Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Göttinger Physiker entwickelt Korrekturbrille für Farbenblinde

07.02.2005


Rot oder Grün? Rund 180 Millionen Menschen weltweit können Farben nicht richtig erkennen und unterscheiden. Die Ursache dieser Farbfehlsichtigkeit ist ein genetischer Defekt, der hauptsächlich bei Männern auftritt. Abhilfe könnte eine Farbkorrekturbrille schaffen, die ein Göttinger Physiker entwickelt hat.



"Das Problem ist die individuelle Ausprägung der Farbfehlsichtigkeit", erklärt Dr. Markus J. Gregor. Im Idealfall kann ein Mensch bis zu 10000 Farbunterschiede erkennen. Bei Menschen mit eingeschränktem Farbsehvermögen sind zwar alle Farbrezeptoren im Auge vorhanden, mindestens ein Rezeptor weicht jedoch in seiner Sensitivität ab. Dadurch ist das Farbunterscheidungsvermögen in bestimmten Farbbereichen geringer. "Ist der Rot-Rezeptor zu zehn Prozent eingeschränkt, wird eine rote Verkehrsampel schon als grün wahrgenommen", nennt der 39-jährige Wissenschaftler ein Beispiel.



Um die Sehschwäche zu lindern, muss der Grad der Störung im gesamten sichtbaren Farbbereich exakt bestimmt werden. Ungenaue Messungen und nicht individuell angepasste Sehhilfen waren nach Ansicht des Physikers die Hauptursachen dafür, warum die bislang im Markt angebotenen Produkte den Betroffenen nicht den erhofften Erfolg brachten. Ein computergestützter Sehtest, der auf einem neuen, von Gregor entwickelten Farbmodell basiert, brachte im vergangenen Jahr den Durchbruch. Mit diesem Verfahren kann der Grad der Farbfehlsichtigkeit mit einer so hohen Präzision bestimmt werden, dass die Abweichung nur noch im Prozentbereich liegt.

Auf dieser Basis entwickelte Gregor eine Farbkorrektursehhilfe, die mit einem speziellen mathematischen Optimierungsverfahren berechnet und aus gängigen Filtermaterialien kombiniert wurde. Erste Untersuchungen mit fast 40 Probanden bestätigten Gregors Methode. Alle Testpersonen konnten die gängigen Farbverwechslungsbereiche (Violett-Blau, Grün- Gelb-Orange-Rot) erstmals richtig unterscheiden und die gängigen Farbtests, die beispielsweise für Polizisten, Piloten oder Busfahrer obligatorisch sind, problemlos bestehen. Lohn der Mühen: Ein zweiter Preis beim Innovationswettbewerb des Landkreises Göttingen im Dezember 2004.

Für Gregor und das von ihm gegründete Unternehmen Optics Ing.enium ist das erst der Anfang. "Die Nachfrage ist enorm", betont er. Schon jetzt liegen mehrere hundert Bestellungen vor. Doch bis zur Serienreife der Farbkorrekturbrillen ist es noch ein weiter Weg. Auf rund zwei Millionen Euro schätzt das auf Life Sciences spezialisierte Beratungsunternehmen BioRegioN GmbH den Investitionsbedarf, der mit Hilfe von Investoren gedeckt werden soll. BioRegioN hat für Optics Ing.enium den Business Plan erstellt und unterstützt die junge Firma auch bei der Suche nach Investoren. Nach Ansicht von Dr. Thomas Wagner, Geschäftsführer von BioRegioN, "steckt in dem innovativen Verfahren großes wirtschaftliches Potenzial." Wissenschaftliche Rückendeckung bekommt Gregor zudem von der Universitäts-Augenklinik Tübingen. In medizinischen Testreihen wird der weltweit renommierte Netzhautspezialist Prof. Dr. Eberhard Zrenner die Wirksamkeit des Verfahrens und die Funktionalität der Farbkorrekturbrillen untersuchen.

BioRegioN GmbH

Die BioRegioN GmbH wurde Ende 2002 auf Initiative des Landes Niedersachsen als privatwirtschaftliches Unternehmen gegründet. Sie ist die Rechtsnachfolgerin der BioRegion Niedersachsen, die vor 10 Jahren mit einer virtuellen Geschäftsstruktur im Rahmen des BioRegio-Wettbewerbs, ausgerufen durch die Bundesregierung, entstanden ist. Als ein auf die Life Sciences spezialisiertes Beratungs- und Marketingunternehmen ist sie im Auftrag des Landes die zentrale Anlaufstelle für Life Science-Business in Niedersachsen. Durch nationales und internationales Marketing, Management-, Finanzierungs- und Fördermittelberatung von Life Science-Unternehmen und die Koordinierung und den Ausbau des Life Science-Netzwerks unterstützt und stärkt sie Niedersachsen als Life Science-Standort und die niedersächsischen Institutionen und Unternehmen bei der Positionierung im nationalen und internationalen Wettbewerb.

BioRegioN GmbH
Vahrenwalder Straße 7
D-30165 Hannover
Tel.: 0511/ 9357-940
Fax: 0511/ 9357-963
Email: bioregion@bioregion.de
presse@bioregion.de

Weitere Informationen:
Optics Ing.enium
Dr. Markus J. Gregor
Telefon: 0551-703291

Ilka Zajons | idw
Weitere Informationen:
http://www.bioregion.de

Weitere Berichte zu: Farbfehlsichtigkeit Farbkorrekturbrille Physik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Eine Karte der Zellkraftwerke
18.08.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung
18.08.2017 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie