Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schwefel-Düngung macht sich bezahlt: für Landwirt und Umwelt

06.04.2005


Schwefel (S) und Stickstoff (N) sind Hauptbestandteile von pflanzlichem Eiweiß. Landwirte düngen Stickstoff, um Ertrag und Gehalt an Protein u.a. in Getreide, Raps und Grünland zu erhöhen. Allerdings werden im Mittel des Landes nur etwa 50-60 % des auf Acker- und Grünland ausgebrachten Stickstoffs von den Pflanzen aufgenommen und Ernteprodukte umgewandelt. Der Rest geht überwiegend an Atmosphäre und Gewässer verloren und beeinträchtigt durch Nitratanreicherungen die Qualität von Trinkwasser oder trägt durch klimarelevante Spurengase (Ammoniak, Stickoxide) zur Erwärmung der Erdatmosphäre bei.


Übersehen wird dabei oft, dass nur bei ausreichender Versorgung mit Schwefel Dünger-Stickstoff von den Pflanzen in Eiweiß umgewandelt werden kann. Als Folge effizienter Maßnahmen zur Reinhaltung der Luft kommen heute jedoch jährlich weniger als 10 kg/ha S (früher waren es z.T. mehr als 100 kg/ha S!) über die Atmosphäre auf den Boden. Für die meisten landwirtschaftlichen Pflanzen ist diese Menge zu gering, so dass Schwefel-Mangel mittlerweile die häufigste Ernährungsstörung an Kulturpflanzen ist. Forscher/innen des Institutes für Pflanzenernährung und Bodenkunde der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) haben erstmals eine Abschätzung der ökonomischen und ökologischen Relevanz von Schwefel-Mangel und Schwefel-Düngung vorgenommen: Für das 80 ha große Rapsfeld im hinteren linken Teil des Fotos bedeutet der nicht behandelte Schwefelmangel einen ökonomischen Verlust von 28200 Euro und eine zusätzliche Belastung der Umwelt mit 4,2 Tonnen N.

Dabei hätte in diesem Beispiel mit einem Aufwand von lediglich 2000 Euro für Dünger-Schwefel dieses Desaster wirkungsvoll vermieden werden können. Basierend auf Informationen der "MMK" (Mittelmaßstäbige Standortkartierung) Klima- und Anbaudaten schätzen die FAL-Forscher/innen für die Region Brandenburg und Mecklenburg Vorpommern den durch Schwefel-Mangel bei Getreide und Raps entstehenden Schaden potentiell (potentiell meint ein Szenario ohne Schwefel-Düngung) auf jährlich etwa 162 Millionen Euro und die potentiellen Stickstoff-Verluste durch Schwefel-Mangel in Getreide, Raps und Grünland auf jährlich 26 Millionen kg N. Hochgerechnet auf das Gebiet der Bundesrepublik entspräche das 1,2 Milliarden Euro an Verlusten bei Getreide und Raps. Die geschätzten Stickstoff-Verluste belaufen sich auf insgesamt mindestens 300 Millionen kg N, was etwa einem Zehntel des Verbrauchs der Landwirtschaft an Dünger-Stickstoff entspricht. Die tatsächlichen Verluste setzen die FAL-Forscher/innen mit etwa 50 % der potentiellen Verluste an. Genauere Angaben wären hier erst möglich, wenn der Verbrauch der Landwirtschaft an Schwefel in die amtlichen Statistiken aufgenommen würde.


Bemerkenswert ist, dass der Aufwand, den die Landwirtschaft zur Vermeidung dieser Verluste leisten muss, nur sehr gering ist: basierend auf 25 Jahren Versuchserfahrung empfehlen die FAL-Forscher/innen zur jetzt anstehenden Düngung, je nachdem ob leichter oder schwerer Schwefel-Mangel zu erwarten ist, zu Getreide Düngermengen von 25-50 kg/ha S und zu Raps und Grünland 50-100 kg/ha S.

Margit Fink | idw
Weitere Informationen:
http://www.fal.de/

Weitere Berichte zu: Getreide Raps Schwefel-Düngung Schwefel-Mangel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut
20.10.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Aus der Moosfabrik
20.10.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise