Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biologische Teilchen in der Atmosphäre vermutlich wichtiger als bisher gedacht

01.04.2005


Veröffentlichung im Wissenschaftsjournal "Science": Teilchen der Biosphäre sind genauso bedeutend wie Partikel aus Wüsten und Weltmeeren.



Kleine Teilchen aus der Biosphäre der Erde, die in die Atmosphäre hochgetragen werden, beeinflussen das Klima vermutlich weit stärker als bisher gedacht. Bisher wurde angenommen, dass vor allem Partikel aus den großen Wüstengebieten der Erde, und Salzteilchen aus den Meeren und anthropogene Stäube in die Atmosphäre eingetragen werden und dort den Treibhauseffekt verstärken oder abschwächen können. "Tatsächlich aber sind kleine biologische Teilchen beispielsweise von Tierhaaren, von Pflanzenabrieb, zerbröselte Blätter im Herbst, Hautschuppen, Pollen, Viren oder Bakterien für das Geschehen in der Atmosphäre ebenso wichtig", erklärt Univ.-Prof. Dr. Ruprecht Jaenicke von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Das Wissenschaftsjournal "Science" hat die Forschungsergebnisse zum Vorkommen von Zellmaterial und Proteinen in der Atmosphäre in seiner jüngsten Ausgabe veröffentlicht.



Atmosphärische Staubteilchen, die zusammen mit der Luft das atmosphärische Aerosole genanntbilden, spielen eine entscheidende Rolle bei der Steuerung des globalen Klimas und können den Treibhauseffekt entweder verstärken oder abmildern. In allen Abschätzungen zum Klima wird das Wissen um diese Teilchen, im Gegensatz zu den klassischen Klimagasen, als besonders gering eingestuft. Die Forschung hat ihr Augenmerk bisher vor allem auf mineralische Teilchen aus den Wüsten, vor allem der Sahara, und Salzteilchen aus den Ozeanen, Biomassenverbrennung und etwa Ruß und Sulphat gerichtet. Schätzungen zufolge gelangen jährlich 2.000 Teragramm Mineralstaub und 3.300 Teragramm Seesalz in die Luft (ein Teragramm entspricht einer Megatonne oder einer Million Tonnen). Dagegen wurde die Menge biologischen Ursprungs mit jährlich 56 Teragramm, laut einer Schätzung, als vernachlässigenswert gering betrachtet. Tatsächlich ist aber, so Prof. Jaenicke, das Wissen um die Bio-Aerosole noch sehr begrenzt. Die Teilchen - sie haben eine Größe von einigen millionstel Millimetern bis zu einem Millimeter - könnten von großer meteorologischer und klimatologischer Bedeutung sein. Pollenkörnchen ziehen Wasser schon bei einer Luftfeuchtigkeit unter 100 Prozent an und könnten so frühzeitigörtlich als Keim zur Wolkentropfenbildung fungierenwirken. Andere biologische Materialien, wie Zerfallsprodukte der Vegetation mit den dazugehörenden Mikroorganismen und marines Plankton, sind exzellente Kristallisationspunkte für atmosphärisches Eis. Dieses lösten wiederum Regen aus und entziehten damit der Atmosphäre Wasser. "Man kann sich gut vorstellen, welche Auswirkungen das auf die weltweite Wolkenbedeckung, den Treibhauseffekt und seine Folgen sowie auf die Verteilung der Niederschläge hat, wenn die Quelle und die Verteilung von zellulären Aerosol-Teilchen auf einer regionalen bis globalen Ebene variiert", heißt es in der Science-Veröffentlichung.

Nach Einschätzung von Prof. Jaenicke, vomLeiter des Instituts für Physik der Atmosphäre der Universität Mainz macht der biologische Anteil am Gesamtaerosol durchschnittlich etwa 25 Prozent aus - überall mindestens 10 Prozent und in Sibirien gelegentlich bis zu 80 Prozent. Außerdem zeigen Datenerhebungen, dass die PBAPs (primary biological aerosol particles) keine kaum jahreszeitlichen Schwankungen aufweisen - entgegen der verbreiteten Annahme, dass die Konzentrationen im Frühjahr und Sommer höher sein müssten als im Winter.

Kontakt und Informationen:
Univ.-Prof. Dr. rer. nat. Ruprecht Jaenicke, Institut für Physik der Atmosphäre
Tel. 06131 39-22283 und 39-23396, Fax 06131 39-23532
E-Mail: jaenicke@uni-mainz.de

Petra Giegerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-mainz.de/FB/Physik/IPA/
http://zope.verwaltung.uni-mainz.de/presse/bilder/atmosphaere

Weitere Berichte zu: Salzteilchen Teilchen Teragramm Treibhauseffekt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise