Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stress im Gehirn

21.07.2005


Wissenschaftler vermuten Beteiligung der Stresshormon-Kaskade an der Entstehung des Rett-Syndroms



Das Rett-Syndrom, eine schwere Form der geistigen Behinderung, wird durch spontane Mutationen im MECP2-Gen ausgelöst. Bislang ist nicht bekannt, welcher Mechanismus für die schweren Entwicklungsstörungen verantwortlich ist, unter denen die Betroffenen leiden. Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik und der Universität Edinburgh ist es jetzt gelungen, Zielgene von MECP2 im Mausmodell zu identifizieren. In der Fachzeitschrift Human Molecular Genetics beschreiben sie, dass die Überaktivität der "Stresshormon-Kaskade" für einen Teil der Symptome des Rett-Syndroms verantwortlich sein könnte. Dies könnte einen Weg für die Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze zur Behandlung des Rett-Syndroms eröffnen.

... mehr zu:
»Gen »MECP2 »Organismus »Rett-Syndrom »Zielgene


Das Rett-Syndrom ist bei Mädchen nach dem Down-Syndrom die häufigste Ursache für schwere geistige Behinderung. Betroffene Kinder entwickeln sich bis zu einem Alter von 6 bis 18 Monaten scheinbar normal, dann tritt ein krisenhafter Zustand ein, der durch den Verlust von bereits erlernten Fähigkeiten wie Laufen und Sprechen, durch Waschbewegungen der Hände, abnormale Atmung, und Zurückbleiben des Kopfumfangs gekennzeichnet ist. Betroffene Jungen sterben im allgemeinen bereits während der Embryonalentwicklung.

Rett-Syndrom wird durch spontane Mutationen im MECP2-Gen verursacht. Das von dem Gen kodierte MECP2-Protein hemmt im Organismus die Aktivität anderer Gene, bislang war jedoch unklar, um welche Gene es sich dabei im Gehirn handelt. Wissenschaftlern um Ulrike Nuber und Tim Roloff vom Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in Berlin und Adrian Bird von der Universität Edinburgh ist es nun gelungen, Zielgene von MECP2 im Gehirn der Maus zu identifizieren. In der Fachzeitschrift Human Molecular Genetics beschreiben sie, dass MECP2 Gene unterdrückt, die im gesunden Organismus durch so genannte Stresshormone (Glucocorticoide) aktiviert werden. Fällt diese Unterdrückung durch MECP2 aus, genügen bereits die normalerweise im Hirn vorhandenen Mengen an Glucocorticoiden, um die betreffenden Gene zu aktivieren. Die Folge ist eine Überaktivität der betreffenden Gene im Organismus.

Aus verschiedenen Studien ist bekannt, dass Glucocorticoide einen negativen Einfluss auf die Entwicklung des unreifen Gehirns ausüben. Die Forscher vermuten daher, dass die gesteigerte Aktivität der von ihnen gefundenen Gene eine Ursache für die Ausbildung des Rett-Syndroms sein könnte. In künftigen Experimenten wollen sie prüfen, ob die Symptome beim Rett-Syndrom durch Eingriffe in die Stress-Antwort im Gehirn beeinflusst werden können.

Dr. Patricia Beziat | idw
Weitere Informationen:
http://www.molgen.mpg.de

Weitere Berichte zu: Gen MECP2 Organismus Rett-Syndrom Zielgene

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Bakterien aus dem Blut «ziehen»
07.12.2016 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

nachricht HIV: Spur führt ins Recycling-System der Zelle
07.12.2016 | Forschungszentrum Jülich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie