Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Polizeiauto für molekulare Übeltäter entdeckt

08.06.2005


Molekül entsorgt fehlerhafte Proteine




Biologen der Universität Bonn haben zusammen mit Medizinern des University College in London ein Molekül entdeckt, das wie ein "Polizeiauto" für molekulare "Übeltäter" fungiert. Mit der Hilfe dieses Moleküls werden die fehlerhaften Proteine schnell entsorgt, ohne dass sie die Zelle schädigen können. Die Entdeckung hat große Bedeutung für die Bekämpfung der tödlichen Erbkrankheit Chorea Huntington (auch Huntington-Krankheit), gegen die es bisher keine Heilmittel gab, berichten die Forscher in der aktuellen Ausgabe des Journals Current Biology.

... mehr zu:
»HSJ1 »Molekül »Nervenzelle »Protein


Ursache von Chorea Huntington ist ein Gendefekt. Er sorgt dafür, dass in den Nervenzellen die so genannten Huntingtin-Proteine zu langen Fäden verkleben. Wenn diese Eiweiß-Fasern zu groß werden, gehen die Nervenzellen daran zugrunde. Ähnliches passiert auch bei Erkrankungen wie Alzheimer oder BSE: Dort entstehen im Gehirn große Protein-Knäuel, die das Hirngewebe absterben lassen. Proteine verkleben miteinander, wenn sie die falsche Form annehmen. Dann können plötzlich "klebrige" Bereiche des Proteins nach außen weisen, die normalerweise in im Inneren verborgen sind. Wenn es zu so einer Umkehr kommt, sorgen spezielle Aufpasser-Moleküle namens Chaperone dafür, dass diese Verbindungen sich wieder auflösen. Wenn die Proteine nicht zu retten sind, kleben die Chaperone ihnen eine Art "Grünen Punkt" auf. "Diese Markierungs-Funktion der Chaperone ist erst seit wenigen Jahren bekannt", so der Bonner Zellbiologe Jörg Höhfeld. Dabei haben die Forscher nun allerdings erstmals ein Hilfsmolekül namens HSJ1 entdeckt, das die markierten Proteine zu einem Zellschredder schleust.

Das HSJ1 funktioniert wie ein Polizeiwagen mit zwei Sitzplätzen: Auf dem einen sitzt das Chaperon als Polizist, auf dem anderen das markierte Protein als Täter. Das Chaperon schirmt die klebrigen Stellen des Proteins ab, das HSJ1 transportiert die beiden zum zellulären Schredder. Damit ist gewährleistet, dass das defekte Zelleiweiß auf der Fahrt kein Unheil anrichten kann. "HSJ1 kommt fast ausschließlich in Nervenzellen vor, also dort, wo Ansammlungen aus falsch geformten Proteinen große Schäden anrichten können", erklärt Höhfeld. In Zellkulturen ist es den Forschern sogar gelungen, Huntingtin-Fasern durch Zugabe der Substanz aufzulösen. Der Wissenschaftler warnt allerdings vor verfrühten Hoffnungen auf eine medikamentöse Behandlung der Huntington-Erkrankung. "Ob sich aus unseren Ergebnissen jemals neue Therapien gegen Hirnkrankheiten ergeben, bleibt abzuwarten."

Wolfgang Weitlaner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de
http://www.ucl.ac.uk
http://www.current-biology.com

Weitere Berichte zu: HSJ1 Molekül Nervenzelle Protein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht 'Fix Me Another Marguerite!'
23.06.2017 | Universität Regensburg

nachricht Schimpansen belohnen Gefälligkeiten
23.06.2017 | Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften