Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vom Affen bis zur Zikade

12.07.2005


Die Zoologische Lehr- und Studiensammlung am Institut für Biologie II wird wieder eröffnet. Sie umfasst alle Organismengruppen, von den wirbellosen Tieren wie beispielsweise Schwämme, Nesseltiere, verschiedene Gruppen von wurmartigen Tieren, Weichtiere, Krebse, Spinnen und Insekten bis hin zu den Wirbeltieren. Die Präparate stammen aus allen Regionen der Erde.



Zeit: 14. Juli 2005, 14:30 Uhr

... mehr zu:
»Affe »Fauna »Insektensammlung »Präparator

Ort: Talstraße 33

Seit 1968/69 konnten die Leipziger Zoologen nur ausgewählte Stücke einer ehemals umfangreichen Zoologischen Sammlung mit in die Vorlesung bringen, wenn sie ihren Studenten eine Tierart möglichst naturnah vorstellen wollten. Anschließend musste es wieder in Schränken und Regalen von Abstellkammern verschwinden. Wertvollste Objekte lagen allerdings achtlos auf dem Dachboden, über deren Wiederentdeckung sich Wissenschaftler und Studenten besonders glücklich waren. "So fanden wir im Jahr 2002 das Typusmaterial von Monorhaphis chuni wieder.", freut sich noch jetzt Prof. Martin Schlegel, Leiter der Arbeitsgruppe Molekulare Evolution & Systematik der Tiere. " Dabei handelt es sich um mehrere Dezimeter lange Pfahlnadeln eines Tiefseeschwammes, die aus der Tiefseeexpedition von Carl Chun stammen und die als verschollen galten."


Carl Chun (1852-1914), der 1898 zum Professor für Zoologie und Direktor der Zoologischen Sammlung der Universität Leipzig berufen wurde, leitete die erste deutsche Tiefsee-Expedition mit der ’’Valdivia’’, die zum Nordatlantik, der Westküste Afrika, der Antarktis, den Kerguelen, nach Sumatra und Ceylon, zum Roten Meer und zum Mittelmeer führte. Dabei beschrieb er viele neue Arten und fand große internationale Beachtung. Sein Präparator Hermanus Hendricus ter Meer aus Leiden führte Ende des 19. Jahrhunderts die Dermoplastik ein. Diese Technik ermöglichte erstmals eine proportionsgerechte und somit lebensecht wirkende Präparation von Wirbeltieren. Trotz vieler internationaler Stellenangebote entschied sich ter Meer 1907 für Leipzig.

Unter der jetzt wieder aufgestellten Zoologischen Sammlung, die vom 1. Zoologieprofessor in Leipzig, Eduard Poeppig, begründet wurde, sind auch einige Stücke ter Meers, z.B. ein Faultier, das in lebensnah wirkender Position an einem Ast hängt. 2500 Präparate umfasst die Sammlung heute; dazu kommt eine umfangreiche Insektensammlung. Das erscheint wenig im Vergleich zu den ehemals 60 000 Stücken, die vor ihrer Auflösung im Zuge der 3. Hochschulreform zur Sammlung gehörten. Viele von ihnen befinden sich heute im Museum für Naturkunde Berlin, im Museum für Tierkunde Dresden und im Naturkundemuseum Leipzig.

Aber der verbliebene Teil der ehemals berühmten Leipziger Sammlung ist noch immer beeindruckend. Sie umfasst eine Schausammlung im Erdgeschoss und einen Magazinbereich im Dachgeschoss. Die Schausammlung ist in zwei Räumen untergebracht. Ein Raum ist systematisch nach der Klassifizierung der Tiere aufgebaut, von den Schwämmen über die Reptilien bis zu den Säugetieren. Der 2. Raum enthält die heimischen Tiere. "Unsere Studenten sollen ein Gefühl für die Fauna ihrer Heimat bekommen und das, was schützenswert ist.", erklärt Kustos Dr. Detlef Bernhard. Manches Tier, z.B. die Großtrappe, existiert schon nicht mehr im mitteldeutschen Raum. Noch vor 30 Jahren war sie um Delitzsch herum noch anzutreffen.

Hervorzuheben ist die umfangreiche Insektensammlung, insbesondere von Käfern aber auch Wanzen, Zikaden und Hautflüglern, die von dem Studienrat Dietze aus Leipzig in den ersten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts angelegt wurde. Diese Insektensammlung dokumentiert die Fauna des Leipziger Raumes zur damaligen Zeit und stellt somit eine wichtige Grundlage für heutige und zukünftige Untersuchungen zum Vorkommen verschiedener Insektenarten in Sachsen dar.

Mit der Rekonstruktion des Institutsgebäudes Talstr. 33 von 2003 - 2005 wurde auch der gesamte Sammlungsbestand verpackt und eingelagert. Bereits vorher begann eine Auflistung der Sammlungsbestände, da alle früheren Bestandslisten verschollen sind. Jetzt soll noch die komplette Archivierung aller Sammlungsbestände erfolgen. Dadurch soll die Nutzbarkeit der Sammlung für Lehr- und Studienzwecke sowie auch die Bearbeitung von wissenschaftlichen Anfragen zu Sammlungsobjekten verbessert werden.

Last not least: An der Klassifizierungs- und Wiederaufstellungsaktion waren viele Studentinnen und Studenten beteiligt. "Wir hatten einen Aufruf gestartet und mit vereinzelten Zusagen gerechnet, nicht mit einem so überwältigenden Unterstützungsangebot", resümiert Präparator Ronny Wolf. Ohne sie hätten wir es niemals geschafft, bis zur Eröffnung letzten Monat, die Präparate zu entstauben, hässliche Umbauten zu entfernen, mit großer Sorgfalt neu einzuteilen und zu beschriften!"

weitere Informationen:
Prof. Dr. Martin Schlegel
Telefon: 0341 97-36720
E-Mail: schlegel@uni-leipzig.de

Dr. Bärbel Adams | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de/~agspzoo/

Weitere Berichte zu: Affe Fauna Insektensammlung Präparator

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht 'Fix Me Another Marguerite!'
23.06.2017 | Universität Regensburg

nachricht Schimpansen belohnen Gefälligkeiten
23.06.2017 | Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften