Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

eins plus eins macht zwei

04.08.2005


Dresdner Max-Planck-Forscher weisen beim Fadenwurm C. elegans nach, dass die Zellteilungsfurche durch zwei aufeinander folgende Signale positioniert wird



Wenn wir verstehen, wie das Zellwachstum reguliert und gesteuert wird, verstehen wir auch, inwiefern Fehlfunktionen zum Auslöser von Krankheiten werden können. Wird etwa die Regulierung der Zellteilung fehlgesteuert, kann das zu unkontrolliertem Wachstum wie beispielsweise Krebs führen. Bei der Zellteilung ist die Positionierung der Zellteilungsfurche ein entscheidender Faktor: Sie bestimmt, welche Größe die Tochterzellen haben werden und wie das genetische Material verteilt wird. Bisher vermutete man, dass unterschiedliche Zelltypen für diesen komplexen Vorgang auch unterschiedliche Strategien benutzen. So scheinen bei einigen Zellarten die Astern, jene an den Polen der Zelle sternförmig angelagerten Mikrotubuli, die Position der Furche zu steuern. In anderen wiederum tut dies die "midzone", eine für die Teilung des Zellkerns relevante, ebenfalls aus Mikrotubuli gebildete Struktur. Henrik Bringmann aus der Arbeitsgruppe von Anthony Hyman am Dresdner Max-Planck-Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG) hat nun in Experimenten mit einzelligen Embryonen des Fadenwurms C. elegans gezeigt, dass in die Zellteilung beide Zellbausteine eingebunden sind, die nacheinander fein abgestimmt Signale abgeben und auf diese Weise die Zellteilungsfurche an die richtige Stelle dirigieren (Nature, 04. August 2005).



Um das genaue Funktionieren der Zellteilungsspindel und ihrer Bestandteile zu verstehen, untersuchten die Max-Planck-Forscher Zygoten des gerade mal einen Millimeter langen Nematoden Caenorhabditis elegans. Dieser Fadenwurm war 1993 der erste vollständig sequenzierte Vielzeller überhaupt, und wurde so zu einem beliebten Modellorganismus der Zell- und Entwicklungsbiologie. "Um zu schauen, was die midzone und die Astern bei der Zellteilung genau machen, haben wir diese mit Hilfe eines Ultraviolett-Lasers getrennt", erklärt Henrik Bringmann, Doktorand im Forschungslabor von Tony Hyman, das Vorgehen.

Im Normalfall sind die beiden Astern der Zellpole mit den midzones verbunden. Die Mittelpunkte zwischen den beiden Punkten liegen so auf gleicher Position. Durch den Beschuss mit dem Laser haben die Wissenschaftler aber eine Zelle hergestellt, in der sich dieser Mittelpunkt asymmetrisch verschoben hatte: Beim einsetzenden Zellteilungsvorgang wurden sie nun von kortikalen Kräften auseinandergezogen. Diese Technik tauften die Dresdner Forscher ASS (asymmetric spindle severing), also asymmetrische Spindeltrennung.

Was war zu beobachten? Es bildeten sich zwei Zellteilungsfurchen, nämlich zunächst eine regulär genau auf halber Strecke zwischen den beiden Astern, und dann noch eine andere an dem Kortex, der am nächsten zur midzone lag. Aus dieser Manipulation des mitotischen Apparats folgern die Forscher: Bei der Zellteilung wird die Teilungsfurche durch nacheinander ablaufende Signale der Astern und der midzones in die richtige Position gebracht. Das erste Signal wird von den Astralmikrotubuli gegeben und leitet die Teilung ein. Wie es scheint, würde es alleine ausreichen, um die Zellteilung durchzuführen. Das zweite Signal der Spindel-midzones ist ein robuster Korrektur-Mechanismus, der sicherstellt, dass das Erbmaterial zu gleichen Teilen auf die Tochterzellen verteilt wird.

Originalveröffentlichung: Henrik Bringmann & Anthony A Hyman
A cytokinesis furrow is positioned by two consecutive signals

Dr. Andreas Trepte | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de

Weitere Berichte zu: Astern Fadenwurm Zellteilung Zellteilungsfurche

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Polymere aus Bor produzieren
18.01.2018 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Modularer Genverstärker fördert Leukämien und steuert Wirksamkeit von Chemotherapie
18.01.2018 | Deutsches Krebsforschungszentrum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - März 2018

17.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

18.01.2018 | Informationstechnologie

Optimierter Einsatz magnetischer Bauteile - Seminar „Magnettechnik Magnetwerkstoffe“

18.01.2018 | Seminare Workshops

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten