Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Test soll Klärschlamm vor Chemikalien schützen

14.04.2005


Neues Verfahren des FU-Wissenschaftlers wird jetzt EU-weit erprobt


Mit diesem kleinen Mund von nur einen Durchmesser von fünf Millionstel Meter frisst eine Protozoe Bakterien und reinigt damit effektiv die Schlämme in Kläranlagen. Allerdings nur, wenn die Protozoen nicht von Chemikalien im Abwasser angegriffen werden, was heute noch nicht getestet werden kann. In den Belebtschlämmen kommen die Protozoen in vielen Größen vor. Sie können bis zu acht Mal größer sein als das abgebildete so genannte Tetrahymena. © Christian Bardele, Universität Tübingen



In seltenen Fällen muss auch der Feind eines Freundes geschützt werden. So verhält es sich mit den Protozoen, die sich im Klärschlamm tummeln und dort die Bakterien fressen, die die eigentliche Abwasserreinigung besorgen. Dr. Wilfried Pauli, Biologe an der Freien Universität Berlin, hat dazu einen Test entwickelt, mit dem die Schädlichkeit von neuen Produkten auf die Protozoen gemessen werden kann, und zwar bevor es zu spät ist, so wie es die EU fordert. Doch bevor das neue Verfahren eingeführt werden kann, muss bewiesen sein, dass es vom Nordkap bis nach Sizilien die gleichen Ergebnisse bringt. Deshalb beginnt im Mai ein so genannter Ringtest.

... mehr zu:
»Bakterium »Klärschlamm »Protozoen


Die Protozoen sind sozusagen die Fresser der Fresser. Wenn sie die Bakterien nach getaner Reinigungsarbeit nicht entsorgen, arbeitet ein Klärschlamm nicht mehr richtig. "Das geschieht immer wieder, dann wird das Abwasser nicht mehr gereinigt und verschmutzt die Umwelt", sagt Wilfried Pauli. Das ist nicht nur ökologisch bedenklich, sondern auch ein finanzielles Problem für die Kläranlagen. Sie müssen Strafen zahlen, wenn sie mehr organisches Material in die Flüsse leiten als erlaubt ist. Trotz des Risikos und damit auch handfesten Interesses der Wasserbetriebe existiert bisher kein Test, mit dem neue Chemikalien darauf geprüft werden können, ob sie die Protozoen angreifen. "Das Problem ist", so Wilfried Pauli, "dass wir die Funktion einerseits im sehr komplexen natürlichen Lebensraum testen müssen, andererseits aber einfach erfassbare Indikatoren brauchen."

Deshalb benutzt der Test den so genannten Belebtschlamm, der in Kläranlagen anfällt, in ganz Europa verfügbar ist, und solch einen funktionierenden Bakterien-Protozoen Lebensraum darstellt. Dazu gibt Wilfried Pauli die Chemikalie, deren Schädlichkeit untersucht werden soll. Der Clou ist nun, dass der Wissenschaftler die Bakterien nicht etwa mit organischem Material füttert, um die Nahrungskette über die Bakterien zu den Protozoen in Gang zu setzen. Denn dann würde zum Beispiel die Vermehrung der Bakterien das Ergebnis verfälschen. Stattdessen gibt er neue inaktivierte Bakterien dazu. Sie trüben das Wasser, bis sie von den Protozoen abgebaut werden. Das geschieht allerdings nur, wenn die Protozoen nicht durch die Chemikalien angegriffen worden sind. Die Wassertrübung ist damit ein Indikator für die Schädlichkeit der Chemikalien auf diese Mikroorganismen.

Damit ein Test europaweit offiziell eingeführt werden kann, muss er für die Chemikalien-Kontrolleure überall nachvollziehbar sein, nach genau festgelegten Richtlinien ablaufen und unabhängig von Klima oder Laboraustattung zum gleichen Ergebnis führen. "Ich muss zeigen, dass, was ich entwickelt habe, überall klappt", sagt Wilfried Pauli. "Jetzt legen wir das Vorgehen fest und ab Mai beginnt dann der Ringtest in mehreren europäischen Ländern." Er soll Mitte 2006 abgeschlossen sein.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:

Dr. Wilfried Pauli, Institut für Biologie der Freien Universität Berlin, Mobil: 0160 / 96 77 54 35, Tel.: 030 / 838-54319, E-Mail: wpauli@zedat.fu-berlin.de

Ilka Seer | idw
Weitere Informationen:
http://www.fu-berlin.de

Weitere Berichte zu: Bakterium Klärschlamm Protozoen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Bakterieller Untermieter macht Blattnahrung für Käfer verdaulich
17.11.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

nachricht Neues Werkzeug für gezielten Proteinabbau
17.11.2017 | Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte