Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dickhäutern unter die Haut geschaut

10.05.2005


Phyletisches Museum der Universität Jena zeigt ab 14. Mai Ausstellung "Marina und andere Elephanten"



Die Bezeichnung "Dickhäuter" ist eigentlich nicht zutreffend, denn die Elefantenhaut ist keineswegs so dick und unempfindlich, wie wir allgemein glauben. "Sie ist im Gegenteil nur 2-4 cm stark, bis dicht unter die verhornte Schicht gut durchblutet und überall sehr tastempfindlich", erklärt Prof. Dr. Martin S. Fischer. Der Zoologe von der Universität Jena räumt auch mit der Redensart "vom Elefant im Porzellanladen" auf. Auch damit tue man den Säugergiganten unrecht, denn in unbekannter Umgebung sondierten sie vorsichtig mit ihrer Rüsselspitze das Terrain, bevor sie sich weiter voranwagten. Betrachtet man ihren durch die breite Auftrittsfläche gedämpften Tritt, die Zartheit des spielerisch tastenden Rüssels einerseits und ihre Körperkraft und Masse andererseits, so scheinen Elefanten Sanftmut und überirdische Stärke in sich zu vereinen. Trotz ihrer enormen Popularität gibt es noch viele Geheimnisse um sie. Grund genug für das Institut für Spezielle Zoologie der Friedrich-Schiller-Universität, das Prof. Fischer leitet, jetzt in einer neuen Ausstellung Einblicke unter die dicke Haut zu gewähren. Ab 14. Mai wird im Phyletischen Museum (Erbertstr. 1) die Ausstellung "Marina und andere Elephanten" gezeigt.

... mehr zu:
»Elefant »Loxodonta »Ohr »Rüssel


Um die Skelette der populären Elefantendamen "Marina", die bis 2003 im Erfurter Zoo lebte, und "Miss Baba" (bis 1857 Wanderzirkusattraktion) herum reihen sich Schaustücke, welche die Biologie und die besondere Rolle der Elefanten in Geschichte, Kultur und Kunst erfahrbar machen. So wurden für die Ausstellung u. a. Herz, Ohr, Auge, Kehlkopf sowie das Gehirn der 3,5 t wiegenden "Marina" konserviert und präpariert. Die Präparate vermitteln eine gute Vorstellung von der absoluten Größe dieser afrikanischen Elefantenkuh.

Neben ihrer Größe sind es jedoch die spezifischen anatomischen Besonderheiten, wie der lange Rüssel und die von feinsten Blutgefäßen durchzogenen großen Ohren, die Wissenschaftler faszinieren. "Die Ohren dienen den Elefanten zur Regulation ihrer Körpertemperatur, denn sie haben fast keine Schweißdrüsen", erklärt Prof. Fischer. "Der mächtige und sehr bewegliche Rüssel ist ein erstaunliches Multifunktionsorgan, das entwicklungsgeschichtlich aus der Verlängerung und Verwachsung von Nase und Oberlippe entstanden ist", so der Direktor des Phyletischen Museums weiter. Da er bei den heute noch lebenden Arten unterschiedlich gebaut ist, wird der Rüssel u. a. zur Unterscheidung von Afrikanischen und Asiatischen Elefanten herangezogen. Für die Tiere ist der Rüssel ein unersetzbares Organ, das der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme, der Körperpflege, der innerartlichen Kontaktpflege, aber auch als Waffe dient.

Die neue Ausstellung informiert jedoch nicht nur über die Unterschiede zwischen Afrikanischen und Asiatischen Elefanten, ihre Stammesgeschichte, die Herden- und Sozialstruktur, sondern will durch Schaukästen zu Elfenbeinkunst, Mythologie und Elefantenverehrung auch Denkanstöße geben. Denn Elefanten waren als größte Landsäugetiere Symboltiere von Herrschern und ihrer Macht. Seit Jahrhunderten wurden sie in Europa bestaunt als Botschafter exotischer Üppigkeit und als Relikt überbordender Phantasie der Schöpfung. In der indischen Kultur erfahren sie göttliche Verehrung und werden in asiatischen Ländern als Arbeitstiere gezähmt. Das heißbegehrte Elfenbein, aus dem die dauernd wachsenden Stoßzähne bestehen, wurde ihnen Ende des vorigen Jahrhunderts fast zum tödlichen Verhängnis.

Die letzten drei Arten, der Indische Elephant (Elephas maximus), der Afrikanische Savannenelefant (Loxodonta africana) und der Afrikanische Waldelefant (Loxodonta cyclotis) leben heute überwiegend in Naturreservaten, denn ihr natürlicher Lebensraum ist extrem geschrumpft. Dabei spielen Elefanten eine bedeutende ökologische Rolle. So graben sie in Trockenzeiten mit dem Rüssel nach Wasser und sichern so auch zahllosen anderen Tieren das Überleben. Von den täglich ca. 150 kg pflanzlicher Nahrung wird mehr als die Hälfte unverdaut ausgeschieden. Mit ihrem Dung, aus dem aufgrund des hohen Zelluloseanteils auch Papier geschöpft werden kann, verteilen die Elefanten die Samen vieler Pflanzen in der Landschaft und pflanzen so ihre eigene Nahrung und die vieler anderer Tiere.

Hinweis für die Medien:
Die Vertreter der Medien sind herzlich zur Ausstellungseröffnung am Freitag, den 13. Mai um 19.00 Uhr eingeladen. Die Ausstellung ist erst ab 14. Mai für die Öffentlichkeit zugänglich.

Kontakt:
Prof. Dr. Martin S. Fischer
Institut für Spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie mit Phyletischem Museum
Erbertstr. 1, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949140
E-Mail: fischer@pan.zoo.uni-jena.de

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de/

Weitere Berichte zu: Elefant Loxodonta Ohr Rüssel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse
21.08.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Wie Pflanzen ihr Gedächtnis vererben
21.08.2017 | Gregor Mendel Institut für Molekulare Pflanzenbiologie (GMI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Neptun regnet es Diamanten: Forscherteam enthüllt Innenleben kosmischer Eisgiganten

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse

21.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Institut für Lufttransportsysteme der TUHH nimmt neuen Cockpitsimulator in Betrieb

21.08.2017 | Verkehr Logistik