Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Natürliche Auslese bei Genen bevorzugt Immunität und Zelltod

04.05.2005


Veränderungen rascher als bei zufälligen Mutationen


Die bisher umfassendste Studie zur genetischen Divergenz von Menschen und Schimpansen hat ergeben, dass die von der natürlichen Auslese bevorzugten Gene mit der Immunität, der Tumorunterdrückung und dem programmierten Zelltod in Zusammenhang stehen. Diese Gene zeigen in beiden Bereichen der evolutionären Entwicklung Anzeichen einer positiven natürlichen Auslese und verändern sich rascher als durch zufällige Mutationen zu erwarten wäre. Das Team um Rasmus Nielsen von der Kobenhavens Universitet untersuchte die 13.731 Gene von Schimpansen, für die es beim Menschen Entsprechungen mit bekannten Funktionen gibt. 2003 hatte eine Studie ergeben, dass Gene, die mit dem Geruchssinn, dem Hören, der Verdauung, dem Wachstum von Röhrenknochen und der Behaarung in Verbindung stehen bei Menschen und Schimpansen ebenfalls einer positiven natürlichen Auslese unterliegen. Die aktuelle Studie ergab laut New Scientist, das die stärksten Hinweise auf eine Auslese bei dem Abwehren von Krankheiten und der Apoptose bestehen, die ihrerseits mit der Spermaproduktion in Zusammenhang steht. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Public Library of Science Biology veröffentlicht.

Der Bioinformatiker Nielsen geht davon aus, das Immun- und Abwehrgene an einem Wettrennen der evolutionären Zweige im Kampf gegen Pathogene beteiligt sind. "Viren und andere Pathogene entwickeln sich sehr schnell und das menschliche Immunsystem wird durch das Auftauchen neuer Bedrohungen permanent herausgefordert. Das Ausmaß der Selektion, das dem Menschen durch Krankheiten wie die Beulenpest oder HIV auferlegt wird, ist enorm. Es ist daher kein Wunder, dass die an der Abwehr dieser Krankheiten beteiligten Gene sich ebenfalls rasch weiterentwickeln." Die Entdeckung, dass mit der Apoptose zusammenhängende Gene starke Anzeichen einer natürlichen Selektion aufweisen, könnte teilweise mit dem evolutionären Antrieb von Spermazellen zur Konkurrenz zusammenhängen. Zellen, die Gene in sich tragen, die einen Zelltod verhindern haben eine größere Chance erwachsene Spermazellen zu produzieren. Daher geht Nielsen davon aus, dass diese Gene sich im Laufe der Zeit in der Bevölkerung weiter verbreiten werden. Da auch Primaten die Apoptose für die Elimination von kanzerösen Zellen einsetzen, könnte eine positive Selektion in diesem Fall für Erwachsene Tiere nicht von Vorteil sein. "Die eigennützigen Mutationen, die eine Verhinderung der Apoptose verursachen, könnten dann auch die Fähigkeit eines Organismus gegen eine Krebserkrankung zu kämpfen verringern."

Michaela Monschein | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.ku.dk
http://biology.plosjournals.org/perlserv/?request=index-html&issn=1545-7885

Weitere Berichte zu: Apoptose Auslese Gen Immunität Mutation Schimpanse Zelltod

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Designerviren stacheln Immunabwehr gegen Krebszellen an
26.05.2017 | Universität Basel

nachricht Wachstumsmechanismus der Pilze entschlüsselt
26.05.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften