Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mikro(ben)zensus im Meer

03.03.2005


Das Meer beherbergt eine schwer vorstellbare Zahl an "unsichtbaren" Mikroorganismen. Schätzungen gehen von 10 hoch 29 bis 10 hoch 30 Zellen aus. Mit ihren außergewöhnlicher Fähigkeiten beeinflussen sie die Biosphäre und auf die globalen Stoffkreisläufe entscheidend. Um zunächst einen Überblick über Artenreichtum und Populationsgrößen der Meeresbewohner zu bekommen, schlossen sich Forscher im internationalen Projekt "International Census of Marine Microbial Life" (ICoMM) zusammen. Jetzt trafen sich im Bremer Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie Experten aus den USA, Spanien, Dänemark, den Niederlanden und Deutschland, um sich auf die Entwicklung und den Einsatz der dazu notwendigen Techniken zu einigen.


Mit farbig markierten Gensonden lassen sich Mikroorganismen unterscheiden. Max-Planck-Institut Bremen



Das große Problem bei einem solchen "Mikrobenzensus" ist, dass man bisher erst einen kleinen Teil der Meeresmikroorganismen kennt, da sie sich durch gängige Vermehrungsmethoden nur schwer identifizieren lassen. Hier hilft den Meeresbiologen heute, wie auch in der Gerichtsmedizin, der genetische Fingerabdruck weiter. Ein weiteres Problem ist die geringe Größe der Mikroorganismen. Sie sind nicht einfach zu zählen und nur mit besonderen Färbemethoden lassen sie sich unter dem Mikroskop unterscheiden. Gerade dieses Problem ist am Bremer Max-Planck-Institut gut aufgehoben. In den letzten Jahren entwickelten die Bremer Forscher mit der Fluoreszenz-in situ Hybridisierung eine schnelle Technik, mit der es möglich ist, einzelne Arten auch ohne Vorwissen schnell und exakt zu quantifizieren. Dabei machen sie sich die Unterschiede in den Gensequenzen der Mikroorganismen zunutze.

... mehr zu:
»Mikroorganismus


Die Vielfalt der Organismen und Habitate, die das offenen Meer genauso wie Küstenregionen, den Wasserkörper ebenso wie die den Meeresboden, die Oberfläche und die Tiefsee mit ihren heißen Quellen umfasst, erfordert für ein Projekt dieser Größe eine internationale Zusammenarbeit. Um diese erste große Volkszählung der Mikroben so effektiv wie möglich zu gestalten, müssen die erhobenen Daten vergleichbar sein. Bei ihrem Treffen in Bremen diskutierten die Forscher daher vor allem, welche Rahmendaten mit den Zählungen erhoben werden sollen, was dafür an Meßmethoden zur Verfügung steht und welche Methoden aktuell die besten Ergebnisse versprechen. Interessant dabei ist, dass die Technik der Genomsequenzierung inzwischen auch im Meer angekommen ist. Der Leiter der Gruppe, Prof. Dr. Rudolf Amann vom Bremer Max-Planck-Institut, ist optimistisch. "Diese erste große Zählung der marinen Mikroorganismen ist eine echte Herausforderung. Dazu brauchen wir viele Experten aus den verschiedensten Gebieten. Gerade heute ist aber durch die große internationale Aufmerksamkeit, die gerade auch die jüngste "Let’s sequence the ocean"-Aktivitäten von Craig Venter der Meeresbiologie gebracht haben, die Zeit reif für die Umsetzung eines solchen Großprojekts. Wir erwarten uns vom Mikobenzensus im Meer entscheidende Daten für ein besseres Verständnis des Systems Erde."

Finanzielle Unterstützung für die erste Phase der internationalen Vernetzung kommt aus den USA. Die private Sloan-Foundation unterstützt die Bildung von Forschungsallianzen noch bis 2006.

Dr. Manfred Schloesser | idw
Weitere Informationen:
http://www.mpi-bremen.de

Weitere Berichte zu: Mikroorganismus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Kontinentalrand mit Leckage
27.03.2017 | MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen

nachricht Neuen molekularen Botenstoff bei Lebererkrankungen entdeckt
27.03.2017 | Universitätsmedizin Mannheim

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE