Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vom Molekül zur Medizin

29.03.2005


Neues Fachgebiet Radiopharmazie an der TU München - eine weitere Brücke zwischen Naturwissenschaft und Medizin



Mit der Berufung von Prof. Hans-Jürgen Wester auf das neu eingerichtete Extraordinariat für Radiopharmazie der Technischen Universität (TU) München stärkt die TU die enge Verknüpfung zwischen experimenteller Chemie und medizinischer Anwendung.



Für die moderne molekulare Bildgebung wird die enge Zusammenarbeit zwischen Naturwissenschaftlern und Medizinern immer wichtiger. Nun ist es der Technischen Universität gelungen, genau diese Verbindung in der Nuklearmedizin zu realisieren. Im Dezember 2004 berief die TU den Chemiker Hans-Jürgen Wester auf das Extraordinariat für Radiopharmazie. Der Experte für Radiochemie und Radiopharmazie verfolgt seine Forschung sowohl am Institut für Radiochemie am Campus Garching als auch in der Nuklearmedizinischen Klinik und Poliklinik im Klinikum rechts der Isar. Damit ist eine weitere interdisziplinäre Verbindung zwischen den Naturwissenschaften und der Medizin hergestellt.

Spurensuche im Gewebe

Um krankhafte Prozesse im Körper im Tomographen sichtbar zu machen, müssen Wissenschaftler Moleküle entwickeln, die sich am Krankheitsherd anreichern und dort Strahlen aussenden. So ist es möglich, Ort und Ausmaß der Erkrankung zu bestimmen. Diese Kenntnisse helfen dem Arzt die geeignete, individuell auf jeden einzelnen Patienten abgestimmte Therapie auszuwählen und den Therapieerfolg zu kontrollieren. Für die Entwicklung dieser molekularen Pfadfinder, sogenannte Tracer oder Radiopharmaka, müssen die Moleküldesigner nicht nur die Chemie verstehen, sondern auch die klinische Situation sehr gut kennen.

Doch wie entwickelt man ein Radiopharmakon? Bislang kreierten die Forscher hauptsächlich Moleküle, die sich in bereits bekannten und häufig vorkommenden biochemischen Prozessen im Körper anreichern. Da diese Prozesse in krankhaft veränderten Zellen wie beispielsweise Krebszellen besonders aktiv sind, ist ein Rückschluss auf Ort und Ausmaß der Erkrankung möglich. Allerdings sind die Ergebnisse sehr unspezifisch. Daher sind die Wissenschaftler nun dazu übergegangen nach Prozessen oder einzelnen Proteinen zu fahnden, die fast nur im Tumor und nur selten im umliegenden Gewebe vorkommen.

Krebszellen sichtbar machen

Haben die Wissenschaftler ein solches spezifisches Protein aufgespürt, entwickeln sie im Labor das dafür passende Radiopharmakon. Dieses wird anschließend mit einer gesundheitlich verträglichen radioaktiven Markierung versehen und in den Körper, beispielsweise eines Tumorpatienten, injiziert. Dort lagert sich das Radiopharmakon hochselektiv an die Proteine an. Mit geeigneten Tomographen, wie PET (Positronenemissionstomographie) oder SPECT (Einzelphotonenemissionstomographie), können die Nuklearmediziner anschließend die Verteilung der Radiopharmaka messen: Der Tumor und seine Metastasen werden sichtbar. Solche "Aktivitätslandkarten" können dem Strahlentherapeuten oder Chirurgen wichtige Hinweise für die optimale Therapie liefern.

Klinik und Forschung gehen Hand in Hand

Diese schnelle und präzise Entwicklung eines Radiopharmakons ist jedoch nur möglich, wenn Ärzte und Wissenschaftler Hand in Hand arbeiten. Durch die hervorragende Infrastruktur der TU München und die enge Zusammenarbeit mit den Klinikern im Rechts der Isar hofft Prof. Wester "eine Brücke schlagen zu können zwischen chemischer Grundlagenforschung und medizinischer Anwendung". Prof. Wester studierte zunächst Chemie an der Universität Köln und arbeitete anschließend im Kernforschungszentrum Jülich. 1995 wechselte er an die Nuklearmedizinische Klinik der TU, wo er sich mit der Entwicklung neuer Radiopharmaka befasste. Zusammen mit seinen Kollegen von der TU München konnte er bereits eine Reihe von Radiopharmaka entwickeln, die heute in der klinischen Routine eingesetzt werden.

Wenn Sie mehr über die Arbeit von Prof. Wester oder über die neuen Methoden in der Radiopharmazie erfahren möchten, steht Ihnen Prof. Wester gerne für ein Interview zur Verfügung.

Dr. Fabienne Hübener | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.tu-muenchen.de

Weitere Berichte zu: Molekül Radiopharmaka Radiopharmakon Radiopharmazie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Auf der molekularen Streckbank
24.02.2017 | Technische Universität München

nachricht Sicherungskopie im Zentralhirn: Wie Fruchtfliegen ein Ortsgedächtnis bilden
24.02.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Event News

Booth and panel discussion – The Lindau Nobel Laureate Meetings at the AAAS 2017 Annual Meeting

13.02.2017 | Event News

Complex Loading versus Hidden Reserves

10.02.2017 | Event News

International Conference on Crystal Growth in Freiburg

09.02.2017 | Event News

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie