Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dermatologen der Uniklinik Essen entwickeln Creme, die Erbinformationen in den Körper transportiert

09.07.2001


Dr. Ulrich Hengge, Privatdozent an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie des Universitätsklinikums Essen, entwickelt derzeit eine Creme, die Erbinformationen in den Körper transportiert.

Durch diese Gencreme wird es möglich, verschiedene Eiweiße (Proteine) im Körper herzustellen, wobei die dafür notwendigen Erbinformationen in spezielle Fettkügelchen - sogenannte Liposomen - verpackt werden. Diese transportieren die Erbinformationen und verschmelzen mit der Hautoberfläche, so dass dort die genetischen Informationen für die Produktion von Proteinen an die Oberhautzellen weitergegeben werden. Es handelt sich um eine Methode, die auf Entdeckungen beruht, die 1995 während eines Forschungsaufenthalts an den National Institutes of Health, Bethesda in den USA gemacht wurden: Die Oberhautzellen besitzen die Fähigkeit, DNA aufzunehmen und die genetische Information in das entsprechende Protein umzusetzen. Diese Erkenntnis wird nun optimiert und für die klinische Anwendung nutzbar gemacht.

Da die Haut leicht zugänglich ist, ergeben sich aus dieser Methode zahlreiche Vorteile und mannigfaltige Applikationen:

  • Wiederholte, zum Beispiel tägliche, Anwendung ist möglich - im Gegensatz zu den meisten anderen gentherapeutischen Transfersystemen, die nach wenigen Anwendungen nicht mehr aktiv sind. So lassen sich dauerhafte Effekte erzielen.
  • Diese Methode hat keine Nebenwirkungen und keine Toxizität. Sie ist schmerzlos und sicher.

  • Die Haut kann als Synthesefabrik fungieren. Eine Anwendung in der Herstellung von Proteinen, beispielsweise von Gerinnungsfaktoren oder Insulin, ist möglich.
  • Die Haut kann zudem als Immunorgan fungieren: Durch die sogenannte Impfung mit der Erbsubstanz von Infektionserregern (DNA-Vakzinierung) lassen sich starke Immunreaktionen gegen diese Erreger herstellen. Diese Anwendung wird nach direkter Injektion in die Haut, beziehungsweise den Muskel, bereits klinisch eingesetzt. Das Verfahren ist schmerzlos und eignet sich deshalb auch zur routinemäßigen vorbeugenden Impfung von Kindern. Wenn die Erbsubstanz von Tumorproteinen eingesetzt wird, lassen sich therapeutische Immunreaktionen gegen den Krebs (z.B. Melanom) erzielen.

Neben diesen wichtigen medizinischen Anwendungen bestehen auch Möglichkeiten im Bereich der Kosmetik. So könnte das Verfahren zum Beispiel gegen Falten oder auch Sonnenalterung eingesetzt werden.

Herkömmliche Verfahren, die beispielsweise Proteine direkt zuführen, und nicht - wie hier - die "proteinherstellenden" Erbsubstanzen zu den Zellen transportieren, haben gegenüber den von Dr. Ulrich Hengge entwickelten Gencremes zahlreiche Nachteile: So ist die Herstellung vieler therapeutisch wichtiger Proteine technisch nicht möglich. Dagegen ist die Erbsubstanz (DNA) kostengünstig produzierbar und bezüglich Temperatur, Feuchtigkeit oder Trockenheit sehr stabil. Die Anwendungen menschenähnlicher Proteine lösen zudem häufig unerwünschte Immunreaktionen aus, durch die das therapeutische Protein unwirksam gemacht wird.

Redaktion: Maren Beuscher, Telefon (02 01) 1 83-45 18
Weitere Informationen: PD Dr. Ulrich Hengge, Telefon 02 01/723-36 34


E-Mail: ulrich.hengge@uni-essen.de

Monika Roegge | idw

Weitere Berichte zu: Creme Erbinformationen Erbsubstanz Immunreaktionen Protein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Genetische Vielfalt schützt vor Krankheiten
23.05.2018 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt
22.05.2018 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Im Focus: Achema 2018: Neues Kamerasystem überwacht Destillation und hilft beim Energiesparen

Um chemische Gemische in ihre Einzelbestandteile aufzutrennen, ist in der Industrie die energieaufwendige Destillation gängig, etwa bei der Raffinerie von Rohöl. Forscher der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) entwickeln ein Kamerasystem, das diesen Prozess überwacht. Dabei misst es, ob es zu einer starken Tropfenbildung kommt, was sich negativ auf die Trennung der Komponenten auswirken kann. Die Technik könnte hier künftig automatisch gegensteuern, wenn sich Messwerte ändern. So ließe sich auch Energie einsparen. Auf der Prozesstechnik-Messe Achema in Frankfurt stellen sie die Technik vom 11. bis 15. Juni am Forschungsstand des Landes Rheinland-Pfalz (Halle 9.2, Stand A86a) vor.

Bei der Destillation werden Flüssigkeiten durch Verdampfen und darauffolgende Kondensation des Dampfes in ihre Bestandteile getrennt. Ein bekanntes Beispiel...

Im Focus: Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

Wie verleiht man Zellen neue Eigenschaften ohne ihren Stoffwechsel zu behindern? Ein Team der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München veränderte Säugetierzellen so, dass sie künstliche Kompartimente bildeten, in denen räumlich abgesondert Reaktionen ablaufen konnten. Diese machten die Zellen tief im Gewebe sichtbar und mittels magnetischer Felder manipulierbar.

Prof. Gil Westmeyer, Professor für Molekulare Bildgebung an der TUM und Leiter einer Forschungsgruppe am Helmholtz Zentrum München, und sein Team haben dies...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Rotierende Rugbybälle unter den massereichsten Galaxien

23.05.2018 | Physik Astronomie

Invasive Quallen: Strömungen als Ausbreitungsmotor

23.05.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Matrix-Theorie als Ursprung von Raumzeit und Kosmologie

23.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics