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Pflanzliche Schutzstoffe für die menschliche Gesundheit

16.06.2005


Auf einem Forum in Harbin Anfang Juni diskutierten Heidelberger Forscher mit chinesischen Partnern über Biosynthese, Gewinnung, molekulare Wirkung und medizinischen Einsatz pflanzlicher Schutzstoffe (phytoprotectants) für die menschliche Gesundheit

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Auf einem Internationalen Forum am Engineering Research Center of Plant Medicine (ERCPM) der Northeast Forestry University, Harbin, diskutierten Heidelberger Forscher mit chinesischen Partnern über Biosynthese, Gewinnung, molekulare Wirkung und medizinischen Einsatz pflanzlicher Schutzstoffe (phytoprotectants) für die menschliche Gesundheit. Zu diesem Forum, an dem Wissenschaftler aus Heidelberg, Göttingen, Harbin und anderen chinesischen Universitäten teilnahmen, hatten die Forscher Prof. Yuangang Zu (ERCPM, Harbin) und Prof. Thomas Rausch (Heidelberger Institut für Pflanzenwissenschaften [HIP]) gemeinsam eingeladen. Eine besondere Note gewann das Treffen der Wissenschaftler durch die Teilnahme chinesischer Pharmaunternehmen (Hisun Pharmaceuticals, Harbin Pharmaceutical Group) und eines Vertreters des China Chamber of Commerce of Medicines & Health Products.

Das Themenspektrum des dreitägigen Workshops reichte von den biochemischen und molekularen Grundlagen von Biosynthese und Wirkung bis hin zur Produktion dieser pflanzlichen Wirkstoffe im industriellen Maßstab. Zu den interessanten pflanzlichen Verbindungen zählen unter anderem verschiedene Antioxidantien (Glutathion, Vitamin C, sekundäre Pflanzenstoffe), die an der "Entgiftung" reaktiver Sauerstoffspezies in humanen (aber auch pflanzlichen) Zellen beteiligt sind. Über die Regulation ihrer Biosynthese und biotechnologische Verfahren zu ihrer Herstellung berichteten die Molekularbiologen Prof. Rüdiger Hell und Prof. Thomas Rausch.


Neue Arbeiten zu hochgradig effektiven Antitumor-Wirkstoffen, wie dem Artemisinin, oder dem aus dem "Happy Tree" (Campthoteca acuminata) gewonnenen Campthotecin, wurden von Prof. Michael Wink (IPMB) und Dr. Thomas Efferth (DKFZ) vorgestellt. Auf die antivirale Wirkung ätherischer Öle zur Kontrolle von Herpes-Viren wurde von Prof. Jürgen Reichling hingewiesen.

Das von den chinesischen Partnern glänzend organisierte Forum erhielt seinen besonderen Reiz durch den interdisziplinären Charakter und die enge Verbindung zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung bis hin zur Produktion. Besonders beeindruckt waren die deutschen Teilnehmer von der rasanten Entwicklung der gerätemäßigen Ausstattung am ERCPM. In nur wenigen Jahren war es Prof. Yuangang Zu gelungen, die Bereiche Analytik und Molekularbiologie technisch hervorragend auszustatten. Zwar sahen die Forscher aus Heidelberg noch Schwachstellen in der Forschungsorganisation und Qualitätskontrolle, doch war abzusehen, dass sich diese Lücken durch den bereits begonnenen, intensiven Wissenschaftleraustausch in naher Zukunft schließen lassen würden.

"Wir haben ein hohes Interesse, diesen Kontakt weiter auszubauen, und zwar im Bereich des Technologietransfers, aber auch in Richtung auf gemeinsame Forschungsprojekte", so der Biologe Michael Wink vom Institut für Pharmazie und Molekulare Biotechnologie (IPMB) der Universität Heidelberg. Auch der Krebsforscher Thomas Efferth, der am DKFZ für das Doktorandenprogramm zuständig ist, fand lobende Worte: "Eine hervorragende Laborausstattung und begeisterte, hochmotivierte Master-Studenten und Doktoranden: Der Abstand wird geringer, die chinesische Seite holt auf!" Am Rande des Forums fanden auch erste Vorgespräche zwischen Vertretern des Unternehmens Hisun Pharmaceuticals und den Heidelberger Forschern Michael Wink, Thomas Rausch und Rüdiger Hell statt. Beide Seiten zeigten großes Interesse an der gemeinsamen Entwicklung neuer Verfahren zur biotechnologischen Produktion pflanzlicher Schutzstoffe.

Im Bereich des Wissenschaftleraustausches hatte Michael Wink vor drei Jahren den ersten Schritt getan: Gemeinsam mit den chinesischen Kollegen hatte er einen BMBF-Antrag zur Förderung des Kooperation mit Harbin gestellt und war damit erfolgreich. "Dieses Forum war ein weiterer, bedeutsamer Meilenstein auf dem Weg zu einer langfristigen und fruchtbaren Kooperation zwischen Heidelberger Forschern (HIP, IPMB, DKFZ) und den chinesischen Kollegen am ERCPM", äußerte sich der Biologe Thomas Rausch zufrieden. Sein ehemaliger Doktorand Zhigang An ist heute Professor am ERCPM.

Dr. Michael Schwarz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-heidelberg.de
http://www.uni-hd.de

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