Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Von Viren lernen

31.05.2005


Bei Infektion mit einem Virus setzt die Zelle gezielte Abwehrmechanismen ein, die sie im Lauf einer langen Evolution entwickelt hat. Sie kann z. B. Enzyme aktivieren, die die Vermehrung (Replikation) der Viren innerhalb der Zelle stören oder unterbinden. Doch auch Viren haben Verteidigungsstrategien gegen die Abwehrtruppen der Wirtszelle zur Verfügung. Aus dem genauen Studium der Interaktion zwischen Zelle und Virus ziehen Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums wichtige Erkenntnisse für die Entwicklung sicherer und funktionstüchtiger viraler Vektoren für die Anwendung in der Onkologie.

... mehr zu:
»Enzym »Infektion »Onkologie »Vektor »Virus »Wirtszelle »Zelle

"Viren sind nicht nur als krank machende Erreger, sondern auch als Therapeutika von besonderem Interesse für die Onkologie", sagt Professor Martin Löchelt aus der Abteilung Genomveränderungen und Karzinogenese im Deutschen Krebsforschungszentrum. Die Arbeitsgruppen von Löchelt und Dr. Carsten Münk vom Paul-Ehrlich-Institut in Langen sowie weitere Kollegen aus Leipzig und Paris haben am Modell eines Katzenvirus aus der Familie der Spumaretroviren untersucht, wie die Viren die Abwehr der Wirtszelle gezielt unterlaufen.

Die Katzenspumaviren bilden ein Protein namens Bet, das eine wichtige Waffe der Wirtszelle gegen retrovirale Einzelstrang-DNA, das Enzym APOBEC3, neutralisiert. Als Folge der Bet-Expression kann sich das Virus in der Zelle ungehindert replizieren und die Infektion nimmt ihren Lauf. Wird dagegen das Virusprotein Bet durch einen Kunstgriff inaktiviert, kann die Zelle das Virus wirksam an der Replikation hindern und so die Infektion abwehren. Mit analogen Strategien wie dem Bet-Protein setzen übrigens auch andere Viren wie z. B. HI-Viren die zelleigene Abwehr außer Gefecht. Die Interaktion zwischen Enzym und Virusprotein ist speziesspezifisch und erklärt unter anderem, warum Infektionen nicht ohne weiteres von einer Spezies auf die andere übertragen werden.


Diese Erkenntnisse eröffnen neue Angriffspunkte zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten, z. B. durch gezielte Aktivierung und Verstärkung der zelleigenen Abwehrenzyme. Darüber hinaus lassen sie sich ebenso zur Optimierung viraler Vektoren nutzen. Solche retroviralen Vektoren werden z. B. in der Onkologie als trojanische Pferde eingesetzt, um Krebszellen gezielt anzugreifen. Derselbe Mechanismus, mit dem das Virus sich der Zellabwehr entzieht, kann auch den zu therapeutischen Zwecken eingesetzten Virusvektor vor einer Zerstörung durch die Zielzelle, in diesem Fall eine Krebszelle, bewahren. Diesen Ansatz will Martin Löchelt mit seiner Arbeitsgruppe nun weiter verfolgen.

Quelle: Löchelt M, Romen F, Bastone P, Muckenfuss H, Kirchner N, Kim YB, Truyen U, Rösler U, Battenberg M, Saib A, Flory E, Cichutek K, Münk C.: The antiretroviral activity of APOBEC3 is inhibited by the foamy virus accessory Bet protein. Proc Natl Acad Sci U S A.; May 31, 2005, vol. 102, no. 4933: 7982-7987.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum hat die Aufgabe, die Mechanismen der Krebsentstehung systematisch zu untersuchen und Krebsrisikofaktoren zu erfassen. Die Ergebnisse dieser Grundlagenforschung sollen zu neuen Ansätzen in Vorbeugung, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen führen. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e.V.

Dr. Julia Rautenstrauch | idw
Weitere Informationen:
http://www.dkfz.de/de/f020/groups/loechelt/index.html
http://www.dkfz.de/pressemitteilungen
http://www.dkfz.de

Weitere Berichte zu: Enzym Infektion Onkologie Vektor Virus Wirtszelle Zelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt
22.05.2018 | Technische Universität München

nachricht Designerzellen: Künstliches Enzym kann Genschalter betätigen
22.05.2018 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

Wie verleiht man Zellen neue Eigenschaften ohne ihren Stoffwechsel zu behindern? Ein Team der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München veränderte Säugetierzellen so, dass sie künstliche Kompartimente bildeten, in denen räumlich abgesondert Reaktionen ablaufen konnten. Diese machten die Zellen tief im Gewebe sichtbar und mittels magnetischer Felder manipulierbar.

Prof. Gil Westmeyer, Professor für Molekulare Bildgebung an der TUM und Leiter einer Forschungsgruppe am Helmholtz Zentrum München, und sein Team haben dies...

Im Focus: LZH showcases laser material processing of tomorrow at the LASYS 2018

At the LASYS 2018, from June 5th to 7th, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) will be showcasing processes for the laser material processing of tomorrow in hall 4 at stand 4E75. With blown bomb shells the LZH will present first results of a research project on civil security.

At this year's LASYS, the LZH will exhibit light-based processes such as cutting, welding, ablation and structuring as well as additive manufacturing for...

Im Focus: Kosmische Ravioli und Spätzle

Die inneren Monde des Saturns sehen aus wie riesige Ravioli und Spätzle. Das enthüllten Bilder der Raumsonde Cassini. Nun konnten Forscher der Universität Bern erstmals zeigen, wie diese Monde entstanden sind. Die eigenartigen Formen sind eine natürliche Folge von Zusammenstössen zwischen kleinen Monden ähnlicher Grösse, wie Computersimulationen demonstrieren.

Als Martin Rubin, Astrophysiker an der Universität Bern, die Bilder der Saturnmonde Pan und Atlas im Internet sah, war er verblüfft. Die Nahaufnahmen der...

Im Focus: Self-illuminating pixels for a new display generation

There are videos on the internet that can make one marvel at technology. For example, a smartphone is casually bent around the arm or a thin-film display is rolled in all directions and with almost every diameter. From the user's point of view, this looks fantastic. From a professional point of view, however, the question arises: Is that already possible?

At Display Week 2018, scientists from the Fraunhofer Institute for Applied Polymer Research IAP will be demonstrating today’s technological possibilities and...

Im Focus: Raumschrott im Fokus

Das Astronomische Institut der Universität Bern (AIUB) hat sein Observatorium in Zimmerwald um zwei zusätzliche Kuppelbauten erweitert sowie eine Kuppel erneuert. Damit stehen nun sechs vollautomatisierte Teleskope zur Himmelsüberwachung zur Verfügung – insbesondere zur Detektion und Katalogisierung von Raumschrott. Unter dem Namen «Swiss Optical Ground Station and Geodynamics Observatory» erhält die Forschungsstation damit eine noch grössere internationale Bedeutung.

Am Nachmittag des 10. Februars 2009 stiess über Sibirien in einer Höhe von rund 800 Kilometern der aktive Telefoniesatellit Iridium 33 mit dem ausgedienten...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

22.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Mikroskopie der Zukunft

22.05.2018 | Medizintechnik

Designerzellen: Künstliches Enzym kann Genschalter betätigen

22.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics