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High-Chem für heiße Küsse

05.04.2005


Millionen Frauen schmolzen dahin, zerdrückten ihre Taschentücher und träumten sich an die Stelle von Scarlett O’Hara. Die Kussszene von Vivien Leigh mit Clark Gable ist unvergessen, das Melodram “Vom Winde verweht” schrieb Filmgeschichte. Welchen Lippenstift die kühle Diva 1939 beim Techtelmechtel mit Draufgänger Rhett Butler benutzte, ist nicht überliefert. Aber seitdem hat sich das Lippenrot zu einem wahren High-Chem-Produkt entwickelt, an dem die Degussa AG (Düsseldorf) mit ihrer Spezialchemie wesentlichen Anteil hat. Sie liefert in diesem Feld eine ganze Reihe von Substanzen in höchster Reinheit und Qualität.

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Heute tragen die “sündigen” Stifte Namen wie Méphisto und Magnétic, Fatal Orange oder Mystic Brown. Es gibt sie in unterschiedlichsten Farben und Formen, Preisen und Verpackungen: Lippenstifte sind aus den Schmink- und Handtaschen in aller Welt nicht mehr wegzudenken.

Die Mode bestimmt die Couleur der Saison im Dreimonatstakt – und am Ende wird nach wie vor zumeist eine Variante in Rot gekauft. Davon gibt es allerdings mehr, als Mann sich vorstellen kann. Die Handelskette Douglas z.B. führt 4.000 Lippenstifte im Sortiment, inklusive Lipgloss und Lippenpflege sind es sogar rund 10.000 Artikel. Der Umsatz mit den Accessoires der gepflegten Frau erreichte nach Angaben des Industrieverbandes Körperpflege und Waschmittel (IKW, Frankfurt a.M.) in Deutschland 2004 ein Volumen von 1,26 Milliarden Euro. Ein Verkaufsschlager dabei bleiben Lippenstifte, allein Douglas hat im vergangenen Jahr etwa 2,6 Millionen Stück verkauft. Dabei handelt es sich um Produkte, in denen eine Vielzahl von chemischen Stoffen und ihre sorgfältige Komposition für die gewünschten Eigenschaften sorgen.


Grundsätzlich bestehen Lippenstifte aus Ölen, Wachsen und Pigmenten, die die Farbe ins Spiel bringen. Organische Hartwachse wie Carnauba machen etwa 50 Prozent, Pigmente zusätzlich 20 Prozent der Rezeptur aus. “Salopp formuliert ließe sich sagen: Und den Rest liefert Degussa”, erklärt Dr. Klaus Jenni, Leiter Technik Personal Care des Geschäftsbereichs Care Specialties (Essen) der Degussa. Dieser Bereich gibt für die “Schönheitsforschung” etwa 4 Prozent seines Umsatzes in Höhe von rund 550 Millionen Euro für die Forschung aus. Zur Produktpalette zählen u.a. Organosilicone, also Verbindungen von Kohlenwasserstoffen mit Siliconölen. Sie dienen als Glanzgeber und zur Verteilung der Pigmente. Vor allem aber fungieren sie als Weichmacher, denn das Carnauba wäre ohne Zusätze nicht “streichfähig”, schon gar nicht auf den empfindlichen Lippen.

In der heißen Jahreszeit kann es aber auch zum gegenteiligen Effekt kommen, der Lippenstift wird zu weich. Das verhindert zuverlässig die Kieselsäure Aerosil, ein äußerst vielseitiger Rohstoff für Kosmetik- und Körperpflegeprodukte der Degussa. Zugleich sorgt das sehr feinteilige Produkt für eine gute und gleichmäßige Verteilung der Farbpigmente.

Ein unsichtbares Netz von Kieselsäure sorgt für die Balance der Pigmente

Warum Aerosil so wichtig ist, zeigt die Herstellung von Lippenstiften: Die Hauptbestandteile, also Öle, Wachse und Pigmente, werden aufgeschmolzen und noch in heißem Zustand in die typische Form gegossen, in der die Masse abkühlt. Die verwendeten Farbgeber neigen dabei dazu, sich wieder zusammenzulagern. Ein unsichtbares “Netz” von Aerosil-Partikeln in der Schmelze erhöht ihre Zähigkeit (Viskosität), verhindert das Absetzen und führt so zu einer gleichmäßigen Verteilung. Der Herstellungsprozess für Aerosil wurde bereits vor über 60 Jahren entwickelt. “Seitdem haben wir eine kontinuierliche Verbesserung der Eigenschaften und damit auch der Anwendungsmöglichkeiten erreicht”, erklärt Ann Gray von der Anwendungstechnik Aerosil. Das Degussa Produkt ist mit einem Siliciumdioxid-Gehalt von über 99,8 Gewichtsprozenten ein ganz besonderer “Sand” und zählt zu den reinsten Kieselsäuren, die kommerziell verfügbar sind. Als ausschließlich mineralische Substanz erfüllen sie die Forderung der Verbraucher nach zuverlässigen und gesundheitlich unbedenklichen Rohstoffen in besonderem Maße.

Lippenstifte enthalten neben Pigmenten eine Vielzahl von Zusatzstoffen, darunter Vitamine, Farb- und Duftstoffe. Um eine Bindung dieser Ingredienzen mit den Ölen und Fetten zu gewährleisten, wird der Kunststoff Vestosint BC (steht für Beauty & Care) eingesetzt. Dieses Polyamid 12-Pulver stellt der Degussa Geschäftsbereich High Performance Polymers in einem einzigartigen Prozess her: “Es handelt sich um ein aufwändiges Verfahren, bei dem das Pulver zunächst ausgefällt und danach intensiv aufgearbeitet wird”, so erläutert Dr. Joachim Mügge, Leiter des entsprechenden Produktionbetriebes. Nur so entsteht die Oberfläche der Pulver mit vielen kleinen Poren, die die Wirkstoffe aufnehmen und nach dem Auftrag gleichmäßig in die Haut abgeben. Sie verhindern auch, dass Fette und Öle ausschwitzen. Durch die feinteilige Struktur vermitteln die Pulver ein gutes Hautgefühl, gleichen Unebenheiten aus und lassen so die Lippen glatter erscheinen. Zudem tragen sie zur Festigkeit der Stifte bei.

Ein Ärgernis sind Spuren von Lippenstiften, die dort haften, wo sie nicht hingehören: an Hemdkragen, Tassen oder Gläsern. Auch hier hilft der Zusatz von Aerosil und Siliconen. So sorgen die organischen Öle für den “kussechten” Lippenstift, weil sie wasserabweisend (hydrophob) eingestellt sind.

Immer beliebter wird Lip Gloss – für diesen Glanzeffekt werden der Lippenstift-Mixtur spezielle Wachse hinzugefügt, die Degussa unter dem Markennamen Abil vertreibt. Positive Nebenwirkung: Die Leuchtkraft wird gleich mit erhöht, da die Wachse eine gleichmäßigere und feinere Verteilung der Pigmente bewirken. Im Lip Gloss, das über dem Lippenstift oder auch allein benutzt werden kann, lässt sich der Glanz durch das Polymer Polyisobuten erzielen. Es zählt ebenfalls zur Degussa Produktpalette und ist bis zu 70 Prozent im Gloss enthalten.

Rolf Froböse | Degussa AG
Weitere Informationen:
http://www.degussa.com

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