Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erstmals Genom einer sozialen Amöbe entziffert

04.05.2005


DFG-Initiative förderte Erfolgsprojekt von Forschern aus Köln und Jena

... mehr zu:
»Amöbe »Dictyostelium »Gen »Genom

In Rahmen der Initiative "Sequenzierung von Genomen kleiner Organismen" der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) haben Forscher des Instituts für Biochemie der Universität Köln und des Instituts für Molekulare Biotechnologie (IMB) in Jena gemeinsam mit Kollegen aus den USA und Großbritannien das Genom der sozialen Amöbe Dictyostelium discoideum entziffert. Die Forschungsergebnisse werden in der kommenden Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Nature" veröffentlicht. In mehrjähriger Arbeit analysierte das deutsche Team unter der Leitung von Angelika Noegel, Ludwig Eichinger, André Rosenthal und Gernot Glöckner als Teil einer internationalen Gruppe 60 Prozent der rund 34 Millionen Bausteine des Winzlings.

Zu ihrer Überraschung fanden die Forscher etwa 12 500 Gene - der Mensch hat nur etwa doppelt so viele. Damit könnte Dictyostelium nicht nur zur Klärung zahlreicher zellbiologischer und evolutionsgeschichtlicher Fragen herangezogen werden, sondern auch zur Charakterisierung derjenigen menschlichen Gene, deren Funktion noch unbekannt ist oder deren Veränderungen Krankheiten verursachen. Im Genom von Dictyostelium wurden Varianten von Eiweißbausteinen gefunden, die auch beim Menschen Krankheiten verursachen, und zwar häufiger als in allen anderen derzeit bekannten Genomen. Die Beantwortung der Frage, wie die soziale Amöbe diese Art von Eiweißen toleriert, könnte zu neuen Therapieansätzen führen.


Bei Nahrungsmangel bilden bis zu 100 000 einzellige Exemplare von Dictyostelium einen Verband, in dem sich einzelne Mitglieder "opfern", um das Fortbestehen der anderen zu sichern. Entwicklungsgeschichtlich betrachtet reicht die Linie der sozialen Amöbe zurück bis zur Zeit vor der Aufspaltung in Pilze und Tiere. Ihre Erforschung kann deshalb die Evolution komplexer Lebensformen beleuchten. Die nun gefundene große Zahl von Genen spiegelt offenbar die komplexen Anforderungen der Dictyostelium discoideum im Hinblick auf ihren Lebensraum und ihren Part innerhalb eines mehrzelligen Lebenszyklus wieder: Auffallend viele Gene sind für die Produktion und den Austausch von Substanzen verantwortlich, die der Ernährung, der Feindabwehr sowie der Kommunikation zwischen Dictyostelium-Zellen dienen könnten.

Das Präsidium der DFG hatte die genannte Initiative zur Genomsequenzierung 1997 ins Leben gerufen, um die noch stark unterentwickelte Genomforschung in Deutschland voranzutreiben. Zu den geförderten Projekten gehört seit 1998 auch der Vorstoß zur Entschlüsselung des Genoms von Dictyostelium. Die DFG förderte das Projekt mit insgesamt 4 Millionen Euro. Die Mitarbeiter in Houston, Paris und Hinxton (GB) wurden von den National Institutes of Health der USA, der Europäischen Union und dem britischen Medical Research Council unterstützt; für die positive Finanzierungsentscheidung dieser Organisationen war ebenfalls die Förderung durch die DFG ausschlaggebend.

Dr. Eva-Maria Streier | idw
Weitere Informationen:
http://www.imb-jena.de
http://www.dfg.de

Weitere Berichte zu: Amöbe Dictyostelium Gen Genom

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neurobiologie - Die Chemie der Erinnerung
21.11.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

nachricht Diabetes: Immunsystem kann Insulin regulieren
21.11.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wasserkühlung für die Erdkruste - Meerwasser dringt deutlich tiefer ein

21.11.2017 | Geowissenschaften

Eine Nano-Uhr mit präzisen Zeigern

21.11.2017 | Physik Astronomie

Zentraler Schalter

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie