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Kaltwasser-Korallenriffe größer als vermutet

12.08.2005


Unterwasseraufnahme der Kaltwasser-Korallenart Lophelia pertusa in 230 Meter Tiefe. Foto: IFM-GEOMAR


Norwegische und deutsche Wissenschaftler haben gemeinsam Kaltwasser-Korallenriffe vor der norwegischen Küste untersucht. Die Wissenschaftler entdeckten Korallen-Kolonien, die sehr viel größer sind, als bisher vermutet. Bei der Expedition mit dem Forschungsschiff "Poseidon" war auch das Tauchboot "Jago" mit an Bord.


Bunte Korallenriffe in den eisigen Gewässern der Arktis? Was eher widersprüchlich klingt, ist in Wissenschaftlerkreisen schon seit einiger Zeit bekannt. Die nördlichsten Korallenriffe der Welt sind Teil eines langen Riffgürtels im Nordatlantik, der sich entlang des europäischen Kontinentalhangs von Portugal bis in die arktischen Regionen vor Norwegen erstreckt. In punkto Artenvielfalt oder Farbenpracht können es die Kaltwasser-Korallenriffe durchaus mit ihren tropischen Verwandten aufnehmen. Bei Wassertiefen von 250 bis 1000 Metern braucht es allerdings etwas mehr als nur eine normale Sporttaucher-Ausrüstung, um sie zu erreichen.

Dass die Teilnehmer der Expedition die Riffe trotzdem aus nächster Nähe besichtigen konnten, verdanken sie "Jago". Das deutsche Tauchboot kann bis 400 Meter tief tauchen und kam mehrmals zum Einsatz. Mit seiner und mit Hilfe von geologischem Großgerät wurden die Riffe gefilmt, vermessen und beprobt. Dabei entdeckten die Wissenschaftler, dass die Korallen-Kolonien sehr viel größer sind als bisher angenommen. Statt zimmergroßer Hügel fanden sie Areale von der Ausdehnung mehrerer Fußballfelder.


Dominiert werden die Riffe von der Lophelia pertusa, einer Kaltwasser-Korallenart, die ein Skelett aus Kalk bildet. Gibt es mehr von ihnen, als bisher vermutet, hätte das einen Einfluss auf den Kohlendioxidkreislauf, denn das Gas wird beim Verkalkungsprozess der Korallen freigesetzt. "Sind die Kolonien überall so groß wie vor Norwegen", sagt Prof. Wolf Christian Dullo vom IFM-GEOMAR, "müssen die Korallen bei der Berechnung des Treibhauseffekts stärker berücksichtigt werden".

Fahrtleiter der Expedition war der Erlangener Paläontologe Prof. André Freiwald, teilgenommen haben außerdem weitere Kollegen von der Universität Erlangen, vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) und von der norwegischen Universität Bergen.

Uta Deinet | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifm-geomar.de/

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