Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das genetische Rätsel der Männlichkeit galt schon als gelöst

19.01.2005


Y-Chromosom (rechts) und X-Chromosom (links) 10.000fach vergrößert. Foto: Nature


Neue Genbereiche auf dem Y-Chromosom isoliert / Heidelberger Wissenschaftler analysieren übersehene Region

... mehr zu:
»Chromosom »Gen »Y-Chromosom

Das männliche Geschlechtschromosom, das so genannte Y-Chromosom, ist größer als bislang angenommen. Dieses Chromosom kommt nur bei Männern vor - im Vergleich zum X-Chromosom, das bei Frauen doppelt und bei Männern einfach vorliegt. Wissenschaftler des Humangenetischen Instituts am Universitätsklinikum Heidelberg haben einen neuen Bereich mit mehreren potentiellen Genen entdeckt. Diese bestimmen möglicherweise das Längenwachstum von Jungen und sind an der Entstehung eines Gonadentumors, des Gonadoblastoms beteiligt. Die wissenschaftliche Arbeit unter der Federführung von Professor Dr. Gudrun Rappold ist jetzt in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Genome Research" erschienen.

Eigentlich galt das genetische Rätsel des Y-Chromosoms als gelöst: Im Juni 2003 gaben amerikanische Wissenschaftler aus Boston bekannt, dass sie den gesamten genetischen Code des Y-Chromosoms entschlüsselt hätten und veröffentlichten seine Basensequenz. Mit 78 Genen aus rund 23 Millionen Basenpaaren ist das männliche Chromosom eher spärlich ausgestattet.


Nach akribischen Klonierungs- und Sequenzierungsarbeiten stellten die Heidelberger Wissenschaftler jedoch - zu ihrer eigenen Überraschung - fest, dass bislang ein Teil des aktiven Genmaterials auf dem Y-Chromosom schlichtweg übersehen wurde. Dort wo die Chromosomenarme sich verengen, im Bereich des so genannten Zentromers, fanden die Heidelberger Wissenschaftler genetisches Material von etwa 500 Kilobasen Umfang mit insgesamt acht möglichen Genen.

Neue Gensequenzen kommen auch auf anderen Chromosomen vor

"Noch überraschender war für uns die Tatsache, dass ein Grossteil dieser Sequenzen nicht allein auf dem Y Chromosom liegt, sondern mit einer Übereinstimmung von 95 bis 99 Prozent auch auf den Chromosomen 1 bis 4, 9 bis 11, 14 bis 16 und 22 vorkommen", erklärt Frau Professor Rappold, die die Abteilung für Molekulare Humangenetik am Heidelberger Klinikum leitet. Diese außergewöhnliche Ähnlichkeit wird einer "segmentalen Duplikation" zugeschrieben, einem Mechanismus zur Vervielfachung von Genen im Laufe der Evolution.

Die vorliegende Studie reiht sich ein in die langjährigen Untersuchungen der Arbeitsgruppe Y-spezifischer Merkmale. In der betreffenden Region wird eine Locus (Genort) für Körpergröße und Gonadentumor angenommen. Die jetzt fehlende Sequenz mit acht potentiellen Genen erlauben nun eine genaue Analyse dieser Merkmale, mit der sich die Heidelberger Wissenschaftler in den kommenden Monaten beschäftigen werden.

Bei Rückfragen:

Professor Dr. Gudrun Rappold:
Tel.: 06221 / 56 50 59
Fax.: 06221 / 56 51 55
Tel.: 06221 / 56 51 53 (Sekretariat)
E-Mail: Gudrun_Rappold@med.uni-heidelberg.de

Literatur:

Kirsch, S., Weiß, B., Miner, T.L., Waterston, R.H., Clark, R.A., Eichler, E.E., Münch, C., Schempp, W., and Rappold, G. 2005. Interchromosomal segmental
duplications of the pericentromeric region on the human Y chromosome.
Genome Res. 15: 195-204.

Der Artikel ist online veröffentlicht und erscheint in der Februar-Druckausgabe von "Genome Research". Der Originalartikel kann bei der Pressestelle des
Universitätsklinikums Heidelberg unter contact@med.uni-heidelberg.de
angefordert werden.

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-heidelberg.de
http://www.med.uni-heidelberg.de/aktuelles/

Weitere Berichte zu: Chromosom Gen Y-Chromosom

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise