterinärmedizinische Universität Wien

nachricht Molekulare Kraftmesser
20.09.2017 | Max-Planck-Institut für Biochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Drohnen sehen auch im Dunkeln

20.09.2017 | Informationstechnologie

Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen

20.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Frühwarnsystem für gefährliche Gase: TUHH-Forscher erreichen Meilenstein

20.09.2017 | Energie und Elektrotechnik