Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie machen Androgene den Mann zum Mann?

25.07.2005


Publikation von Wissenschaftler-Team der Universitäten Gießen und Jena in US-Fachblatt Molecular Endocrinology


Männliche Sexualhormone, die so genannten Androgene, haben zahlreiche Wirkungen auf den sich entwickelnden Embryo wie auf den jugendlichen und erwachsenen Mann. Eines ihrer Zielorgane ist die Prostata, deren Entwicklung, Wachstum und Funktion androgenabhängig ist. Androgene gelangen ohne weitere Hilfsmittel in die Zellen der Prostata und binden dort an den Androgenrezptor, der daraufhin Gene einschaltet, die ein Androgen-Steuerelement (ARE) besitzen. Dass es auch ganz ohne ARE geht, haben jetzt Wissenschaftler der Universitäten Gießen und Jena herausgefunden. Denn im Gen für das Prostataprotein SCGB 2A1 fanden sie ein Element, das die Androgenwirkung zwar vermittelt, aber kein ARE ist und vom Androgenrezeptor auch nicht direkt erkannt wird.

Bereits Ende der 60-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde ein Zwei-Stufen-Modell zur Sexual- oder allgemeiner Steroidhormonwirkung eingeführt, das so überzeugend war, dass es drei Jahrzehnte nahezu unverändert Bestand hatte. Im ersten Schritt diffundieren dabei Steroidhormone durch die Zellmembran und binden im Zellinneren an für jedes Hormon spezifische Rezeptoren. In einem zweiten Schritt wird der Steroidhormonrezeptor-Hormon-Komplex aktiviert und bindet dann an ein charakteristisches Steuerelement in Zielgenen, das meist von mehreren Rezeptoren erkannt werden kann. Dort wirken die Rezeptoren als so genannte Transkriptionsfaktoren, die dafür sorgen, dass das betreffende Gen abgelesen und der vom Gen kodierte Eiweißstoff hergestellt, also exprimiert wird.


In den vergangenen Jahren wurde jedoch immer deutlicher, dass dieses vergleichsweise einfache Modell ergänzt werden muss. So erfolgt die Aktivierung eines Gens nicht direkt über den Rezeptor allein, sondern erfordert ein Spektrum von Ko-Aktivatoren und Ko-Repressoren. Darüber hinaus wurde deutlich, dass Steroidhormonrezeptoren nicht nur über Bindung an ihre Steuerelemente in Genen wirken können, sondern auch mit anderen Signalketten wechselwirken.

Ein Team von Wissenschaftlern aus dem Institut für Anatomie und Zellbiologie in Gießen und dem Institut für Humangenetik und Anthropologie in Jena hat nun im US-Fachblatt Molecular Endocrinology eine weitere Ergänzung zum bestehenden Hormonwirkungsmodell hinzugefügt. Im Gen für das Prostataprotein SCGB 2A1 wurde ein Steuerelement gefunden, das für die Androgenwirkung verantwortlich ist, an das der Androgenrezeptor aber nicht binden kann. Stattdessen binden dort die Transkriptionsfaktoren Sp1 und Sp3, die allgegenwärtig und bei der Expression sehr vieler Gene beteiligt sind. Dieses besondere Steuerlement ist zudem spezifisch für Androgene, wogegen ein gewöhnliches Androgensteuerelement auch auf Glukokortikoide wie Cortisol anspricht. Mit modernen Chromatin-Immun-Fällungsexperimenten, die von der neuen Jenaer Arbeitsgruppe noch im Institut für Genetik in Gießen durchgeführt wurden, konnte weiterhin gezeigt werden, dass der Androgenrezeptor sich in der lebenden Zelle dennoch in der Nähe des SCGB 2A1-Gens aufhält und seine Wirkung offenbar über die Transkriptionsfaktoren Sp1/Sp3 ausübt. Denn wird die Bindung von Sp1/Sp3 verhindert, so geht auch die Androgenwirkung verloren.

Weitere Experimente sollen nun zeigen, wie die Androgenwirkung über Sp-Transkriptionsfaktoren genau funktioniert und ob dieser Mechanismus bei weiteren Genen eine Rolle spielt. Sollte dies der Fall sein, so ergeben sich womöglich neue Angriffspunkte für eine therapeutische Intervention beim androgenabhängigen Prostatakrebs.

Christel Lauterbach | idw
Weitere Informationen:
http://mend.endojournals.org/cgi/content/abstract/me.2004-0408v1

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung
26.04.2017 | Universität Ulm

nachricht Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt
26.04.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin

26.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Naturkatastrophen kosten Winzer jährlich Milliarden

26.04.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie