Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Impfstoff gegen wichtigste Ursache von lebensbedrohlichen Infektionen bei Neugeborenen

01.07.2005


Chiron Vaccines veröffentlicht in "Sience" bahnbrechende Daten über einen neuen universellen Gruppe B-Streptokokken-Impfstoff.


Heute haben Wissenschaftler von Chiron Vaccines, einem Geschäftsbereich der in Kalifornien ansässigen Chiron Corporation (NASDAQ: CHIR), in dem angesehenen Wissenschaftsjournal Science bahnbrechende Ergebnisse der Suche nach einem universellen Gruppe B Streptococcus (GBS)-Impfstoff veröffentlicht (1). Das Team von Chiron Vaccines - in Zusammenarbeit mit Forschern der Harvard Medical School, dem US Institute for Genome Research und der University of Messina Medical School in Italien - hat eine neue gentechnische Selektionstechnik genutzt, die sogenannte "reverse vaccinology" ("umgekehrte Impfstoffentwicklung"). Sie haben mit dieser Technik eine Reihe von Proteinen identifiziert, die, wenn man sie kombiniert, einen Impfstoff möglich erscheinen lassen, der gegen alle bedeutsamen und im Umlauf befindlichen Stämme des Bakteriums schützen kann. Das Team hat im Laufe seiner Forschungen außerdem erstmals die Existenz eine haarähnliche Oberflächenstruktur ("pilus") nachgewiesen, die bisher in jahrzehntelanger Forschung zu GBS nicht erkannt wurde. Das Chiron Vaccines-Team veröffentlicht diese bahnbrechende Entdeckung in der heutigen Ausgabe von "Science" (2).

Das GBS-Bakterium ist die Hauptursache für lebensbedrohliche bakterielle Infektionen bei Neugeborenen (neonatale Sepsis, Meningitis, Pneumonie). In der Bevölkerung ist eine ganze Reihe von Stämmen dieses Erregers im Umlauf. Etwa 80% der Infektionen bei Neugeborenen geschehen bei der Geburt durch Übertragung von der Mutter auf das Kind. Wissenschaftliche Untersuchungen haben GBS in der anogenitalen Schleimhaut bei 25 bis 40% aller gesunden Frauen nachgewiesen. Trotz der Einführung einer Antibiotika-Prophylaxe in den USA verursacht GBS dort noch immer etwa 2.500 Neugeboreneninfektionen pro Jahr. Bei jedem vierten infizierten Kind hat die Infektion langfristige Folgen wie Taubheit, Erblindung und neurologische Schäden; 100 Kinder sterben in den ersten drei Lebensmonaten infolge der Infektion. Etwa die Hälfte dieser Todesfälle tritt in der ersten Lebenswoche nach der Geburt ein. Aus diesem Grund herrscht unter Wissenschaftlern und Ärzten Einigkeit, dass die Einführung einer wirksamen Impfung die einzige Möglichkeit darstellt, die Anzahl der Fälle dieser lebensbedrohlichen Infektion langfristig zu verringern.


"Diese spannende Forschung zeigt am praktischen Beispiel, wie sich durch die moderne Genforschung wichtige neue medizinische Produkte entwickeln lassen", so Rino Rappuoli, Chief Scientific Officer bei Chiron und Head of Research bei Chiron Vaccines: "Durch sorgfältige Untersuchung des funktionellen Genoms des GBS-Bakteriums ist es uns gelungen, mehrere wichtige Proteine zu identifizieren, die möglicherweise einen Schutz gegen alle wichtigen Stämme vermitteln könnten, wenn wir sie in einem Impfstoff kombinieren. Dieser Ansatz unterscheidet sich grundlegend von den klassischen Entwicklungstechnologien, bei denen die benötigten Erreger zuerst mühsam angezüchtet und verschiedene Verbindungen gereinigt werden müssen, um Kandidatenimpfstoffe zu erhalten. Durch unsere innovative Strategie der ,reverse vaccinology’ konnten wir den Prozess beschleunigen und deutlich schneller einen möglichen universellen GBS-Impfstoff identifizieren. Außerdem hat die Entdeckung von Pilus-Strukturen auf dem Bakterium unser Wissen über seinen Wirkungsmechanismus erweitert.

Aufgrund der vielen zirkulierenden GBS-Stämme konnten die Wissenschaftler bislang keinen Einzelkomponenten-Impfstoff finden, der universellen Schutz vor der Infektion bieten kann. Die Wissenschaftler bei Chiron Vaccines haben nun durch Analyse der Genome einer Reihe von GBS-Stämmen vier Proteine identifiziert, deren Schutzwirkung gegen die Bakterienpopulationen sich teilweise überschneidet. Präklinische Modelle haben bewiesen, dass der Impfstoff umfassend schützt; diese Modelle sind hinsichtlich der Wirkung auf den Menschen aussagekräftig.

Der Entwicklungsprozess steht zwar noch am Anfang, aber unsere innovative Genomscreening-Strategie eröffnet die Aussicht auf neue universelle proteinbasierte Impfstoffe nicht nur gegen GBS, sondern auch gegen andere Bakterien mit variablen Stämmen wie beispielsweise Streptococcus Gruppe A und Streptococcus pneumoniae."

Um Kopien des Artikels zu erhalten, wenden Sie sich bitte direct an Science unter Tel. +1 202 326 6440 oder E-Mail scipak@aaas.org.

(1) Identification of a Universal Group B Streptococcus Vaccine by Multiple Genome Screen. D Maione, Margarit I, Rinaudo D et al. Science (1. Juli 2005). Hauptautor Guido Grandi, Chiron Vaccines Italy.

(2) Genome Analysis Reveasls Pili in Group B Streptococcus. Lauer P, Rinaudo D, Ros I et al. Science (1. Juli 2005). Hauptautor John Telford, Chiron Vaccines Italy.

Chiron Vaccines in Marburg

ist ein Impf­stoffhersteller mit über 100-jähriger Tradition in Deutschland, die auf den Firmengründer Emil von Behring zurückgeht. Emil von Behring war der erste Träger des Medizin-Nobelpreises. Er erhielt ihn 1901 für die Entdeckung des Diphtherie-Antitoxins. In Deutschland ist Chiron Vaccines der führende Spezialist im Bereich von Influenza- und FSME-Impfstoffen.

Chiron Vaccines

mit Hauptsitz in Oxford, ist der weltweit fünftgrößte Impfstoffhersteller und weltweit der zweitgrößte Hersteller von Grippe-Impfstoffen. Chiron Vaccines hat Produktionsstandorte in Europa, den USA und Asien. Neben Grippeimpfstoffen hat das Unternehmen außerdem Produkte in den Bereichen Meningitis sowie Kinder- und Reise-Impfstoffe im Portfolio. Chiron Vaccines gehört in Großbritannien, Deutschland und Italien zu den führenden Impfstoffherstellern. Die Produktpalette umfasst Impfstoffe gegen Influenza, Meningokokken C, Gelbfieber, Tollwut, FSME, Haemophilus influenzae b (Hib), Polio, Mumps, Masern und Röteln (MMR), Diphtherie, Tetanus, Pertussis (Keuchhusten) und Cholera.

Chiron

ist Anbieter innovativer und wertvoller Produkte zum Schutz der Gesundheit des Menschen durch Weiterentwicklung bahnbrechender Forschung im gesamten Bereich der Biotechnologie. Das Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, alle Möglichkeiten der modernen Forschung zu nutzen und das Leben der Menschen positiv zu verändern.

| idw
Weitere Informationen:
http://www.chiron.com
http://www.impfen.de

Weitere Berichte zu: GBS Genom Impfstoff Infektion Neugeborene Streptococcus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Aufräumen? Nicht ohne Helfer
19.10.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Einzelne Rezeptoren auf der Arbeit
19.10.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Aufräumen? Nicht ohne Helfer

19.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Biotinte für den Druck gewebeähnlicher Strukturen

19.10.2017 | Materialwissenschaften

Forscher studieren molekulare Konversion auf einer Zeitskala von wenigen Femtosekunden

19.10.2017 | Physik Astronomie