Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chemiker bringt neue Farbe in die Welt der Kunststoffe

12.05.2005


Ein großes Problem der Industrie offenbart sich tagtäglich in zahllosen Küchen. Wird ein Plastikbehälter mal schnell mit Wasser ausgeschwenkt, dann perlt die Flüssigkeit in Tropfen von seiner Oberfläche ab - Kunststoffe sind in der Regel nur schlecht benetzbar. Sollen sie bedruckt, beklebt oder lackiert werden, dann bereitet das gewisse Schwierigkeiten. Hartmut Fischer, Chemiker an der Uni Würzburg, hat hierfür eine neue Lösungsmöglichkeit entwickelt.



Dafür wurde Fischer beim laufenden Businessplan-Wettbewerb Nordbayern schon zwei Mal prämiert. Außerdem gehörte er zu den sieben Kandidaten, die es im Wettbewerb um den Hochschul-Gründer-Preis 2005 bis ins Finale schafften. Seine Innovation: "Polare Nanoschichten an Polymeroberflächen". Dahinter verbirgt sich ein Verfahren, das schlecht benetzbare Kunststoff-Oberflächen für wässrige Lösungen empfänglicher macht. Um das zu erreichen, werden in einer hauchdünnen Schicht, nämlich nur in den obersten zwei bis fünf Moleküllagen, gezielt einzelne Atome ausgetauscht. "So bleibt das Basismaterial intakt, seine erwünschten Eigenschaften gehen nicht verloren", sagt Fischer. Aber anschließend kann der Kunststoff problemlos mit Farben auf Wasserbasis und damit umweltfreundlich bedruckt oder auch anderweitig behandelt werden.

... mehr zu:
»Kunststoff »Tropfen


Beispiel: "Bei Kosmetikflakons gibt es zurzeit einen Trend weg vom Glas, hin zum Kunststoff", sagt Fischer. Die Gründe dafür sind leicht nachvollziehbar: Kunststoff zerbricht oder splittert nicht, ist viel leichter und dabei genau so ästhetisch wie Glas. Aber er lässt sich nicht mit Farben bedrucken, die auf Wasser basieren. Diese würden sich nicht gleichmäßig verteilen, sondern Tropfen bilden und so kein zufrieden stellendes Ergebnis liefern.

Hier kann das Verfahren des Würzburger Chemikers Abhilfe schaffen. Was seine Innovation von der Konkurrenz unterscheidet: Andere Techniken liefern laut Fischer meist nur kurzlebige Ergebnisse. Werden sie angewendet, müsse der Kunststoff möglichst bald nach der Oberflächenbehandlung beklebt oder bedruckt werden, um eine gute Haftung zu erzielen. Mit Fischers Methode dagegen bleibt die veränderte Oberfläche über mindestens sechs Wochen stabil, die Weiterbearbeitung muss nicht sofort folgen. "Das ist von Vorteil, wenn das Material am Standort A hergestellt, aber am Standort B bedruckt wird und erst dorthin transportiert werden muss."

Gesucht: Mitstreiter zur Weiterentwicklung der Technologie

Um seine Technologie in eine Unternehmensausgründung zu führen und patentrechtlich schützen zu lassen, will Fischer nun gemeinsam mit der Universität eine Förderung durch das Exist-Seed-Programm des Bundesforschungsministeriums beantragen. Dazu werden noch interessierte Wissenschaftler (Chemie/Physik) gesucht, die an der Weiterentwicklung der Technologie mitwirken wollen. Sie können sich an Hartmut Fischer wenden, T (0931) 888-5333, E-Mail: fischer@chemie.uni-wuerzburg.de

Die Entscheidung für einen zukünftigen Standort des geplanten Unternehmens ist noch nicht gefallen. Derzeit laufen Gespräche mit den Technologiezentren in Bayreuth, Obernburg und Würzburg. Auch eine Ansiedlung im Raum Marktheidenfeld ist nicht auszuschließen - von dort kommt Fischer (38) nämlich her; er stammt aus Hafenlohr im Landkreis Main-Spessart. Nach dem Abitur in Marktheidenfeld studierte er an der Uni Würzburg Chemie. Jetzt arbeitet er am Institut für Organische Chemie im Arbeitskreis von Professor Manfred Christl an einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten Projekt. Dabei geht es vor allem um die Synthese chiraler Moleküle.

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Berichte zu: Kunststoff Tropfen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Besser lernen dank Zink?
23.03.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Raben: "Junggesellen" leben in dynamischen sozialen Gruppen
23.03.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen