Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Diagnoseansatz für Prostatakrebs - Bessere Abgrenzung gegenüber gutartigen Veränderungen

01.08.2005


Einfach und zuverlässig sollen Früherkennungsmaßnahmen bei Krebs sein. Im Fall des Prostatakarzinoms scheint das Protein S100A9 dem Prostata-spezifischen Antigen (PSA) als diagnostischer Marker ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen zu sein. Dies schreibt Alexander Hermani vom Deutschen Krebsforschungszentrum gemeinsam mit weiteren Forschern in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift Clinical Cancer Research*. Im Vergleich zum so genannten PSA-Test, der auch bei gutartigen Veränderungen der Prostata erhöhte Werte anzeigt, ist S100A9 besser geeignet, einen Tumor von einer gutartigen Wucherung abzugrenzen, so das Ergebnis einer Untersuchung mit 75 Patienten, die an Prostatakrebs erkrankt waren.

... mehr zu:
»Prostatakrebs »Protein »Rezeptor »S100A9

In letzter Zeit gibt es verstärkt Hinweise, dass Proteine der S100-Familie, darunter S100A9, mit bestimmten Tumoren assoziiert sind, so etwa Leber-, Lungen- und Brustkrebs. Bei Patientinnen mit Eierstockkrebs ließen sich im Blut erhöhte Konzentrationen an S100A8 und S100A9 nachweisen. Es wird außerdem vermutet, dass S100-Proteine als Liganden dienen, die an den Rezeptor RAGE binden können. Der Rezeptor-Liganden-Komplex löst offenbar eine Kaskade von zellulären Signalen aus, die letztlich das Teilungs- und Wanderungsverhalten der Zelle beeinflussen.

Diese Daten und Erkenntnisse lieferten die Ausgangsbasis für die Arbeit von Alexander Hermani und Professor Dr. Doris Mayer, Leiterin der Arbeitsgruppe Hormonwirkung und Signaltransduktion. Sie untersuchten Gewebeproben aus menschlichen Prostatatumoren unterschiedlicher Stadien. In Zusammenarbeit mit weiteren Heidelberger Kollegen und Partnern des Mannheimer Universitätsklinikums fanden die Wissenschaftler heraus, dass die beiden Proteine der S100-Familie und ihr potenzieller Rezeptor in Krebsvorstufen und in zunehmendem Maße in fortgeschrittenen Prostatatumoren produziert werden. Dagegen waren in gutartigem Gewebe keine oder nur geringe Konzentrationen der Proteine nachweisbar.


Zudem prüften die Wissenschaftler, ob S100A9 im Blut vorkommt und sich damit als charakteristisches Merkmal für Prostatakrebs eignet. Und in der Tat: Im Vergleich zu gesunden Personen oder Patienten mit gutartigen Veränderungen der Prostata fanden sie im Blut der Krebspatienten eine deutlich höhere Konzentration an S100A9. Von besonderer Bedeutung ist dabei die höhere Aussagekraft, die der Nachweis S100A9 hat: Während der PSA-Test keine eindeutige Unterscheidung von gut- und bösartigen Prostataveränderungen ermöglicht, erlaubt der neu getestete Kandidat eine bessere Abgrenzung beider Diagnosen.

Auch im Hinblick auf die Vorbeugung von Prostatakrebs sowie neue Behandlungskonzepte könnten sich die Ergebnisse der Wissenschaftler als wertvoll erweisen. So bietet der Komplex aus S100-Ligand und seinem Rezeptor einen möglichen Angriffspunkt für entsprechende Strategien. Allerdings sind noch weitere Untersuchungen notwendig, um die Funktion der Moleküle besser zu verstehen.

*Alexander Hermani, Jochen Hess, Barbara De Servi, Senad Medunjanin, Rainer Grobholz, Lutz Trojan, Peter Angel, Doris Mayer: "Calcium-binding proteins S100A8 and S100A9 as novel diagnostic markers in human prostate cancer", Clinical Cancer Research, 2005 Jul 15;11(14):5146-52.

Dr. Julia Rautenstrauch | idw
Weitere Informationen:
http://www.dkfz.de

Weitere Berichte zu: Prostatakrebs Protein Rezeptor S100A9

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen
09.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP

nachricht Wolkenbildung: Wie Feldspat als Gefrierkeim wirkt
09.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie