Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Samenflüssigkeit fördert die Einnistung der Eizelle

21.01.2005


Botenstoffe verändern die Gebärmutterschleimhaut / Klinische Studie der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg: Mehr Schwangerschaften nach künstlicher Befruchtung? Die Technik der künstlichen Befruchtung im Reagenzglas ist heute nahezu perfekt, der Kinderwunsch wird dennoch oft enttäuscht: Nur knapp ein Drittel der künstlich befruchteten Eizellen führen nach dem Einsetzen in die Gebärmutter zur erwünschten Schwangerschaft.


Wissenschaftler der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg untersuchen einen Faktor, der bislang eher vernachlässigt wurde: die Bedeutung der Samenflüssigkeit für die Einnistung der Eizelle in die Gebärmutter. Ergebnisse aus dem Labor sprechen dafür, dass die Schwangerschaftsrate nach künstlicher Befruchtung (In-vitro-Fertilisation, IvF) gesteigert werden kann. Dies wird derzeit in einer klinischen Studie getestet.

Warum die Mehrzahl der Einpflanzungsversuche scheitert, ist im Detail nicht bekannt. Ein Teil der Eizellen wird wahrscheinlich von der Gebärmutterschleimhaut nicht "akzeptiert". "Natürliche Bedingungen" der Befruchtung, so vermuten die Wissenschaftler, könnten die Einnistung der Eizelle nach In-vitro-Fertilisation fördern.


Kinderwunsch-Sprechstunde bietet Teilnahme an klinischer Studie an

Eine klinische Studie an der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg untersucht derzeit, ob die künstlich befruchtete Eizelle eine größere Chance hat, sich in der Gebärmutter einzunisten, wenn die Gebärmutterschleimhaut mit einem Extrakt aus männlicher Samenflüssigkeit vor der Einnistung behandelt wird. "Wir möchten dadurch die Einbettung des Eis in die Gebärmutter verbessern", erklärt Professor Dr. Thomas Strowitzki, Ärztlicher Direktor der Abteilung Gynäkologische Endokrinologie. Dass bei der Einnistung ein kompliziertes Zusammenspiel von Botenstoffen und Zellen der Gebärmutter und des Immunsystems abläuft, zeigen jüngste wissenschaftliche Ergebnisse, auch aus der Heidelberger Klinik.

Paare, die sich in der Kinderwunsch-Sprechstunde der Klinik behandeln lassen, seien gerne bereit, an der Studie teilzunehmen, berichten die Ärzte. Bei der Entnahme der Eizellen aus den Eierstöcken wird entweder die Samenflüssigkeit oder eine Kochsalzlösung in die Scheide und in den unteren Teil der Gebärmutter, dem Muttermund, gegeben. Erste Ergebnisse der Studie werden Ende 2005 erwartet.

Schon jetzt gibt es wissenschaftliche Anhaltspunkte dafür, dass die Samenflüssigkeit eine aktive Rolle bei der Entstehung einer Schwangerschaft spielt. "Lange Zeit ist man davon ausgegangen, dass Samenflüssigkeit und überzählige Spermien nichts mit Befruchtung und Einnistung zu tun haben", berichtet Oberarzt Privatdozent Dr. Michael von Wolff. Denn während der fruchtbaren Phase ist der Schleim im Gebärmutterhals besonders zäh. Zudem wurde angenommen, dass nur ein sehr kleiner Teil des Ejakulats in die Gebärmutterhöhle gelangen kann.

Dagegen sprechen neue Untersuchungen, die einen Einstrom von Substanzen vom Muttermund bis in die Eileiter innerhalb weniger Minuten nachgewiesen haben. Dieser Einstrom scheint durch Muskelbewegungen der Gebärmutter gefördert zu werden.

Ziel ist die Entwicklung eines Medikaments

Die Samenflüssigkeit enthält eine Vielfalt von Botenstoffen, z.B. TGF( und Interleukin 8, die das Wachstum von Blutgefäßen fördern und Entzündungsreaktionen oder andere immunologische Reaktionen beeinflussen. In Laboruntersuchungen haben Dr. von Wolff und seine Mitarbeiter erstmals festgestellt, dass Samenflüssigkeit die Produktion von sogenannten Zytokinen, sehr aktiven Botenstoffen des Immunsystems, in den Zellen der Gebärmutterschleimhaut reguliert. Diese begünstigen wiederum, wie aus Tierversuchen bekannt ist, die Einnistung der Eizelle.

Auch die klinischen Ergebnisse sprechen für die Schlüsselrolle der Samenflüssigkeit. "Erste Ergebnisse unserer Studie sind vielversprechend. Allerdings müssen noch wesentlich mehr Patientinnen behandelt werden, um eine definitive Aussage über die Wirksamkeit der Behandlung treffen zu können" berichtet Dr. von Wolff und ergänzt: "Unser nächstes Ziel ist die Entwicklung eines Medikaments, dass in die Scheide und den Muttermund gegeben wird und gezielt die Einnistungswahrscheinlichkeit verbessert." Dazu werden die Bestandteile der Samenflüssigkeit aufgetrennt, um zu erkennen, welche Substanzen für die Verbesserung der Einnistung wesentlich sind, um sie dann in einem Medikament zusammenzuführen.

Bei Rückfragen:
Professor Dr. Thomas Strowitzki:
Telefon: 06221 / 56 79 10 (Sekretariat)

Dr. Michael von Wolff:
E-Mail: Michael_von_Wolff@med.uni-heidelberg.de

Literatur:
Gutsche S, von Wolff M, Strowitzki T, Thaler CJ.: Seminal plasma induces mRNA expression of IL-1beta, IL-6 and LIF in endometrial epithelial cells in vitro. Mol Hum Reprod. 2003 Dec;9(12):785-91.

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-heidelberg.de
http://www.med.uni-heidelberg.de/aktuelles/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Tauben beim Multitasking besser als Menschen
26.09.2017 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht eTRANSAFE – ein Forschungsprojekt für mehr Sicherheit bei der Arzneimittelentwicklung
26.09.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die schnellste lichtgetriebene Stromquelle der Welt

Die Stromregelung ist eine der wichtigsten Komponenten moderner Elektronik, denn über schnell angesteuerte Elektronenströme werden Daten und Signale übertragen. Die Ansprüche an die Schnelligkeit der Datenübertragung wachsen dabei beständig. In eine ganz neue Dimension der schnellen Stromregelung sind nun Wissenschaftler der Lehrstühle für Laserphysik und Angewandte Physik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) vorgedrungen. Ihnen ist es gelungen, im „Wundermaterial“ Graphen Elektronenströme innerhalb von einer Femtosekunde in die gewünschte Richtung zu lenken – eine Femtosekunde entspricht dabei dem millionsten Teil einer milliardstel Sekunde.

Der Trick: die Elektronen werden von einer einzigen Schwingung eines Lichtpulses angetrieben. Damit können sie den Vorgang um mehr als das Tausendfache im...

Im Focus: The fastest light-driven current source

Controlling electronic current is essential to modern electronics, as data and signals are transferred by streams of electrons which are controlled at high speed. Demands on transmission speeds are also increasing as technology develops. Scientists from the Chair of Laser Physics and the Chair of Applied Physics at Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) have succeeded in switching on a current with a desired direction in graphene using a single laser pulse within a femtosecond ¬¬ – a femtosecond corresponds to the millionth part of a billionth of a second. This is more than a thousand times faster compared to the most efficient transistors today.

Graphene is up to the job

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungen

Posterblitz und neue Planeten

25.09.2017 | Veranstaltungen

Hochschule Karlsruhe richtet internationale Konferenz mit Schwerpunkt Informatik aus

25.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bakterielle Nano-Harpune funktioniert wie Power-Bohrer

26.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

eTRANSAFE – ein Forschungsprojekt für mehr Sicherheit bei der Arzneimittelentwicklung

26.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die schnellste lichtgetriebene Stromquelle der Welt

26.09.2017 | Physik Astronomie