Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Volkskrankheit Chronisch obstruktive Bronchitis: GSF-Wissenschaftler untersuchen die Rolle kleiner Sputummakrophagen

04.01.2005


Dr. Marion Frankenberger, Leiterin der Klinischen Kooperationsgruppe "Entzündliche Lungenerkrankungen" Foto: Bernd Müller


Sputum von COPD-Patienten Foto: Bernd Müller


Die COPD (chronic obstructive pulmonary disease) zählt zu den weltweit häufigsten Erkrankungen mit Todesfolge. Allein in Deutschland leiden daran ca. 3-5 Millionen Menschen. Die COPD umfasst die chronisch-obstruktive Bronchitis und das Lungenemphysem. Beide stellen irreversible Veränderungen der tiefen Atemwege dar, die mit Atemnot, Husten und Auswurf verbunden sind. Die vermehrte Schleimproduktion wird durch die Einwanderung neutrophiler Granulozyten und Makrophagen hervorgerufen. Dadurch kommt es zusätzlich zu einer Zerstörung des Bronchialepithels und der Alveolarsepten und somit zu einem Lungenemphysem. Die in Schüben verlaufende Krankheit ist zwar nicht heilbar, aber durch frühzeitige Diagnose und entsprechende Therapie doch in den Griff zu bekommen.


Eine zentrale Rolle in den Atemwegen und in der Peripherie der Lunge, den Alveolen, spielt der Makrophage. Makrophagen stammen aus dem Knochenmark. Auf dem Weg ins Blut differenzieren sich diese Zellen über myelomonozytäre Vorläufer zu den Monozyten, die nun ins Gewebe auswandern und ab diesem Schritt als Makrophage bezeichnet werden. Eine Hauptaufgabe der Makrophagen besteht in der Aufnahme von körperfremden zellulären Partikeln - wie Bakterien, Viren und Aerosolpartikeln - durch Phagozytose. Bei der lichtmikroskopischen Betrachtung der Leukozytenpopulationen fällt auf, dass bei den COPD-Patienten bis zu 84% der Zellen Neutrophile sind, und die Makrophagen nur einen Anteil von 15% ausmachen; bei den Gesunden liegt der Anteil an Neutrophilen bei 36%, wohingegen die Makrophagen mit 60% die Hauptpopulation stellen.

Der Klinischen Kooperationsgruppe "Entzündliche Lungenerkrankungen" unter der Leitung von Marion Frankenberger ist es nun gelungen, unter den Zellen im induzierten Sputum von COPD-Patienten eine neue Population von Makrophagen zu definieren, die kleiner als die bisher gesehenen Makrophagen sind. Die Wissenschaftler haben diese Population daher als "kleine Sputummakrophagen" bezeichnet. In Kontrollspendern macht diese Population nur ca 7%, also einen geringen Anteil der Makrophagen aus, wohingegen sie in COPD-Patienten auf bis zu 90% aller Makrophagen während eines Schubes ansteigen kann; sie stellen also eine Hauptpopulation von Makrophagen bei der COPD dar. Ersten Ergebnissen zufolge, können die kleinen Sputummakrophagen auch zu einer Unterscheidung COPD/Asthma beitragen, da sie bei Asthmapatienten gegenüber den Kontrollspendern nur geringfügig erhöht sind.


Der entzündliche Prozeß bei der COPD ist nach wie vor nur ungenügend verstanden. Es ist möglich, dass den kleinen Sputummakrophagen eine zentrale Beteiligung in der Pathogenese der COPD zukommt. Diese Zellen weisen Merkmale von stark aktivierten inflammatorischen Zellen auf und könnten daher bei der Entzündung der Atemwege bei der COPD eine entscheidende Rolle spielen.

Ansprechpartnerin:
Dr. Marion Frankenberger
Klinische Kooperationsgruppe Entzündliche Lungenerkrankungen (GSF-Institut für Inhalationsbiologie und Asklepios Fachkliniken)
Robert-Koch Allee 29
82131 Gauting
Tel.: 089 893237-0

Michael van den Heuvel | idw
Weitere Informationen:
http://www.gsf.de

Weitere Berichte zu: Atemweg Bronchitis COPD COPD-Patienten Makrophagen Sputummakrophagen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zebras: Immer der Erinnerung nach
24.05.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

nachricht Wichtiges Regulator-Gen für die Bildung der Herzklappen entdeckt
24.05.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten

CRTD erhält 1.56 Millionen Euro BMBF-Förderung für Forschung zu degenerativen Netzhauterkrankungen

24.05.2017 | Förderungen Preise

Neues Helmholtz-Institut in Würzburg erforscht Infektionen auf genetischer Ebene

24.05.2017 | Förderungen Preise