Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wundverschluss nach dem Vorbild der Grünalge

03.06.2005


Wer sich schon einmal geschnitten hat, weiß: Bis sich die Wunde geschlossen hat, können mehrere Minuten vergehen. Die tropische Grünalge Caulerpa taxifolia dagegen versiegelt eine Wunde in Sekundenschnelle mit einem gelatineartigen Verschluss. Ähnlich arbeitet ein bereits genutztes Operationshilfsmittel. Welche Entwicklungen in der Wundbehandlung zu erwarten sind, wie Schnecken die Vernetzung für die Vermehrung der Grünalge ausnutzen und warum die Alge für andere Wasserpflanzen zum Problem wird, das steht in der aktuellen Ausgabe der "Nachrichten aus der Chemie".


Die Grünalge Caulerpa taxifolia ist in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich: Zum einen besteht sie aus einer einzigen Zelle, die mehrere Meter lang werden kann; zum anderen ist die Alge in der Lage, eine Wunde in Sekundenschnelle zu verschließen.

Dazu befördert Caulerpa taxifolia einen Teil ihres Zellinhalts nach außen, wodurch sich ein erster, gelatineartiger Wundverschluss bildet. Um die Wunde dauerhaft zu versiegeln, stellt die tropische Alge dann ihren Stoffwechsel um. Auf diese Weise gelingt es ihr, ein einzigartiges Biopolymer aus Zuckerbausteinen und Proteinen herzustellen, das sich als dauerhaftes Pflaster über die Wunde legt.


Ihre Fähigkeit nutzt Caulerpa taxifolia auch zur Vermehrung: Teile der tropischen Alge verschließen ihre Wunden und wachsen zu einer neuen Alge heran. Das Prinzip macht die versehentlich ins Mittelmeer eingeschleppte Alge so erfolgreich, dass sie dort die einheimische Flora bereits auf einer Fläche von mehreren tausend Hektar verdrängt hat.

Es gibt allerdings einige Schnecken, die Caulerpales fressen können. Diese Schneckenarten vermehren ihre Futterquelle, indem sie die Caulaperla-Zelle zerteilen und abwarten. Sind die Fragmente gewachsen, werden sie gefressen: Schnecken als Gärtner, die immer neues Futter durch ihre Fraßaktivität generieren.

Derzeit versuchen Wissenschaftler, den genauen Vorgang aufzuklären, mit dem Caulerpa taxifolia ihr Biopflaster herstellt. Danach könnte es gelingen, die Vermehrung der Grünalge zu kontrollieren und ähnliche Biopolymere als Operationsverschluss im Labor herzustellen.

Welche Ergebnisse die Forscher bisher erzielten, berichtet Georg Pohnert vom Max-Planck-Institut für chemische Ökologie in der aktuellen Ausgabe der "Nachrichten aus der Chemie". Wer das Heft bestellen möchte, wendet sich per E-Mail an die Redaktion bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker: nachrichten@gdch.de.

Dr. Ernst Guggolz | idw
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de

Weitere Berichte zu: Alge Caulerpa Grünalge Schnecke Vermehrung Wunde Wundverschluss

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Licht zur Herstellung energiereicher Chemikalien nutzen
21.05.2018 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

nachricht Junger Embryo verspeist gefährliche Zelle
18.05.2018 | Rudolf-Virchow-Zentrum für Experimentelle Biomedizin der Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

Tagung »Anlagenbau und -betrieb der Zukunft«

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Wie Immunzellen Bakterien mit Säure töten

18.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics