Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zellen der Tour de France-Radler ticken anders

26.07.2005


Forscher der Universität Jena untersuchen, welche Gene unser Körper bei hoher Belastung anschaltet



Ein Blick auf die muskulösen Waden der Tour de France-Radler genügt, um uns bewusst zu machen: Ihre Körper sind auf Leistung getrimmt. Doch was passiert im Körper eines Profis wirklich während des Trainings und während der Tour? Eines steht fest, unter Hochleistung verändern unsere Körperzellen ihr Stoffwechselprogramm. Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena untersuchen jetzt, welche Prozesse durch sportliche Höchstleistungen angekurbelt werden. Im Rahmen eines neuen Forschungsprojektes wollen sie die Gene identifizieren, die für die Funktion des Organismus unter sportlicher Extrembelastung von besonderer Bedeutung sind. Gemeinsam mit Medizinern des Instituts für Sportmedizin der Universität Freiburg, das die Teamärzte des T-Mobile Teams stellt, ist ein Programm entwickelt worden, das die Untersuchung von Hochleistungssportlern einschließt. So wurden von der Arbeitsgruppe Molekulare Hämostaseologie des Universitätsklinikums Jena u. a. die weißen Blutzellen der deutschen Tour de France-Fahrer vom T-Mobile-Team und vom Team Gerolsteiner untersucht.

... mehr zu:
»Gen »Protein »Prozess »RNS


"Die notwendigen Laboruntersuchungen sind sehr aufwändig und verlangen eine sofortige Bearbeitung der Proben", sagt der Jenaer Projektleiter Prof. Dr. Harald Funke. Deshalb wurde ein Kleintransporter in ein rollendes Labor umgebaut. Mit ihm fuhren die Wissenschaftler unmittelbar vor Beginn der diesjährigen Tour nach Fromentine und nach Beendigung nach St. Etienne, um bei Fahrern beider Teams Bluttests durchzuführen.

"Die individuelle genetische Veranlagung, die Trainingsintensität, aber auch andere Faktoren wie die Ernährung nehmen Einfluss darauf, welche Zellen des Körpers welche Proteine in welchen Mengen produzieren", erklärt Prof. Funke. Um Aussagen über die individuelle Proteinausstattung zu machen, schaut er sich die zugehörigen Gene an. In seinem Labor wird eine Methode angewendet, mit der sich auf einen Schlag die Aktivität von 40.000 Genen untersuchen lässt. Die Gene enthalten die Bauanleitung für ebenso viele verschiedene Proteine. Bei dem Prozess, bei dem ein Gen in ein Protein umgewandelt wird, entsteht als Zwischenprodukt so genannte RNS. Bei den Untersuchungen kommen Chips zum Einsatz, auf denen 40.000 dieser RNS-Stücken aufgebracht sind.

Zusammen mit den Sportmedizinern der Uni Jena konnten die Forscher kürzlich nachweisen, dass sich bei sportlicher Belastung das Muster und die Menge der RNS in den weißen Blutzellen erheblich verändern. Die Untersuchung der Radprofis soll nun Aufschluss darüber geben, welche Gene unter Extrembedingungen besonders aktiv sind, ergo, welche Proteine und Enzyme der Körper benötigt, um solch eine Ochsentour zu überstehen. Die letzten Bluttests mit den Radlern sollen während der trainingsfreien Zeit im Winter stattfinden. "Erst wenn wir diese Vergleichswerte haben, können wir genauer sagen, welche Prozesse sich ändern", erklärt Funkes Mitarbeiterin Petra Büttner. Die Doktorandin ist zuversichtlich, dass sich aus ihrer Arbeit langfristig Möglichkeiten zur Verbesserung der individuellen Trainingsplanung ergeben werden. Die Ergebnisse werden jedoch nicht vor Anfang des nächsten Jahres vorliegen.

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: Gen Protein Prozess RNS

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht 'Fix Me Another Marguerite!'
23.06.2017 | Universität Regensburg

nachricht Schimpansen belohnen Gefälligkeiten
23.06.2017 | Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften