Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gasbehälter en miniature

19.01.2005


Poröse Netzwerke aus Van-der-Waals-Kristallen organischer Verbindungen können Methan und Kohlendioxid selektiv einlagern


Waschpulver bestehen bekanntermaßen zum Teil aus anorganischen Zeolithen. Diese Aluminosilikate bilden poröse Strukturen, in deren Hohlräume Ionen und Moleküle eingelagert werden können. In Waschpulvern binden sie die für die Wasserhärte verantwortlichen Calcium- und Magnesiumionen. Noch weitgehend unbekannt sind dagegen die organischen Zeolithe, die ebenfalls vielversprechende Anwendungsmöglichkeiten bieten, z. B. für die Aufbewahrung, Trennung und Reinigung von Gasen.

Ein solches Material haben italienische Wissenschaftler jetzt bis ins Detail untersucht. P. Sozzani und seine Mitarbeiter von der Universität Mailand bestimmten die Eigenschaften von Kristallen der organischen Verbindung Tris-o-phenylen-dioxycyclotriphosphazen. Diese nanoporösen Netzwerke werden nicht wie anorganische Salze durch Wechselwirkungen zwischen postiv und negativ geladenen Ionen zusammengehalten, sondern durch die viel schwächeren Van-der-Waals-Kräfte. In die 4.6 Å weiten Kanäle einer solchen offenporigen Schichtstruktur können z.B. die Gase Methan und Kohlendioxid eindringen. Dort treten sie über zusätzliche Van-der-Waals-Wechselwirkungen mit den aromatischen Ringen des Kristalls in Kontakt. Bei Drücken bis 600 Torr und niedrigen Temperaturen von -78 °C wurden bis zu 60 % der Bindungsstellen der Kristalle mit Methan und bis zu 100 % der Bindungsstellen mit Kohlendioxid beladen. Bei 25 °C waren es immer noch ca. 15 % für Methan und ca. 40 % für Kohlendioxid.


Andere Gasmoleküle, wie Wasserstoff, Stickstoff, Sauerstoff oder Argon können nicht in das Netzwerk eindringen oder werden dort nicht festgehalten. Diese hohe Selektivität ist eine der besonders interessanten Eigenschaften des Materials: Auf diese Weise ließe sich zum Beispiel Wasserstoff von kontaminierenden Kohlendioxid- und Methan-Rückständen befreien. Ein solcher hochreiner Wasserstoff wird als Treibstoff für Wasserstoffmotoren benötigt. Aber auch andere Anwendungen wie die Entfernung von Kohlendioxid aus der Luft oder die Lagerung von Treibstoffen sind denkbar.

Kontakt:

Prof. P. Sozzani
Department of Materials Science
Università degli Studi di Milano-Bicocca
Via R.Cozzi 53
20125 Milan Italien
Tel.: (+39) 814-863-2460
Fax: (+39) 02-6448-5400
E-mail: piero.sozzani@mater.unimib.it

Angewandte Chemie Presseinformation Nr. 05/2005

ANGEWANDTE CHEMIE
Postfach 101161
D-69451 Weinheim
Tel.: 06201/606 321
Fax: 06201/606 331
E-Mail: angewandte@wiley-vch.de

Dr. Renate Hoer | idw
Weitere Informationen:
http://www.angewandte.de

Weitere Berichte zu: Gasbehälter Kohlendioxid Methan Treibstoff Wasserstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der erste Blick auf ein einzelnes Protein
18.01.2017 | Max-Planck-Institut für Festkörperforschung, Stuttgart

nachricht Unterschiedliche Rekombinationsraten halten besonders egoistische Gene im Zaum
18.01.2017 | Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie, Plön

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik