Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mechanismen der Graft-versus-Host-Reaktion des Darms

25.07.2005


Die allogene Stammzelltransplantation von gesunden Spendern stellt eine effektive Behandlung für viele Patienten mit Leukämien dar, ist aber nach wie vor mit einer hohen Rate lebensbedrohlicher Komplikationen assoziiert. Diese Komplikationen beruhen auf der Tatsache, dass das mit den Spender-Stammzellen transplantierte Immunsystem des Spenders die Gewebe des Patienten als fremd erkennt und dann in einer massiven Spender-gegen Wirt (oder Graft-versus-Host)-Erkrankung diese Gewebe entzündlich schädigen und auch zerstören kann. Besonders gefährlich wird es für den Patienten, wenn innere Organe wie der Darm von dieser Reaktion betroffen werden, es kann hier zu schweren Durchfällen bis hin zu Darmblutungen und lebensbedrohlichen Infektionen kommen. Auf der anderen Seite ist eine vollständige Unterdrückung dieser Immunreaktion der Spenderzellen gegen den Empfänger unerwünscht, da die Spender-Immunzellen auch restliche Leukämiezellen im Körper als fremd erkennen und sie eliminieren können. Dieser Graft-versus-Leukämie-Effekt ist ein wesentliches Therapieprinzip und trägt in erheblichem Maß zum Heilungserfolg nach allogener Stammzelltransplantation bei.



Vor diesem Hintergrund ist es extrem wichtig, die Mechanismen der Graft-versus-Host Erkrankung genauer zu verstehen, um sie gezielter beeinflussen zu können. In Kooperation mit Prof. Rogler und anderen Kollegen aus der Gastroenterologie konnten wir im letzten Jahr nachweisen, dass bestimmte genetische Varianten in dem Entzündungsgen NOD2/CARD15, das für die Erkennung von Bakterien in der Darmwand verantwortlich ist, ähnlich wie bei entzündlichen Darmerkrankungen einen hochsignifikanten Risikofaktor für das Auftreten einer schweren Graft-versus-Host Erkrankung und die daraus resultierenden tödlichen Komplikationen darstellen. Es war schon seit langem bekannt, dass die Besiedlung des Darms mit Bakterien einen Risikofaktor für die Graft-versus-Host Erkrankung darstellt, ohne dass man aber bisher die genauen Mechanismen kannte, wie eine durch Darmbakterien initiierte Entzündung zu einer verstärkten Reaktion der Spender-Zellen führt.In dem jetzt bewilligten Forschungsprojekt soll durch eine Analyse von Gewebsproben aus dem Darm und von Blutproben transplantierter Patienten die Bedeutung dieser Veränderung des NOD2/CARD15 Gens für die Darmentzündung untersucht werden. In interdisziplinärer Kooperation zwischen Frau Dr.Bataille aus dem Institut für Pathologie; Herrn Prof.Rogler und der Abteilung Hämatologie/Onkologie sollen die histologischen Veränderungen in Bezug zum Vorhandensein oder Fehlen von genetischen Varianten analysiert werden und das zelluläre Infiltrat im Darm auf funktionelle Veränderungen bei der Antwort auf entzündliche und bakterielle Reize untersucht werden.



Darüberhinaus soll die Produktion wichtiger antibakterieller Proteine in der Darmwand, die ebenfalls durch das NOD2/CARD15 Gen gesteuert werden, gemessen werden, um zu klären, ob diese ursächlich an der GvHD beteiligt sind. Durch den Vergleich mit der Funktion von Blutzellen kann beantwortet werden, ob die Veränderungen am NOD2/CARD15 Gen nicht nur die Entzündung im Darmepithel beeinflussen, sondern, wie vermutet, auch breiter generell in den Entzündungszellen des Bluts und des Gewebes zu einem veränderten und den Patienten stärker schädigendem Verhalten führen. Genauere Kenntnisse zum Ablauf dieser Prozesse könnten dann z.B. in differenzierte Therapieansätze für Patienten mit und ohne Veränderungen am NOD2/CARD15 Gen führen oder aber Ansätze zur Modulation der GvHD aufzeigen, die die anti-leukämische Komponente der Immunreaktion weniger stark abschwächen.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Berichte zu: Darm Gen Gewebe Graft-versus-Host NOD2/CARD15

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Das Geheimnis der Sojabohne: Mainzer Forscher untersuchen Ölkörperchen in Sojabohnen
20.06.2018 | Max-Planck-Institut für Polymerforschung

nachricht Schlüsselmolekül des Alterns entdeckt
20.06.2018 | Deutsches Krebsforschungszentrum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Im Focus: Revolution der Rohre

Forscher*innen des Instituts für Sensor- und Aktortechnik (ISAT) der Hochschule Coburg lassen Rohrleitungen, Schläuchen oder Behältern in Zukunft regelrecht Ohren wachsen. Sie entwickelten ein innovatives akustisches Messverfahren, um Ablagerungen in Rohren frühzeitig zu erkennen.

Rückstände in Abflussleitungen führen meist zu unerfreulichen Folgen. Ein besonderes Gefährdungspotential birgt der Biofilm – eine Schleimschicht, in der...

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Im Focus: Overdosing on Calcium

Nano crystals impact stem cell fate during bone formation

Scientists from the University of Freiburg and the University of Basel identified a master regulator for bone regeneration. Prasad Shastri, Professor of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

Hengstberger-Symposium zur Sternentstehung

19.06.2018 | Veranstaltungen

LymphomKompetenz KOMPAKT: Neues vom EHA2018

19.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Breitbandservices von DNS:NET erweitert

20.06.2018 | Unternehmensmeldung

Mit Parasiten infizierte Stichlinge beeinflussen Verhalten gesunder Artgenossen

20.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics