Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

BMBF-Verbundprojekt sucht nach Stammzell-Therapien für neurologische Erkrankungen

09.09.2005


Mit rund 1,6 Millionen Euro fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in den nächsten drei Jahren den Kampf gegen bestimmte Hirnerkrankungen. Das Projekt konzentriert sich auf Krankheiten, die mit dem Verlust der Isolierschicht um die Nerven einhergehen; dazu gehören beispielsweise die Multiple Sklerose und die relativ seltenen Leukodystrophien. Im Fokus der Forscher stehen Therapieansätze mit embryonalen und adulten Stammzellen. Das bundesweite Netzwerk, an dem als externer Partner die Universität Cambridge beteiligt ist, wird vom Institut für Rekonstruktive Neurobiologie der Universität Bonn koordiniert.



Die Nervenzellen im Gehirn sind durch zahlreiche Ausläufer miteinander vernetzt, über die sie elektrische Impulse austauschen. Diese Ausläufer sind von einer weißen, sehr fetthaltigen Schicht umgeben, dem so genannten Myelin. Es verhindert, dass sich Kurzschlüsse bilden, und sorgt vor allem für eine schnelle Signalübertragung. Bei bestimmten Erkrankungen verlieren die Nerven ihre weiße Hülle. Die Folge sind beispielsweise fortschreitende Bewegungs-, Hör- und Sehstörungen.



Die Projektpartner wollen unter anderem versuchen, den Myelin-Verlust durch den Einsatz von Stammzellen zu bremsen. Dabei konzentriert sich die Arbeitsgruppe um den Bonner Wissenschaftler Professor Dr. Volkmar Gieselmann auf die so genannte metachromatische Leukodystrophie. Bei dieser seltenen Erbkrankheit wird die Isolierschicht instabil. Ursache der Erkrankung ist ein Gendefekt, durch den die "Produzenten" der Isolierschicht, die so genannten Oligodendrozyten, nicht mehr korrekt arbeiten. Zusammen mit Professor Dr. Oliver Brüstle will Gieselmann bei Leukodystrophie-kranken Mäusen versuchen, die defekten durch gesunde Zellen zu ersetzen.

Dazu arbeitet Brüstle mit seinen Mitarbeitern an neuen Verfahren zur Gewinnung von genetisch optimierten Oligodendrozyten aus embryonalen Stammzellen. "Damit die Ersatzzellen an die Stellen im Gehirn wandern, an denen sie gebraucht werden, wollen wir sie genetisch so modifizieren, dass sie beweglicher werden", erklärt der Hirnforscher, der das Verbundprojekt koordiniert. Die Mediziner injizieren die Reparaturzellen dann in das Mäusegehirn und hoffen, dass sie die defekten Oligodendrozyten ersetzen. Dasselbe Verfahren wollen sie bei Mäusen mit Multipler Sklerose testen.

In dem Verbundprojekt arbeiten die Bonner mit Medizinern der Unikliniken Hamburg-Eppendorf und Düsseldorf sowie Neurobiologen der Universitäten Bochum und Hamburg zusammen. Externer Projektpartner ist die Universität Cambridge. Die Wissenschaftler versuchen auch, Therapieansätze mit adulten Stamzellen zu entwickeln. Selbst wenn alles wie geplant funktioniert, wird es aber noch eine Reihe von Jahren dauern, bis sich die Ergebnisse für die Humanmedizin verwerten lassen.

Kontakt:
Prof. Dr. Oliver Brüstle
LIFE & BRAIN Center, Universität Bonn
Telefon: 0228/6885-500
E-Mail: brustle@uni-bonn.de

oder
Professor Dr. Volkmar Gieselmann
Institut für Physiologische Chemie der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-2411
E-Mail: gieselmann@institut.physiochem.uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

Weitere Berichte zu: Isolierschicht Oligodendrozyten Stammzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Geteiltes Denken ist doppeltes Denken
19.01.2017 | Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH)

nachricht Neue CRISPR-Methode enthüllt Genregulation einzelner Zellen
19.01.2017 | CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flashmob der Moleküle

19.01.2017 | Physik Astronomie

Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn

19.01.2017 | Medizin Gesundheit

Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile

19.01.2017 | Verfahrenstechnologie