Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Alkoholismus Genen auf der Spur

11.08.2005


UCSF-Forscher experimentieren mit Fruchtfliegen



Bevor Fliegen Alkohol genießen können, brauchen sie einen richtigen Kater. Forscher haben nun entdeckt, dass das Gen für die Äthanol-Toleranz mit jenem zur Stressbewältigung ident ist. Ob dies beim Menschen ebenso ist, wollen Forscher der University of California in San Franzisko (UCSF) nun herausfinden. Die Ergebnisse bei der Fruchtfliege Drosophila waren jedenfalls interessant, berichten die Forscher im Wissenschaftsmagazin Nature.



Eine hohe Alkoholtoleranz, also der Effekt viel zu trinken und nichts zu spüren, ist einer der Faktoren, die zu Alkoholismus führen können, da jene, die die Wirkung des Alkohols nicht spüren, tendenziell mehr trinken. Diese Alkoholtoleranz und die Tendenz Alkoholiker zu werden, sind teilweise vererblich. Bisher haben Wissenschaftler aber nur wenige Gene identifiziert, die dafür eine Rolle spielen. Da Studien beim Menschen kompliziert sind, hat das Forscherteam um Ulrike Heberlein von der UCSF jene der Fruchtfliege Drosophila untersucht.

Um die Alkoholtoleranz zu messen, bauten die Forscher für die Fliegen einen künstlichen Turm mit verschiedenen Plattformen auf. Wurden die Tiere Äthanoldämpfen ausgesetzt, taumelten und fielen sie eine Plattform tiefer. Je schneller die Fliegen die unterste Plattform erreichten, desto betrunkener waren sie. Die Forscher setzten auch Fliegen mit verschiedenen genetischen Defekten ein. Normale Fliegen waren nach etwa 20 Minuten betrunken. Vier Stunden später wiederholten sie den Versuch. Dabei stellte sich heraus, dass die Fliegen acht Minuten länger nüchtern blieben. Offensichtlich stieg ihre Toleranz gegenüber dem Alkohol.

Jene Fliegen, deren "Kater-Gen" fehlte, waren in der Regel bei der zweiten Dosis nach 23 Minuten am Boden. Das legt nahe, dass sie eine niedrigere Toleranz aufwiesen, meinen die Forscher. Die Mutanten hatten auch noch andere Probleme: Sie starben früher und ertrugen Hitze wesentlich schlechter als gesunde Fliegen. "Menschen haben mehrere solcher Gene, die denen der Fliege ähnlich sind", meint Heberlein. Zu diesem Schluss kommt auch die Forscherin Paula Hoffmann von der University of Colorado in Denver, die zahlreiche Versuche mit Alkohol und Mäusen gemacht hat. Das "Kater-Gen" ist sozusagen das zweite bekannte Gen, das mit Alkoholtoleranz zu tun hat. Hinzu kommt auch noch ein Gen für den Neurotransmitter namens Octopamin. Fehlen diese beiden Gene, weisen die Fliegen nahezu keine Alkoholtoleranz auf.

Die Forscher hoffen jene Gene zu finden, die eine Alkoholsucht beim Menschen bewirken. Dadurch könnte schon im vorhinein festgestellt werden, ob jemand erblich vorbelastet ist oder nicht. "Wenn wir verstehen, wie Alkoholtoleranz funktioniert, kann man es pharmakologisch steuern", zeigt sich Heberlein überzeugt.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.ucsf.edu
http://www.nature.com

Weitere Berichte zu: Alkoholismus Alkoholtoleranz Fruchtfliege Gen Plattform

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Proteine entdecken, zählen, katalogisieren
28.06.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Chemisches Profil von Ameisen passt sich bei Selektionsdruck rasch an
28.06.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive