Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Überraschende Entdeckung beim Spiel mit dem Feuer

23.05.2005


Neue Erkenntnisse über Verbrennungsvorgänge unter Beteiligung von Bielefelder Chemikerinnen



Es ist ein mächtiges Element, das den Menschen schon immer fasziniert hat. Wer allerdings glaubt, dass Wissenschaftler das Feuer längst vollständig begriffen haben, der irrt. Eine wichtige Entdeckung wurde jetzt gemacht. Eine internationale Wissenschaftlergruppe, darunter Prof. Dr. Katharina Kohse-Höinghaus und Dipl.-Chem. Tina Kasper von der Fakultät für Chemie der Universität Bielefeld, hat bei Verbrennungsvorgängen chemische Verbindungen gefunden, die hier bislang unentdeckt geblieben waren. Das veröffentlichten die Forscher in der Online-Ausgabe der international renommierten Zeitschrift "Science" am 12. Mai.

... mehr zu:
»Isomere »Massenspektrometer


Enol-Verbindungen entstehen als Zwischenstadium bei der Kohlenwasserstoff-Oxidation. Allerdings sind sie weniger stabil als ihre chemischen Zwillingsgeschwister, die Aldehyde, die gleiche Summenformeln und somit gleiche Massen, aber unterschiedliche Struktur besitzen. Daher entzogen sie sich bislang dem Nachweis in der Flammenanalyse. Entdeckt wurden sie mit einem Verfahren, das in der reagierenden Flammenzone nicht nur die Massen von chemischen Verbindungen erkennt, sondern auch die Zwillinge (so genannte Isomere) voneinander unterscheiden kann. Mit kurzwelligem, intensivem Licht werden dabei aus den chemischen Verbindungen geladene Teilchen (Ionen) erzeugt, die in einem Massenspektrometer analysiert werden. Zwei Isomere - zum Beispiel Acetaldehyd und Ethenol - unterscheiden sich dabei in der Energie, die für die Bildung der Ionen nötig ist. Die Entdeckung wurde möglich durch die Kopplung eines sehr genauen Massenspektrometers mit der Advanced Light Source am Lawrence Berkeley National Laboratory in Kalifornien, einer Lichtquelle durchstimmbarer Energie, die etwa 100.000 mal heller ist als die Sonne. Diese Anlage ist seit etwa einem Jahr in Betrieb und wurde bereits als das ’Hubble-Teleskop der Massenspektrometrie’ bezeichnet, erklärte ein Sprecher der Forschergruppe.

Obwohl die Enole seit langem bekannt sind, bedeutet ihre Entdeckung in Flammen eine Überraschung - in keinem der heute für das Design neuer, schadstoffarmer Motoren und Verbrennungsanlagen benutzten chemischen Modelle wird diese Verbindungsklasse berücksichtigt. Noch ist die Tragweite dieser Entdeckung für die Vorhersage von Verbrennungsprodukten und Schadstoffen nicht abzuschätzen; bisherige Verbrennungsmodelle müssen jedoch in jedem Fall überarbeitet und verfeinert werden.

Der vollständige Artikel "Enols Are Common Intermediates in Hydrocarbon Oxidation", an dem US-amerikanische, chinesische und deutsche Forscher beteiligt sind, erscheint demnächst als Printversion im Wissenschaftsmagazin "Science".

Kontakt:

Prof. Dr. Katharina Kohse-Höinghaus; Fakultät für Chemie/Physikalische Chemie I, Universität Bielefeld, Postfach 100131, 33501 Bielefeld, Tel.: 0521/106-2052, Fax: 0521/106-6027, E-Mail: kkh@pc1.uni-bielefeld.de

Dr. Hans-Martin Kruckis | idw
Weitere Informationen:
http://www.sciencemag.org/cgi/content/abstract/1112532

Weitere Berichte zu: Isomere Massenspektrometer

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Mit den Augen der Biene: Zoologe der Uni Graz entwickelt Verfahren zur Verbesserung dunkler Bilder
11.12.2017 | Karl-Franzens-Universität Graz

nachricht Molekulare Chaperone als Helfer gegen Chorea-Huntington identifiziert
11.12.2017 | Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Im Focus: Towards data storage at the single molecule level

The miniaturization of the current technology of storage media is hindered by fundamental limits of quantum mechanics. A new approach consists in using so-called spin-crossover molecules as the smallest possible storage unit. Similar to normal hard drives, these special molecules can save information via their magnetic state. A research team from Kiel University has now managed to successfully place a new class of spin-crossover molecules onto a surface and to improve the molecule’s storage capacity. The storage density of conventional hard drives could therefore theoretically be increased by more than one hundred fold. The study has been published in the scientific journal Nano Letters.

Over the past few years, the building blocks of storage media have gotten ever smaller. But further miniaturization of the current technology is hindered by...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einmal durchleuchtet – dreifacher Informationsgewinn

11.12.2017 | Physik Astronomie

Kaskadennutzung auch bei Holz positiv

11.12.2017 | Agrar- Forstwissenschaften

Meilenstein in der Kreissägetechnologie

11.12.2017 | Energie und Elektrotechnik