Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Hoffnung auf Malaria-Impfstoff

17.07.2001


Kleiner Peptidring als Lebensretter?

In etwa hundert Ländern besteht derzeit Ansteckungsgefahr mit dem Parasiten Plasmodium falciparum, dem Erreger der bösartigsten Form der Malaria. Die Zahl der Todesopfer, die jährlich auf sein Konto gehen, wird auf 1,5 bis 2,7 Millionen geschätzt. Viele Plasmodienstämme sind bereits resistent gegen die zur Behandlung oder Prophylaxe gegebenen Mittel, die zudem gravierende Nebenwirkungen haben können. Ein Impfstoff, der den Menschen in den betroffenen Regionen wirksamen Schutz bieten könnte, ist nicht verfügbar. Neue Hoffnung schüren nun die Ergebnisse einer kolumbianisch-schweizer Forschungskooperation um Manuel E. Patarroyo.

Damit man gegen eine Infektionskrankheit immun wird, muss der Organismus Antikörper herstellen, die sich gegen die Erreger, z. B. Bakterien, Viren oder Parasiten, richten. Bei einer Impfung werden entweder Antikörper direkt zugeführt oder das Immunsystem zur Bildung von Antikörpern angeregt. Gegen Erkrankungen, die durch Parasiten hervorgerufen werden, konnte man bisher noch kein einziges Impfserum entwickeln.

Der Malaria-Erreger durchlebt einen sehr komplexen Lebenszyklus zwischen Mensch und Moskito. Beim Stich übertragen, nisten sich die Parasiten in der Leber ihres unfreiwilligen Gastgebers ein, reifen und werden ins Blut ausgeschwemmt. In den roten Blutkörperchen werden weitere Entwicklungsstadien durchlaufen. Die Blutkörperchen werden zerstört - es kommt zum Fieberschub. Die dabei freigesetzten Parasiten befallen erneut rote Blutkörperchen, ein neuer Fieberschub steht an.

Um in die Blutkörperchen zu gelangen, müssen die Malaria-Erreger zunächst an deren Hülle andocken - mit dem Protein MSP-1, das sie auf ihrer Oberfläche tragen. Das könnte ihr Schwachpunkt sein: Patarroyo und seine Mitstreiter haben
eine kurze definierte Peptidsequenz herstellen können, die der Bindungsstelle von MSP-1 sehr ähnlich ist. Der entscheidende Kniff: Aus dieser Peptidkette bastelten sie ringförmige Varianten. "Zyklische Peptide sind stabiler als Ketten, die im Serum sehr schnell durch Enzyme abgebaut werden," erläutert Patarroyo. "Durch den Ringschluss kann das Peptid außerdem in der gewünschten räumlichen Struktur fixiert werden."

Den Forschern gelang es, Affen mit einem der zyklischen Peptide zu immunisieren: Die Tiere entwickelten Antikörper. Und diese Antikörper reagieren nicht nur auf ihr ursrpüngliches Ziel, den Peptidring, sondern sie heften sich auch an das Oberflächenprotein MSP-1 der Malaria-Erreger. Der Befund lässt hoffen, dass auf diesem Wege endlich ein Impfstoff gegen Malaria entwickelt werden kann.


Kontakt:

Prof. Dr. M. E. Patarroyo
Fundaciòn Instituto de Immunologia de Colombia
Diag. 53 No. 34-53


AA 33086 Bogotà
Colombia

Fax: (+57) 1-280-3999

E-Mail: elioy@inwind.it 
mepatarr@mail.com


Quelle: Angewandte Chemie 2001, 113 (14), 2701 - 2705
Hrsg.: Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh)

Dr. Kurt Begitt | idw

Weitere Berichte zu: Antikörper Blutkörperchen MSP-1 Malaria-Erreger Parasit Peptid

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Proteinforschung: Der Computer als Mikroskop
16.01.2017 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht Nervenkrankheit ALS: Mehr als nur ein Motor-Problem im Gehirn?
16.01.2017 | Leibniz-Institut für Neurobiologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltweit erste Solarstraße in Frankreich eingeweiht

16.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Proteinforschung: Der Computer als Mikroskop

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Vermeintlich junger Stern entpuppt sich als galaktischer Greis

16.01.2017 | Physik Astronomie