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Tödliche Hungerkur für den Blauwal

18.07.2001


WWF warnt: Klimawandel setzt Giganten der Meere auf Zwangsdiät

Die Hauptnahrungsquelle für den Antarktischen Blauwal, der Krill, ist in seiner Existenz stark bedroht. Der Kleinkrebs ernährt sich von Algen, die aus dem Polareis stammen, das jetzt bedingt durch den Klimawandel schmilzt. Durch die geringere Anzahl der Algen gehen die Krillbestände rapide zurück mit fatalen Konsequenzen: Das störungsempfindliche antarktische Ökosystem kann ernsthaft aus dem Gleichgewicht kommen und das könnte zum Aussterben der Antarktischen Bauwale führen, warnt der WWF.

"Der Blauwal in der Antarktis verhungert vor unseren Augen. Allen Bemühungen der Walfänger zum Trotz hat er bis heute überlebt. Jetzt wird ihm der Klimawandel zum Verhängnis," sagt WWF Artenschutzreferent Volker Homes. "Das größte Problem weltweit, die globale Erwärmung, könnte das Aussterben für das weltweit größte Tier in der Antarktis bedeuten." Der WWF fordert deshalb die Regierungen auf, zum Schutz der Wale zu handeln: Auf dem Klimagipfel in Bonn sollen drastische Schritte zur Verhinderung des Klimawandels unternommen werden, und die Internationale Walfang Kommission IWC in London soll nächste Woche Maßnahmen zum Schutz der Blauwale beschließen.

Das Polareis bietet einen Lebensraum für Phytoplankton, das im Sommer durch das schmelzende Eis freigesetzt wird und die Nahrungsgrundlage für den Krill ist. Eine Reihe wissenschaftlich fundierter Studien hat gezeigt, dass durch den Anstieg der Temperaturen in den vergangenen Jahrzehnten das Polareis schnell zurückgeht und dadurch die Nahrung für den Krill knapper wird. Doch nicht nur der Klimawandel macht den Krill-Populationen zu schaffen, einige Länder wollen den kommerziellen Krillfang verstärken und vor allem als Futter in Fischfarmen nutzen. Diese Aktivitäten könnten der letzte Nagel auf dem Sarg des Blauwals sein, dem größten Tier das je gelebt hat.

Die Blauwalpopulation in der Antarktis wurde im vergangenen Jahrhundert durch den kommerziellen Walfang drastisch reduziert: von 250.000 vor hundert Jahren auf wahrscheinlich weniger als 1.000 Tiere heute. 1965 wurden die Blauwale deshalb offiziell unter Schutz gestellt, dennoch hat die Population seitdem keine Zeichen der Bestandserholung gezeigt. Jeder auch sehr geringe Einfluss auf die verbleibende Population könnte ihr Aussterben im Südpolarmeer bedeuten.

Knapp eine Woche bevor die Internationalen Walfang Kommission in London tagt, fordert der WWF die IWC dazu auf, Mittel für langfristige Populationsstudien zum Blauwal bereitzustellen und Forschung im Hinblick auf die Wechselwirkungen zwischen Blauwal, Krill und dem Klimawandel zu betreiben.

Volker Homes | ots

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