Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erlangen als Standort für eine neue bundesdeutsche Synchrotron-Strahlungsquelle

26.07.2001


An der Universität Erlangen-Nürnberg hat sich eine Initiative gebildet, die sich für die Errichtung einer Synchrotron-Strahlungsquelle in Erlangen einsetzt. Nun hat sich Rektor Prof. Dr. Gotthard Jasper in einem Schreiben an Wissenschaftsminister Hans Zehetmair gewandt und um Unterstützung für dieses ehrgeizige Projekt gebeten, das vor allem für die biomedizinische Forschung einen Quantensprung bedeuten würde. In Deutschland existieren Synchrotron-Strahlenquellen in Hamburg (DESY) und Berlin (BESSY).

Bundesweit laufen Bestrebungen, angesichts der zunehmenden Bedeutung und Nutzung von Synchrotronstrahlung eine zusätzliche Quelle der dritten Generation in Deutschland zu bauen, die sich von den bestehenden Quellen durch eine gesteigerte Elektronenenergie bei gleichzeitig sehr guter Strahlqualität abhebt und damit für den sogenannten härteren Röntgenbereich ausgelegt ist. Die Elektronenenergie wird bei einem Ringumfang von etwa 400 Metern zwischen 3,0 bis 4,0 GeV liegen. In Europa gibt es ähnliche Anlagen in Italien, Schweden oder in der Schweiz. In Frankreich und England werden zur Zeit Neubauten von leistungsfähigen Synchrotronstrahlungsquellen vorbereitet. Auf diese neuartigen Synchrotronstrahlungsquellen wartet bereits eine breite Nutzergemeinde. Besonders im biowissenschaftlichen Bereich erhofft man sich vom Bau der Anlagen außerordentlich viel.

Auf Bundesebene bereitet das Komitee für Forschung mit Synchrotronstrahlung eine Stellungnahme zur Errichtung einer solchen neuen Synchrotron-Strahlungsquelle vor. Dieses Komitee, in dem Betreiber und Nutzer von Synchrotronquellen repräsentiert sind, wird in den nächsten Monaten eine entsprechende Empfehlung an den Wissenschaftsrat abgeben. Durch die Initiative des Erlanger Physikers Prof. Dr. Andreas Magerl, Inhaber des Lehrstuhls für Kristallographie und Strukturphysik, ist Erlangen als Standort ins Gespräch gekommen.

Die Universität Erlangen-Nürnberg geht davon aus, dass ein möglicher Synchrotronspeicherring nicht als Einrichtung der Universität errichtet werden sollte. Die hohen Investitionskosten - es wird derzeit von 400 Millionen Mark ausgegangen - und die beträchtlichen Betriebskosten würden den Universitätshaushalt sprengen. "Wir streben darum an," so Prof. Jasper, "dass im Erlanger Raum eine im wesentlichen vom Bund zu finanzierende außeruniversitäre Anlage gebaut wird, die in enger Kooperation mit der Universität und ihren Mitarbeiter betrieben und benutzt wird."

Gerade die örtlich enge Anbindung an die Universität würde eine Besonderheit des Erlanger Standortes sein, da sowohl in Hamburg als auch in Berlin die dort installierten Großforschungseinrichtungen relativ weit entfernt vom Betrieb der Universitäten existieren.
Beste Standortvoraussetzungen in Erlangen
Der Speicherring könnte, so die derzeitigen Überlegungen der mittelfränkischen Hochschule, auf einem der Universität zur Verfügung stehenden Grundstück nördlich der Staudtstrasse in Erlangen entstehen. Durch die unmittelbare Nachbarschaft zum Physikalischen Institut wäre die räumliche und infrastrukturelle Anbindung für Naturwissenschaftler, Techniker und Mediziner der Universität optimal; vor allem ließe sich der Einsatz im Lehrbetrieb für die Studierenden einmalig günstig gestalten.

Eine Synchrotronanlage am Standort Erlangen bietet nach Ansicht von Rektor Jasper einzigartige Vorteile zur Profilbildung: "Wir haben in Erlangen durch die starken Materialwissenschaften und unsere Biowissenschaften in der Naturwissenschaft und Medizin ein erhebliches Nutzerpotential, das von der Synchrotronquelle profitieren könnte und das Profil der Universität in diesem Bereich weiter schärfen würde. Zudem erscheint es sinnvoll, eine neue große außeruniversitäre Forschungsanlage in dem mit solchen Forschungseinrichtungen bislang wenig bedachten nordbayerischen Raum anzusiedeln."

Neben den Erlanger Wissenschaftlern und ihren Kollegen an den Universitäten in München, Würzburg, Bayreuth und Regensburg haben bereits universitäre Arbeitsgruppen aus anderen Bundesländern ihr Interesse an einer Nutzung signalisiert. Sie alle unterstützen den Versuch, das Synchrotron nach Erlangen zu holen. Erlangen hat zudem den Vorteil, dass innerhalb der Physik und in der Physikalischen Chemie bereits umfangreiche Erfahrungen mit Synchrotronstrahlungsquellen vorliegen.

Inzwischen haben sich an der Universität unter Leitung von Prof. Max Schulz, Prorektor für Forschung, verschiedene Arbeitsgruppen für die unterschiedlichen Aspekte dieses ergeizigen Projektes gebildet. Zur Konzipierung der Synchrotron-Strahlungsquelle wird sich die Universität auch den Sachverstand von auswärtigen Projektgruppen, hier insbesondere vom Budker-Institut aus Novosibirsk, einholen, die für die Detailplanung einer Synchrotronstrahlungsquelle entscheidende Vorarbeiten liefern kann.

"Nach unseren derzeitgen Planungen könnte", so Prof. Jasper, "die Projektierung Ende 2004 abgeschlossen sein. Zwischen 2005 und 2007 könnte gebaut werden und Anfang 2008 das erste Licht strahlen. Allerdings bin ich mir bewußt, dass nun alles davon abhängt, ob der Bund bereit ist, mit einem erheblichen Investitionsvolumen in das Projekt einzusteigen. Hier hoffen wir auf die engagierte Unterstützung durch Wissenschaftsminister Zehetmair, Innenminister Beckstein sowie alle mittelfränkischen Landtags-und Bundestagsabgeordneten."

Weitere Informationen:
Rektor Prof. Dr. Gotthard Jasper
Schloßplatz 4, 91054 Erlangen
Tel.: 09131/85 -26605, Fax: 09131/85 -22188

Heidi Kurth | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-erlangen.de/docs/FAUWWW/Aktuelles/2001/Nachrichten_2001/Synchrotron.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Adenoviren binden gezielt an Strukturen auf Tumorzellen
23.04.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

nachricht Software mit Grips
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Hirnforschung, Frankfurt am Main

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Im Focus: Metalle verbinden ohne Schweißen

Kieler Prototyp für neue Verbindungstechnik wird auf Hannover Messe präsentiert

Schweißen ist noch immer die Standardtechnik, um Metalle miteinander zu verbinden. Doch das aufwändige Verfahren unter hohen Temperaturen ist nicht überall...

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Event News

Invitation to the upcoming "Current Topics in Bioinformatics: Big Data in Genomics and Medicine"

13.04.2018 | Event News

Unique scope of UV LED technologies and applications presented in Berlin: ICULTA-2018

12.04.2018 | Event News

IWOLIA: A conference bringing together German Industrie 4.0 and French Industrie du Futur

09.04.2018 | Event News

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Moleküle brillant beleuchtet

23.04.2018 | Physik Astronomie

Sauber und effizient - Fraunhofer ISE präsentiert Wasserstofftechnologien auf Hannover Messe

23.04.2018 | HANNOVER MESSE

Fraunhofer IMWS entwickelt biobasierte Faser-Kunststoff-Verbunde für Leichtbau-Anwendungen

23.04.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics