Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit französischer High-Tech in die Tiefsee

16.08.2001


Erneut deutsch-französische Expedition in den Norden



Das französische Forschungsschiff "L’Atalante" startet am 18. August eine Forschungsreise, an der sich 26 Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI), des Max-Planck-Instituts für marine Mikrobiologie in Bremen, der US-amerikanischen Florida State University und des französischen Meereesforschungsinstituts Ifremer beteiligen. Ziele der Reise sind die Gewässer vor Spitzbergen und ein untermeerischer Schlammvulkan vor der Küste Norwegens. Das unbemannte Tauchfahrzeug "VICTOR 6000", mit dem AWI-Wissenschaftler bereits vor zwei Jahren auf der "Polarstern" erfolgreich in der Arktis gearbeitet haben, wird mit an Bord des 85 Meter langen Forschungsschiffes sein und den Forschern die Tiefsee erschließen. Das ferngesteuerte Fahrzeug (Remotely Operated Vehicle: ROV) kann bis zu 6000 Meter tief tauchen und ist mit modernsten Kameras und Probennahmegeräten ausgerüstet. Mit zwei Greifarmen können Wissenschaftler Messgeräte am Meeresboden gezielt absetzen und Proben nehmen.

... mehr zu:
»Expedition »Meeresboden »Methan »Tiefsee


Nach dem Auslaufen aus Foynes im Südwesten Irlands am 18. August wird die "L’Atalante" Kurs auf die Gewässer vor Spitzbergen nehmen. Dort haben AWI-Biologen 1999 mit dem ROV in 2500 Metern Wassertiefe einen Langzeitversuch in der Tiefsee begonnen, um herauszufinden, welche Faktoren für die unerwartet hohe Artenvielfalt am Boden der Tiefsee verantwortlich sind. Knapp zehn Jahre nach der Rio-Konferenz, auf der die Erforschung der Ursachen für den rasanten Artenverlust auf der Erde von allen teilnehmenden Nationen als dringliche Aufgabe für die Wissenschaft verabschiedet wurde, befassen sich die Tiefseeforscher in einem der größten zusammenhängenden Ökosysteme der Erde mit diesem Thema.

Anschließend wird "L’Atalante" mit südwestlichem Kurs zu einem untermeerischen Schlammvulkan, dem ’Håkon Mosby Mud Volcano’ (HMMV) vor der Küste Norwegens, fahren. Aus dieser, erst im Jahre 1989 in 1300 Metern Tiefe entdeckten fast kreisrunden Struktur mit einem Durchmesser von rd. zwei Kilometern tritt Methan aus. Der zentrale Krater hat etwa 500 Meter Durchmesser. Das Ungewöhnliche an dieser aktiven Austrittsstelle von Fluiden und Gasen ist seine Lage: Er liegt in arktischen Breiten und an einem passiven Kontinentalhang. Derartige Austrittszonen waren bisher nur von aktiven Kontinentalrändern bekannt. Im Umfeld des Kraters finden sich spezialisierte Organismen, die das Methan als Energielieferant nutzen. Bakterien beispielsweise wandeln das Methan unter Energiegewinn für ihren Stoffwechsel zu Kohlendioxid und Kalziumkarbonat um, andere Organismen wie Röhrenwürmer leben in Symbiose mit solchen Bakterien. Im Untersuchungsgebiet erwar-ten die Forscher regelrechte Matten von Bakterien am Meeresboden, die ein erster Anzeiger für die Austrittstellen des Methan sind. Durch Ergebnisse vorangegangener Expeditionen wissen die Wissenschaft-ler, dass die Fauna am Meeresboden des Schlammvulkans typische Merkmale dieser speziellen Lebensgemeinschaften zeigt.

Das ROV soll in beiden Untersuchungsgebieten jeweils über drei Tage ununterbrochen am Meeresboden arbeiten. Wissenschaftler, Techniker und die Piloten des Fahrzeugs wechseln sich dabei im Schichtbetrieb im Kontrollraum an Bord des Forschungsschiffes ab. Um Messinstrumente zum Meeresboden zu bringen, wird ein sogenanntes Shuttle eingesetzt - ein Behälter, der mit Gewichten beschwert zum Meeresboden sinkt. Über einen am Shuttle befindlichen akustischen Sender kann "VICTOR 6000" dessen Position unter Wasser orten, heranfahren und Geräte entnehmen. Anschliessend wird der leere Behälter vom ROV mit Proben beladen und zur Oberfläche geschickt, wo er von der Schiffsbesatzung geborgen und für einen erneuten Einsatz vorbereitet wird.

Einige der Fragen, an denen die Wissenschaftler während dieser Expedition arbeiten sind: Welche Bedeutung haben solche methangashaltigen Sedimente als Energiereservoir für die Menschheit, welchen Beitrag leisten sie als Quelle des klimawirksamen Treibhausgases Methan im weltweiten Klimasystem und wie sind die Anpassungen von spezialisierten Tiefseeorganismen an diesen Lebensraum zu verstehen.

Am 6. September wird die "L’Atalante" auf ihrem Rückweg nach Brest zu einem Zwischenstop in Bremerhaven einlaufen. Das kürzlich von den Direktoren des AWI und Ifremer unterzeichnete "Memorandum of Understanding", in dem die Kooperation der beiden Forschungsinstitute geregelt wird, bietet den Rahmen für einen Empfang an Bord der "L’Atalante" am 7. September. Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft Deutschlands und Frankreichs sind eingeladen, sich das einzige bis 6000 Meter Tiefe tauchende ROV Europas an Bord des Flaggschiffs der französischen Forschungsflotte vorstellen zu lassen. Erste Ergebnisse der Expedition und Videos aus der arktischen Tiefsee werden dabei ebenfalls vor-gestellt.

Hinweis an die Redaktionen:
Am 7. September wird um 12 Uhr eine Pressekonferenz an Bord der "L’Atalante" stattfinden. Bitte merken Sie diesen Termin vor. Wir werden keine gesonderte Einladung verschicken. Bitte melden Sie sich bis zum 5. September bei Frau Martin an (Sekretariat der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des AWI /Tel. 0471/ 4831- 1112, E-Mail: jmartin@awi-bremerhaven.de). Wir senden Ihnen dann den Liegeplatz und eine Anfahrtskizze.

Dipl.-Ing. Margarete Pauls | idw

Weitere Berichte zu: Expedition Meeresboden Methan Tiefsee

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Glykane als Biomarker für Krebs?
27.06.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Selbstfaltendes Origami
27.06.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der Krümmung einen Schritt voraus

27.06.2017 | Informationstechnologie

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Überschwemmungen genau in den Blick nehmen

27.06.2017 | Informationstechnologie