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Pilzinfektionen: Bedrohung für immungeschwächte Menschen

25.02.2005


Der Krankheitserreger Candida albicans in seiner Hyphenform Foto: HKI Jena


Die Gefahr, die von krankheitserregenden Pilzen ausgeht, war Thema des Kolloqiums "Kolonisation und Infektion durch human-pathogene Pilze", das heute am Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie (HKI) zu Ende geht. Das Kolloquium war eine Veranstaltung des gleichnamigen Schwerpunktprogrammes der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), dessen Koordinator der designierte Direktor des HKI, Prof. Dr. Axel Brakhage, ist.

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Etwa 50 Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz diskutierten die Ergebnisse ihrer Untersuchungen zu Virulenz und Genetik der Erreger. Im Mittelpunkt des Interesses stehen dabei die wichtigsten human-pathogenen Pilze Candida albicans und Aspergillus fumigatus. Der einzellige Pilz Candida albicans kann Schleimhautoberflächen infizieren, etwa in Mund und Speiseröhre oder in der Vagina, wovon vor allem Schwangere betroffen sind. Bei Menschen, deren Immunabwehr stark beeinträchtigt ist, etwa in Folge einer Chemotherapie, einer Organtransplantation oder einer HIV-Infektion können Candida-Keime jedoch auch in das Blut und die Gefäße gelangen und damit für den Patienten hochgefährlich werden. Von diesen lebensbedrohlichen invasiven Candida-Infektionen, wie sie der Fachmann nennt, sind in Deutschland jedes Jahr etwa 40.000 Menschen betroffen. Bei den Krankenhausinfektionen steht der Hefepilz inzwischen auf Platz 4 der Liste der gefährlichsten Erreger.

Die Bekämpfung von Candida ist dadurch erschwert, dass es sich dabei um einen besonders flexiblen Mikroorganismus handelt, der ständig seine Gestalt ändert. Er wechselt dabei von einer kleinen, kugeligen Zellform, dem Hefe-Typ, zu langen, mehrzelligen Fäden, der Hyphenform. Gerade diese Hyphenform ist besonders gefährlich, da sie häufig an den invasiven Gefäßinfektionen beteiligt ist.


Prof. Peter Zipfel, Leiter der Abteilung Infektionsbiologie am HKI, beschäftigt sich seit Jahren mit den krankmachenden Eigenschaften von Candida. Er berichtete im Rahmen des Kolloqiums davon, wie der Erreger sich vor dem menschlichen Immunsystem "versteckt". Dazu bindet er sowohl in der Kugel- als auch in der Hyphenform auf seiner Oberfläche Eiweiße der Immunabwehr, die ihn als eine körpereigene Oberfläche tarnen, so dass er von der Abwehr nicht erkannt und folglich nicht bekämpft wird.

Der designierte HKI-Direktor und Leiter der neugeschaffenen Abteilung Molekulare und Angewandte Mikrobiologie, Prof. Dr. Axel Brakhage, stellte auf dem Kolloquium seine Arbeiten zur Identifikation der Virulenz-Faktoren eines anderen gefährlichen Pilzes vor. Aspergillus fumigatus ist ein Hyphenpilz, der allergische Reaktionen hervorrufen oder die Lunge besiedeln kann, vor allem, wenn eine Grunderkrankung der Lunge vorliegt. Das schwerwiegendste Krankheitsbild ist die lebensbedrohende, invasive Aspergillose: Der Pilz wächst aus der Lunge in das Gewebe ein und kann dann alle Organe des Körpers besiedeln. Diese Erkrankung tritt wie die Candida-Infektionen in der Regel nur bei Vorliegen einer stark geschwächten Infektabwehr des Patienten auf. Für eine Therapie der invasiven Infektion mit A. fumigatus stehen nur bescheidene Möglichkeiten zur Verfügung, so dass die Erkrankung in mehr als 70 Prozent der Fälle zum Tod der Patienten führt. Prof. Brakhage hat bereits Gene identifizieren können, die für die krankmachende Wirkung des gefährlichen Pilzes verantwortlich sind. Außerdem beschäftigt er sich mit pilzspezifischen Stoffwechselwegen, um letztendlich neue Ziele für moderne Medikamente gegen Pilze ausfindig machen zu können.

Susanne Liedtke | idw
Weitere Informationen:
http://www.hki-jena.de

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