Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zellen im Kampf gegen AIDS

28.04.2005


Neu entdecktes zelluläres Protein hemmt wichtigen Schritt im Steuerungsmechanismus der HIV-Vermehrung

... mehr zu:
»Astrozyten »HIV »Protein »RISP »Virus

Einige menschliche Zellen setzen sich gegen das HI-Virus erfolgreicher zur Wehr als andere: Besipielsweise hemmen bestimmte Gehirnzellen - die Astrozyten - die Synthese von HIV Bausteinen, aus denen infektiöse Viruspartikel gebildet werden. GSF-Wissenschaftler um Dr. Ruth Brack-Werner identifizierten nun ein Protein, das bei diesem zellulären Abwehrmechanismus eine Rolle spielen könnte. Wie die Forscher in der neuesten Ausgabe des Online-Journals Biomed Central Cell Biology berichten, kann das zelluläre Protein RISP (Rev Interacting Shuttle Protein) das für die Steuerung der HIV-Vermehrung zuständige HIV-Protein Rev in seiner Funktion behindern. Diese Entdeckung eröffnet die Chance auf ganz neue Therapiewege gegen AIDS: Statt wie bisher bei der Bekämpfung des HIV direkt am Virus anzusetzen, könnten auch zelleigene Mechanismen genutzt werden, um das Virus in Schach zu halten.

HIV kann verschiedene Zelltypen im Blut und im Gehirn infizieren. Eine davon ist die Gruppe der Astrozyten, die im Gehirn die am die häufigsten vorkommenden Zellen darstellen.. In HIV-infizierten Astrozyten ist die Virus-Vermehrung sehr stark eingeschränkt. Ein Grund hierfür konnte in einer verminderten Aktivität des HIV Rev Proteins gefunden werden, das eine Schlüsselrolle für die Synthese von HIV-Strukturproteine spielt. "Das Beispiel der Astrozyten spricht dafür, dass es Rev-hemmende menschliche Faktoren gibt," erläutert Frau Brack-Werner die mit ihren Mitarbeitern vom GSF-Institut für Molekulare Virologie zelluläre Mechanismen der HIV-Kontrolle untersucht. Tatsächlich gelang es den Wissenschaftlern, mit dem Protein RISP (Rev interacting shuttle Protein) einen neuen zellulären Faktor zu identifizieren, der die Aktivität von Rev in der Zelle hemmen kann.


Rev vermittelt den Transport von HIV Nukleinsäuren (mRNAs) aus dem Zellkern in das Zytoplasma, die dort für die Bildung von Viruspartikeln benötigt werden. Zu diesem Zweck bindet Rev an einen Kern-Exportrezeptor, mit dem auch RISP sehr stark interagiert. "Obwohl der Hemm-Mechanismus bisher noch nicht im Detail aufgeklärt ist, lässt diese Interaktion vermuten, dass RISP Rev daran hindert, den Transport der HIV-mRNAs zwischen Kern und Plasma einzuleiten. "Mit einem von uns neu entwickelten HIV Indikatorsystem konnten wir nachweisen, dass die Aktivität von Rev sinkt, wenn viel RISP in der Zelle gebildet wird", erzählt Brack-Werner. Falls sich der RISP-Gehalt HIV-infizierter Zellen steuern lässt, könnte die Nutzung der zellulären Hemm-Mechanismen ein ganz neuer Ansatz sein, um die HIV-Vermehrung nach einer Infektion unter Kontrolle zu halten. Dies wäre eine interessante Alternative zu bisherigen AIDS-Therapien, denn "das Konzept, dass die Zelle selbst eine aktive Rolle bei der Bekämpfung des Virus spielen kann, ist ein grundsätzlich anderer Ansatzpunkt als bei herkömmlichen HIV-Therapien, die immer am Virus ansetzen", betont Brack-Werner.

Michael van den Heuvel | idw
Weitere Informationen:
http://www0.gsf.de/neu

Weitere Berichte zu: Astrozyten HIV Protein RISP Virus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sollbruchstellen im Rückgrat - Bioabbaubare Polymere durch chemische Gasphasenabscheidung
02.12.2016 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht "Fingerabdruck" diffuser Protonen entschlüsselt
02.12.2016 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie