Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Menschliche monoklonale Antikörper - künstlich hergestellt

01.09.2005


400.000,- von knapp zwei Millionen Euro für Göttingen: EU-Gemeinschaftsprojekt zur künstlichen Herstellung bindungsstarker menschlicher monoklonaler Antikörper bewilligt



Eine neue Technik, um monoklonale Antikörper aus menschlichen Zellen schnell und günstig herzustellen, entwickeln jetzt Wissenschaftler aus Göttingen, Heidelberg, Paris und Prag im Rahmen eines EU-Gemeinschaftsprojektes innerhalb des 6. EU-Forschungsförderungsprogramms (FP6). Die neuen monoklonalen Antikörper sollen zudem ihre volle Wirkung entfalten können, weil sie vom menschlichen Körper nicht als "fremd" erkannt und abgestoßen werden. Die Gutachterkommission der EU hat das Projekt als "unkonventionelle und visionäre Forschung" bewertet. Es wird im Förderprogramm NEST (New and Emerging Science and Technologie) der Europäischen Kommission mit knapp zwei Millionen Euro über einen Zeitraum von vier Jahren gefördert.

... mehr zu:
»Antikörper »Immunsystem


Für die Diagnose und Behandlung sehr vieler Krankheiten spielen monoklonale Antikörper eine wichtige Rolle. Diese in Mäusezellen künstlich hergestellten Eiweißmoleküle erkennen gezielt bestimmte Oberflächenstrukturen von Zellen oder Fremdkörpern. Mit modernen Wirkstoffen gekoppelt, können monoklonale Antikörper Krebszellen im Körper aufspüren und bekämpfen oder die körpereigene Immunabwehr auf Tumore lenken. Doch trotz ihrer viel versprechenden Anwendungsmöglichkeiten sind bisher nur wenige monoklonale Antikörper in der Klinik zum Einsatz gekommen, weil ihre Entwicklung aufwändig, zeitraubend und teuer ist. Zudem werden die in Mauszellen produzierten Antikörper oft vom menschlichen Immunsystem als "fremdartig" erkannt und abgestoßen werden, bevor sie ihre therapeutische Wirkung entfalten können.

Die Göttinger Forscher um Prof. Dr. Jürgen Wienands, Direktor der Abteilung Zelluläre und Molekulare Immunologie des Bereichs Humanmedizin der Universität Göttingen, legen die Grundlagen für das EU-Projekt, indem sie eine menschliche Zell-Linie mit molekulargenetischen Methoden für die weiteren Schritte des Projektes vorbereiten. Das Göttinger Teilprojekt dauert etwa vier Jahre und wird mit cirka 400.000,- Euro gefördert.

"Das neue System könnte die Entwicklung von Medikamenten dramatisch beschleunigen. Außerdem kommt die neue Methode ohne die Impfung von Kleintieren aus", sagt Prof. Dr. Jürgen Wienands. Die europäischen Forscher planen die Herstellung einer Bibliothek aus etwa einer Million menschlicher Hybridomzellen (veränderter Krebszellen), die je einen anderen künstlichen Antikörper produzieren.

Die Göttinger Wissenschaftler statten die Gründerzelllinie der Bibliothek zunächst mit molekularen Signalgebern aus, so dass sich aus der Zelllinie die Antikörper produzierenden Tochterzellen ableiten lassen. Eine am deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg entwickelte Methode erlaubt dann, die Bibliothek auf die gewünschte Antikörper-Spezifität hin zu durchsuchen (screening). In einem weiteren Schritt wird die Bindungsstärke der Kandidaten-Antikörper gezielt erhöht. Dies geschieht mit Hilfe der "Somatischen Hypermutation", für die französische Immunologen das notwendige Fachwissen beisteuern. Bestimmte Enzyme verändern dabei die Gene für den ausgewählten Antikörper nach dem Zufallsprinzip. Die entsprechenden Hybridomzellen werden anschließend herausgefiltert und vermehrt. Aus ihnen können dann in Kulturschalen die gewünschten Antikörper in großer Zahl gewonnen werden.

Neben dem Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen sind an dem Projekt beteiligt: das Deutsche Krebsforschungszentum (DKFZ), Heidelberg; Eucodis GmbH, Wien (Österreich); Academy of Sciences of the Czech Republic, Prag (Tschechische Republik); French Institute of Health and Medical Research (INSERM), Paris (Frankreich).

Antikörper sind Proteine, die von Zellen des Immunsystems produziert und in das Blut abgegeben werden. Sie können an Teilstrukturen von möglichen Fremdkörpern (Antigenen) binden. Als "monoklonal" bezeichnet man Proben von Antikörpern mit einer identischen molekularen Struktur und der damit verbundenen Spezifität für ein bestimmtes Antigen.

Einige aus Mäusen gewonnene und/oder biotechnologisch hergestellte monoklonale Antikörper werden auch therapeutisch genutzt, etwa zur Behandlung von Krebs. Leider enthalten die Antikörper zunächst noch "Mausbestandteile", die dazu führen, dass das menschliche Immunsystem sie als "fremdartig" erkennt und abstößt. Für die therapeutische Anwendung ist deshalb bisher ein weiterer Schritt erforderlich: Mit Hilfe molekularbiologischer Verfahren werden die "Mausbestandteile" aus dem monoklonalen Antikörper durch baugleiche Teile menschlicher Antikörper ersetzt. Die Funktion des Antikörpers bleibt erhalten. Der jetzt aufwändig entstandene monoklonale Antikörper wird als "humanisierter monoklonaler Antikörper" bezeichnet und vom Immunsystem des Menschen toleriert.

Weitere Informationen:
Bereich Humanmedizin - Universität Göttingen
Abt. Zelluläre und molekulare Immunologie
Prof. Dr. Jürgen Wienands
Humboldtallee 34
37073Göttingen
Tel. 0551/39-5812
E-Mail: jwienand@gwdg.de

Bereich Humanmedizin - Georg-August-Universität Göttingen
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit - Stefan Weller
Robert-Koch-Str. 42 - 37075 Göttingen
Tel.: 0551/39 - 99 59 - Fax: 0551/39 - 99 57
E-Mail: presse.medizin@med.uni-goettingen.de

Stefan Weller | idw
Weitere Informationen:
http://www.humanmedizin-goettingen.de
http://www.cordis.lu/nest

Weitere Berichte zu: Antikörper Immunsystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der Evolutionsvorteil der Strandschnecke
28.03.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Mobile Goldfinger
28.03.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit