Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wirbeltier-Morphologen zum Weltkongress in Jena

20.07.2001


Rund 700 Wissenschaftler aus 53 Ländern reisen morgen (21.07.) zum 6. Internationalen Kongress für Wirbeltier-Morphologie in Jena an. Die Tagung, die bis zum kommenden Donnerstag (26.07.) dauert, ist die bislang größte in ihrer Fachdisziplin und findet erst zum zweiten Mal in Deutschland statt. "Morphologie" heißt einfach "Formenlehre", und meint hier den Wissenschaftszweig, der Aufbau und Entwicklung von Mensch und Tier vergleichend untersucht.

Der Begriff wurde übrigens von Johann Wolfgang Goethe in Jena geprägt; die Forscher kehren also quasi 200 Jahre später an den Ursprung ihrer Wissenschaft zurück. Auch der Jenaer Evolutionsbiologe Ernst Haeckel (1834-1919) steht in der historischen Tradition des Standorts Jena.

Das Teilnehmerfeld ist prominent und das Spektrum der Vorträge überaus weit gefasst: Wie haben sich Dinosaurier auf Veränderungen ihrer Umweltbedingungen eingestellt? fragen etwa Paläontologen. Welche genetischen Mechanismen sorgen für die Ausbildung von Armen und Beinen, Flügeln oder Flossen? erforschen Molekularbiologen und Genetiker. Einige der Fragestellungen gehen letztlich sogar das Wirbeltier namens "Mensch" ganz unmittelbar an: etwa, wie Muskeln und Skelett zusammenspielen. Einseitige Belastungen führen eine regelrechte Umformung im Bewegung- und Stützapparat herbei.

Privatdozent Dr. Matthias Starck vom Institut für Spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie der Universität Jena erwartet eine ganze Reihe spannender neuer Erkenntnisse, nicht nur aus der Dinosaurier-Forschung. "Aus dem Vergleich von verschiedenen Entwicklungsstadien bei Tieren lernen wir letztlich, wie die Evolution in der Natur funktioniert", so Starck. "Damit hat sich schon Ernst Haeckel beschäftigt, aber heute sind wir - auch dank der modernen Genetik - ein großes Stück weiter." So gibt es überraschenderweise nur ein einziges, das so genannte pax-6-Gen, das bei allen Wirbeltier-Embryonen die Ausbildung von - am Ende sehr unterschiedlichen - Augen steuert. Selbst bei Insekten findet sich dieses Gen, obwohl diese nicht zu den Wirbeltieren zählen.

Die Morphologen beschäftigen sich mit der zwei Gramm leichten Zwergspitzmaus ebenso wie mit dem ehedem 80 Tonnen schweren Dinosaurier, dem daumennagelgroßen Guppy wie dem hochhausgroßen Blauwal. Dennoch geben ihnen selbst so vertraute Organismen wie die Schneegans immer noch Rätsel auf: Wie schafft es dieser Marathon-Zugvogel bei zehn Kilometern Flughöhe über dem Himalaya in dünner Luft, seinen Leistungsstoffwechsel aufrecht zu erhalten? - "Vögel haben keine Lungenbläschen wie etwa wir Menschen, sondern ein röhrenstrukturiertes Gasaustauschgewebe in den Lungen", erklärt Starck. Damit gelangt beim Ein- und beim Ausatmen Sauerstoff in den Organismus.

Andere Tiere, andere Lebensräume, angepasste Strategien: Manche Fische atmen durch den Darm, viele Frösche über die Haut. Wie sie sich im Laufe der Jahrmillionen perfekt auf die Lebensbedingungen in ihrer Umwelt eingestellt haben, beschäftigt die Ökomorphologen.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Martin S. Fischer und PD Dr. Matthias Starck

... mehr zu:
»Organismus »Wirbeltier

Institut für Spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie der Universität Jena
Tel.: 03641/949140 und 949155, Tagungsbüro: 941876 und 941871


Friedrich-Schiller-Universität


Dr. Wolfgang Hirsch
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Fürstengraben 1
D-07743 Jena
Telefon: 03641 · 931030
Telefax: 03641 · 931032
E-Mail: roe@uni-jena.de

Dr. Wolfgang Hirsch | idw
Weitere Informationen:
http://icvm-6.zoo.uni-jena.de/

Weitere Berichte zu: Organismus Wirbeltier

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Schneller Energietransport zwischen ungleichen Partnern
29.09.2016 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Das Ribosom als Kontrolleur
29.09.2016 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: First-Ever 3D Printed Excavator Project Advances Large-Scale Additive Manufacturing R&D

Heavy construction machinery is the focus of Oak Ridge National Laboratory’s latest advance in additive manufacturing research. With industry partners and university students, ORNL researchers are designing and producing the world’s first 3D printed excavator, a prototype that will leverage large-scale AM technologies and explore the feasibility of printing with metal alloys.

Increasing the size and speed of metal-based 3D printing techniques, using low-cost alloys like steel and aluminum, could create new industrial applications...

Im Focus: Zielsichere Roboter im Mikromaßstab

Dank einer halbseitigen Beschichtung mit Kohlenstoff lassen sich Mikroschwimmer durch Licht antreiben und steuern

Manche Bakterien zieht es zum Licht, andere in die Dunkelheit. Den einen ermöglicht dieses phototaktische Verhalten, die Sonnenenergie möglichst effizient für...

Im Focus: Experimentalphysik - Protonenstrahlung nach explosiver Vorarbeit

LMU-Physiker haben mit Nanopartikeln und Laserlicht Protonenstrahlung produziert. Sie könnte künftig neue Wege in der Strahlungsmedizin eröffnen und bei der Tumorbekämpfung helfen.

Stark gebündeltes Licht entwickelt eine enorme Kraft. Ein Team um Professor Jörg Schreiber vom Lehrstuhl für Experimentalphysik - Medizinische Physik der LMU...

Im Focus: Der perfekte Sonnensturm

Ein geomagnetischer Sturm hat sich als Glücksfall für die Wissenschaft erwiesen. Jahrzehnte rätselte die Forschung, wie hoch energetische Partikel, die auf die Magnetosphäre der Erde treffen, wieder verschwinden. Jetzt hat Yuri Shprits vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ und der Universität Potsdam mit einem internationalen Team eine Erklärung gefunden: Entscheidend für den Verlust an Teilchen ist, wie schnell die Partikel sind. Shprits: „Das hilft uns auch, Prozesse auf der Sonne, auf anderen Planeten und sogar in fernen Galaxien zu verstehen.“ Er fügt hinzu: „Die Studie wird uns überdies helfen, das ‚Weltraumwetter‘ besser vorherzusagen und damit wertvolle Satelliten zu schützen.“

Ein geomagnetischer Sturm am 17. Januar 2013 hat sich als Glücksfall für die Wissenschaft erwiesen. Der Sonnensturm ermöglichte einzigartige Beobachtungen, die...

Im Focus: New welding process joins dissimilar sheets better

Friction stir welding is a still-young and thus often unfamiliar pressure welding process for joining flat components and semi-finished components made of light metals.
Scientists at the University of Stuttgart have now developed two new process variants that will considerably expand the areas of application for friction stir welding.
Technologie-Lizenz-Büro (TLB) GmbH supports the University of Stuttgart in patenting and marketing its innovations.

Friction stir welding is a still-young and thus often unfamiliar pressure welding process for joining flat components and semi-finished components made of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart Glasses Experience Day

30.09.2016 | Veranstaltungen

Einzug von Industrie 4.0 und Digitalisierung im Südwesten - Innovationstag der SmartFactoryKL

30.09.2016 | Veranstaltungen

"Physics of Cancer" - Forscher diskutieren über biomechanische Eigenschaften von Krebszellen

30.09.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Smart Glasses Experience Day

30.09.2016 | Veranstaltungsnachrichten

Materialkompetenz für den Leichtbau: Fraunhofer IMWS präsentiert neue Lösungen auf der K-Messe

30.09.2016 | Messenachrichten

Vom Rollstuhl auf das Liegerad – Mit Funktioneller Elektrostimulation zum Cybathlon

30.09.2016 | Energie und Elektrotechnik