Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schutz vor der Alzheimer Krankheit

06.09.2005


MDC-Forscher entdecken Funktion eines von Nervenzellen gebildeten Moleküls


Warum erkrankt ein Mensch im Alter an Alzheimer, ein anderer aber nicht? Wissenschaftler des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch haben darauf jetzt eine mögliche Antwort gefunden. In Zusammenarbeit mit Forschern in Dänemark und den USA haben sie entdeckt, dass ein von Nervenzellen gebildetes Molekül, in der Fachsprache sorLA (engl. für: sorting protein-related receptor) genannt, die Entstehung der Eiweißablagerungen im Gehirn beeinflusst, die charakteristisch für die Alzheimer Krankheit sind. Die Arbeit von Olav M. Andersen und Prof. Thomas Willnow (beide MDC) sowie Anders Nykjær (Universität Aarhus, Dänemark) hat jetzt die amerikanische Fachzeitschrift PNAS* (doi: 10.1073) veröffentlicht.

Die Ablagerungen oder Plaques im Gehirn von Alzheimer Patienten bestehen aus Eiweißbruchstücken, Amyloid-beta Peptide genannt, die aus dem Amyloid-Vorläufer-Protein (engl. Abk. APP) entstanden sind und sich im Laufe vieler Jahre im Gehirn ablagern. Diese Plaques zerstören die Nervenzellen betroffener Menschen, was zu einem unheilbaren geistigen Verfall führt. Schätzungen zufolge leidet die Hälfte der Menschen über 85 Jahre an dieser Erkrankung. Weshalb APP in Bruchstücke wie das Amyloid-beta Peptid gehackt wird, ist zurzeit noch völlig unbekannt. Wie Prof. Willnow und seine Kollegen nun zeigen konnten, bindet sorLA, das als Transportprotein in Nervenzellen arbeitet, normalerweise an APP und verhindert so dessen Abbau in das Amyloid-beta Peptid. Genetisch veränderte Mäuse, die kein sorLA mehr bilden können, zeigen entsprechend vermehrte Amyloid-beta Peptid Bildung. Bei ihnen wird verstärkt APP zerstückelt. Daraufhin untersuchten die Forscher Gehirne verstorbener Alzheimer-Patienten und von Menschen, die nicht an Alzheimer erkrankt waren. Sie stellten fest, dass die Nervenzellen der Alzheimer-Kranken kein sorLA gebildet hatten, die der Nicht-Betroffenen aber sehr wohl. Das deutet darauf hin, dass das Gehirn mancher Menschen kein oder sehr wenig sorLA produziert und dass die ungebremste Produktion von Amyloid-beta Peptid in diesen Patienten ein Risikofaktor zur Entstehung von Alzheimer sein könnte. Als nächstes wollen die Forscher deshalb jetzt nach Substanzen suchen, die die Produktion von sorLA in solchen Menschen fördert, die kein oder sehr wenig sorLa bilden, und hoffen, dass es in Zukunft möglich sein wird, die Entstehung der gefährlichen Ablagerungen im Gehirn zu vermindern.


Neuronal sorting protein-rtelated receptor sorLA/LR11 regulates processingof the amyloid precursor protein Olav M. Andersen, Juliane Reiche, Vanessa Schmidt, Michael Gotthardt, Robert Spoelgen, Joachim Behlke, Christine A. F. von Arnim†, Tilman Breiderhoff, Pernille Jansen‡, Xin Wu, Kelly R. Bales, Roberto Cappai, Colin L. Masters, Jørgen Gliemann, Elliot J. Mufson, Bradley T. Hyman†, Steven M. Paul, Anders Nykjær, and Thomas Willnow,

Max Delbrueck Center for Molecular Medicine, 13125 Berlin-Buch, Germany; †Massachusetts General Hospital, Charlestown, MA 02129;Lilly Research Laboratories, Indianapolis, IN •••;Department of Neurological Sciences, Rush University Medical Center, Chicago, IL •••;Institute of Medical Biochemistry, University of Aarhus, DK-800, Denmark; and Mental Health Research Institute of Victoria, Parkville •••, Australia Pressestelle Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch Barbara Bachtler Robert-Rössle-Straße 10 13125 Berlin Tel.: 0049/30/94 06 - 38 96 Fax: 0049/30/94 06 - 38 33 e-mail:presse@mdc-berlin.de

Barbara Bachtler | MDC Berlin
Weitere Informationen:
http://www.mdc-berlin.de

Weitere Berichte zu: APP Alzheimer Amyloid-beta Nervenzelle Peptid

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress
23.02.2018 | Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

nachricht Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren
23.02.2018 | Max-Planck-Institut für molekulare Genetik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics