Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues vom Liebesleben der Bronzemännchen

10.01.2001


Dass Schmuckmerkmale die Attraktivität potenzieller Partner steigern, wenn die Tiere darauf sexuell geprägt sind, haben Wissenschaftler aus der Arbeitsgruppe Verhaltensforschung (Prof. Dr. Eberhard Curio, Fakultät für Biologie der RUB) gezeigt. Doch diese "Erziehung" reicht noch weiter. In neuen Experimenten weist die Bochumer Arbeitsgruppe nach, dass die sexuelle Prägung auf Farben dominanter ist als die auf Formen.

Die erforschten Weibchen übertragen ihre gelernte Präferenz für ein rotes Schmuckmerkmal auf andere, ihnen unbekannte Merkmale von Männchen der gleichen Farbe. Die Ergebnisse wurden veröffentlicht in der Fachzeitschrift Behaviour (Nr. 137, S. 741-758).

Künstlicher Schmuck zieht an

Kaum ein Mensch verzichtet auf schmückendes Beiwerk, wenn er/sie sich auf Partnersuche begibt. Dass diese Form der Partnerwahl bei Menschen anerzogen ist, leuchtet ein. Dass aber solch eine Erziehung auch bei Vögeln, speziell bei Java-Bronzemännchen möglich ist, hatte


die Bochumer Arbeitsgruppe Verhaltensforschung herausgefunden: Weibchen, deren Eltern oder nur ein Elternteil geschmückt waren, bevorzugten bei der eigenen Partnerwahl geschmückte Männchen. Weibchen, die schon frühe Erfahrungen mit dem künstlichen Schmuck machen konnten, übertrugen diese Erfahrung auf die Vorliebe für potenzielle Partner.

Farbe statt Form

Anhand dieser Experimente stellte sich die Frage, ob die Vögel, eine Prachtfinkenart der eher schmucklosen Art, bestimmte Merkmale bevorzugen, die sie vorher "gelernt" haben: Form, Position und Farbe der Merkmale variierten die Wissenschaftler und untersuchten so die Reaktionen von Weibchen, die durch ihre Eltern auf eine rote Scheitelfeder sexuell geprägt waren. Das Ergebnis: Die Weibchen bevorzugten eindeutig Männchen mit roten Schwanzstreifen gegenüber solchen, die ungeschmückt waren. Diese Vorliebe war ähnlich stark wie ihre Präferenz für Männchen mit roter Scheitelfeder. Männchen mit blauer Scheitelfeder oder blauen Schwanzstreifen hingegen waren für diese Weibchen nicht attraktiver als die ungeschmückten Männchen. Die Weibchen, deren Eltern ungeschmückt waren, bevorzugten in keinem Fall eines der geschmückten Männchen gegenüber den ungeschmückten.

Und die Moral von der Geschicht’ ...

Die Töchter geschmückter Eltern haben ihre Vorliebe für ein rotes Merkmal auf ein anderes, neues rotes Merkmal übertragen, obwohl die Schwanzstreifen in Form und Position von der Scheitelfeder abweichen. Die blaue Scheitelfeder und die blauen Schwanzstreifen zeigten dagegen keine Wirkung - es scheint, dass die Farbe eines gelernten Merkmals wichtiger als die Form oder Position am Körper ist und somit bestimmte Vorlieben am deutlichsten prägt.

... unterschätze soziales Lernen nicht

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe Verhaltensforschung geben Aufschluss darüber, wie sich neue Merkmale entwickeln. Die sexuelle Vorliebe für ein Merkmal kann die Ausprägung eines anderen neuen Merkmals der gleichen Farbe erleichtern. Die Weibchen übertragen die gelernte Präferenz für rot auf andere rote, ihnen jedoch unbekannte Merkmale der Männchen. Für die Evolution neuer Schmuckmerkmale bedeutet das, dass in einer Population, in der die Männchen bereits ein rotes Merkmal tragen, weitere rote Merkmale mit höherer Wahrscheinlichkeit als andersfarbige entstehen können. Damit zeigen die Bochumer Wissenschaftler, dass sozial gelernte Präferenzen eine zentrale Bedeutung haben neben den genetisch bedingten für die Evolution auffälliger Schmuckmerkmale.

Weitere Informationen

Dr. Klaudia Witte, Lehrstuhl für Verhaltensforschung, Universität Bielefeld, Postfach 100131, 33501 Bielefeld, Tel.: 0521/106-2835, Fax: 0521/106-2998,  Klaudia.Witte@biologie.uni-bielefeld.de

Dr. Josef König |

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Multifunktionaler Mikroschwimmer transportiert Fracht und zerstört sich selbst
26.04.2018 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme

nachricht Der lange Irrweg der ADP Ribosylierung
26.04.2018 | Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Why we need erasable MRI scans

New technology could allow an MRI contrast agent to 'blink off,' helping doctors diagnose disease

Magnetic resonance imaging, or MRI, is a widely used medical tool for taking pictures of the insides of our body. One way to make MRI scans easier to read is...

Im Focus: Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

Das Kleben der Zellverbinder von Hocheffizienz-Solarzellen im industriellen Maßstab ist laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und dem Anlagenhersteller teamtechnik marktreif. Als Ergebnis des gemeinsamen Forschungsprojekts »KleVer« ist die Klebetechnologie inzwischen so weit ausgereift, dass sie als alternative Verschaltungstechnologie zum weit verbreiteten Weichlöten angewendet werden kann. Durch die im Vergleich zum Löten wesentlich niedrigeren Prozesstemperaturen können vor allem temperatursensitive Hocheffizienzzellen schonend und materialsparend verschaltet werden.

Dabei ist der Durchsatz in der industriellen Produktion nur geringfügig niedriger als beim Verlöten der Zellen. Die Zuverlässigkeit der Klebeverbindung wurde...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Konferenz »Encoding Cultures. Leben mit intelligenten Maschinen« | 27. & 28.04.2018 ZKM | Karlsruhe

26.04.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zur Marktentwicklung von Gigabitnetzen in Deutschland

26.04.2018 | Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Weltrekord an der Uni Paderborn: Optische Datenübertragung mit 128 Gigabits pro Sekunde

26.04.2018 | Informationstechnologie

Multifunktionaler Mikroschwimmer transportiert Fracht und zerstört sich selbst

26.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Berner Mars-Kamera liefert erste farbige Bilder vom Mars

26.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics